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BUND Landesverband Brandenburg

BUND-Vorstand zieht Bilanz der Oder-Bereisung: Enorme Chancen der Naturvielfalt nutzen

27. Oktober 2017 | Oderausbau, Flüsse & Gewässer

Sascha Maier erklärt dem BUND-Vorstand um Hubert Weiger die Instandsetzungsmaßnahme an der Oder bei Reitwein im ökologisch höchst wertvollen Bereich.  (Carsten Preuß)

Hubert Weiger und Carsten Preuß bereisten Anfang dieser Woche mit einer hochrangigen Delegation des BUND die naturnahe Grenzoder von Frankfurt bis Criewen und informierten sich aus erster Hand über den Hochwasserschutz, die Naturvielfalt, den Schiffsverkehr und die deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Die Hochwassergefahr der Oder erklärte Hans-Peter Trömel, der maßgeblich für die Verteidigung der Deiche bei der Oderflut 1997 für das Land Brandenburg verantwortlich und auch schon beim Oder-Winterhochwasser 1981/82 im Einsatz war. Deutlich wurde dabei, dass vom damaligen Leitspruch Helmut Kohls "Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen. Sie holen ihn sich sonst - mit schlimmen Folgen für die betroffenen Menschen - zurück." fast nichts umgesetzt wurde. Im "Generalplan Hochwasserschutz Oder" wurden 1999 zwar 9.900 ha als Retentionsfläche identifiziert. Durch punktuelle Deichrückverlegungen wurden in den vergangenen Jahren jedoch nur 164 ha zusätzliche Überschwemmungsflächen geschaffen. Auch der Umgang von Eishochwassern ist sehr komplex und lässt sich nicht allein auf den Eisaufbruch reduzieren.

Die Mittlere Oder wies vor den großen Oderregulierungen im 18. Jh. eine Vielzahl von Inseln in der Strommitte auf. Am ehemaligen militärischen Übungsgelände der Oder bei Reitwein wurden über Jahre die Wasserbauwerke derart zerstört, dass auf knapp 900 m aus Buhnenresten Inseln wurden und sich eine enorme Vielfalt von über 25 Fischarten wiedereinstellen konnte. Hier befindet sich auch Deutschlands einzige Population des Baltischen Goldsteinbeißers. Für die Schifffahrt wird jetzt vor Ort anstatt von Buhnen ein Parallelwerk geschaffen werden, dass die vorhandene Artenvielfalt zwischen den Inseln nicht zerstören soll. Die hierfür veranschlagten 3,5 Millionen Euro gelten der gesamten schifffahrtlichen Baumaßnahme und nicht vorrangig, dass sich eine einzelne Fischart wohlfühlt. Da die Oder aufgrund des geringen Güterverkehrs eine Nebenwasserstraße ist, soll nach dem Bundesprogramm "Blaues Band Deutschland" die Renaturierungsplanung zukünftig auf der Grundlage eines regionalen Entwicklungskonzeptes beruhen. Hierfür kann die Maßnahme bei Reitwein ein Schritt sein.

Deutsch-Polnische Zusammenarbeit

Die deutsch-polnische Kooperation der Umwelt- und Naturschutzverbände wurde in einem Treffen mit Jacek Engel, Sprecher der polnischen Koalition Rettet die Flüsse (Koalicja Ratujmy Rzeki) bestärkt. Die Koalition besteht aus über 30 polnischen Verbänden und wurde vor einem Jahr gegründet, um die Ausbaupläne an der Oder, der Weichsel und den vielen anderen mittleren Flüssen Polens zum Schutz der Allgemeinheit zu stoppen. Die in Deutschland gemachten Erfahrungen mit dem völlig unsinnigen und naturzerstörerischen Prestigeprojekt Main-Donau-Kanal und dem erfolgreichen Hochwasserschutz durch die Deichrückverlegung an der Elbe bei Lenzen sind auch wichtige Argumente für die polnischen Partner. Der BUND und die Koalition Rettet die Flüsse vereinbarten eine weitere Stärkung der Zusammenarbeit, damit links und rechts der Oder europäisches Recht eingehalten wird.

Von dem enormen Potential der Region überzeugte sich der Landesvorsitzende des BUND Brandenburg Carsten Preuß kürzlichen bei seinem Urlaub im Unteren Odertal: "Die Vielfalt der Landschaft lädt geradezu zum Natur-Erlebnis beim Radfahren auf dem Deich und zum Paddeln in den Auen ein." Der Vorsitzende des BUND Hubert Weiger macht deutlich: "Die Stellensituation im Nationalpark Unteres Odertal ist gegenüber den anderen deutschen Nationalparken am unteren Ende. Hier muss dringend aufgestockt werden. Denn die Naturausstattung des Odertals hat auch international das Potential für eine Spitzenposition.“

Bündnispartner

Die polnische Koalition Rettet die Flüsse (Koalicja Ratujmy Rzeki) ist ein Zusammenschluss von über 30 Organisationen, darunter WWF Polen und BirdLife Polen.

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) ist der Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen. Er ist Träger des von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes „Ökologischer Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Oder mit Schwerpunkt auf die Modellregion Unteres Odertal“. Das Projekt ist ein grenzüberschreitendes gemeinsames Verbände-Projekt der Natur- und Umweltschutzverbände mit Beteiligung von BUND, DUH, Heinz Sielmann Stiftung, NABU, WWF Deutschland und Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal e.V.

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