BUND Landesverband Brandenburg

Alleen in Gefahr

Unsere Allee- und Straßenbäume sind einer Vielzahl schädigender Umwelteinflüsse ausgesetzt. Neben der Bodenverdichtung und unsachgemäßen Schnittmaßnahmen setzen vor allem die Schadstoffemissionen der PKW und LKW sowie das im Winter massenhaft ausgebrachte Tausalz den Bäumen zu. Alte Alleebäume müssen zudem häufig weichen, wenn Straßen ausgebaut und verbreitert werden.

Im Westen Deutschlands wurden die Alleen im Zuge des massiven Straßenausbaus der 50er/60er Jahre regelrecht ausgelöscht. Grund war die Umsetzung des Leitbildes der „autogerechten Stadt“ mit der Trennung der Funktionen Arbeiten, Wohnen, Versorgen und Freizeit. Die Entfernungen stiegen, das Auto wurde unentbehrlich und die Zunahme des Autoverkehrs produzierte neue Straßen und erforderte den Ausbau der alten. Dieser massive Straßenbau der vergangenen Jahrzehnte hat nicht nur eine Vielzahl natürlicher Lebensräume zerstört und zerschnitten – an rund 50.000 km Straßen fielen ihm auch die Straßenbäume zum Opfer.

In Ostdeutschland erfolgte bis zur Wende der Straßenaus- und Neubau in kaum nennenswerter Weise. Das geringe Verkehrsaufkommen und die niedrige Anzahl der PKW und LKW machten dies überflüssig. Daher sind heute in den Ost-Bundesländern noch viele Alleen und Kopfsteinpflasterstraßen vorhanden. Doch auch hier war nicht alles „eitel Sonnenschein“: die Bäume wurden in den vergangenen Jahrzehnten schlecht gepflegt, wenige wurden neu gepflanzt. In Kombination mit dem hohen Alter ergibt sich der schlechte Zustand der Alleebäume, der den Brandenburger Alleenschutz heute vor große Herausforderungen stellt.

Seit der Wende leiden die Alleen auch in Ostdeutschland unter dem Straßenausbau und dem zunehmenden Verkehr.

Baumschäden erkennen

Wir können unsere Augen nicht überall haben. Helfen Sie uns, indem Sie Ihre Lieblingsallee im Auge behalten.

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Tausalz

Ganzjahresgefahr für Alleebäume

Das auf den Straßen ausgebrachte Salz schädigt Alleebäume nachhaltig, darüber hinaus sind die häufigsten Alleebaumarten in Brandenburg besonders salzempfindlich. Der Einsatz von Tausalz kann zur Verschlämmung und Verdichtung der Straßenrandböden führen. Der Boden wird nicht mehr ausreichend durchlüftet und die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und zu speichern, wird gestört.

Hohe Salzzufuhr stört den Nährstoffhaushalt der Pflanzen. Ein besonderes Problem ist die mangelnde Selbstentsorgung des Salzes, denn es sammelt sich in Pflanzenteilen, im Laub und im Boden über Jahre an und wird somit immer wieder von den Bäumen selbst aufgenommen. 

Salzgeschädigte Bäume weisen typische Symptome auf: die Blätter treiben erst spät im Frühjahr aus. Sie sind kleinflächiger, oft gekräuselt und zeigen Nekrosen (Absterben von Gewebeteilen) an Blatträndern und Spitzen. Weitere Folgen sind frühzeitige Alterserscheinungen der Bäume wie Verfärben der Blätter und vorzeitiger Laubabfall bis hin zum Absterben von Pflanzenteilen oder des ganzen Baumes.

Dabei spielen im winterlichen Straßenverkehr eigentlich ganz andere Faktoren als „trockene“ Straßen eine Rolle: eine Anpassung der Verhaltensweisen an die Witterung und die Straßenverhältnisse ist unumgänglich. Es muss eingesehen werden, dass im Winter nie die gleichen Verhältnisse wie im Sommer erreicht werden können und konsequenterweise daraus auch Verantwortung bei den VerkehrsteilnehmerInnen liegt.  

Salzschäden an Bäumen sind zu erkennen an den braunen, vertrockneten Blatträndern ("Blattrandnekrosen"). Foto: Christiane Weitzel Salzschäden an Bäumen sind zu erkennen an den braunen, vertrockneten Blatträndern ("Blattrandnekrosen").  (Christiane Weitzel)

Straßenbau

Mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nach der Wende in den neuen Bundesländern brachen schwere Zeiten für die Alleen an. Viele Kilometer Alleen sind dem Straßenaus- und Neubau zum Opfer gefallen. Andere Faktoren wie Fahrbahnerneuerungen oder das Verlegen von Leitungen führen häufig zu Wurzelbeschädigungen und damit langfristig zum Alleebaumsterben.

Straßenverbreiterungen beispielsweise stellen ein doppeltes Problem dar: Zum einen führen verbreiterte Straßen zu höheren Geschwindigkeiten des Verkehrs und erhöhen damit die Unfallgefahr. Zum anderen werden Bäume häufig an den Wurzeln geschädigt.

Werden Wurzeln beim Straßenbau verletzt, dringen holzzersetzende Pilze ein. Bei einer Verdichtung des Bodens fehlt ihnen Sauerstoff, sie können nicht mehr atmen und sterben langsam ab. Ein maßvoller und baumschonender Straßenbau ist daher unumgänglich.  

Straßenbau ohne Baumschutz kann Stämme und Wurzeln verletzen. Foto: BUND Brandenburg Straßenbau ohne Baumschutz kann Stämme und Wurzeln verletzen.  (BUND Brandenburg)

Schnittmaßnahmen

So manche Schnittmaßnahme ist keine Baumpflege – unsachgemäßer Baumschnitt bedroht viele Alleebäume. Die Beseitigung von Blattmasse führt zu Energieverlust am Baum und bei großflächigen Schnittmaßnahmen werden ihm zudem Wunden zugefügt, die durch Krankheitserreger infiziert werden können. Besser ist es da, bei Bedarf lieber häufiger zu schneiden, dafür aber jeweils weniger Blattmasse zu entfernen. Besonders problematisch sind Fehler bei der Jungbaumpflege, wo die Bäume kaum oder nur durch kostenintensive Pflege Chancen haben, ein hohes Alter zu erreichen. Ein sorgsamer Umgang hingegen spart Kosten und lässt Jungbäume zu schönen und gesunden Allee-„Riesen“ heranwachsen.  

Unsachgemäße Schnittmaßnahme bei Alleebäumen, Foto: Jochen Brehm Unsachgemäße Schnittmaßnahme bei Alleebäumen  (Jochen Brehm)

Anfahr- und Mahdschäden

Ca. 4.000 Anfahrschäden an Alleebäumen gibt es in Brandenburg pro Jahr. Im Bereich des Aufpralls reicht die Verletzung meist bis in den Holzkörper hinein. Bei Unfällen während der Vegetationsperiode wird die Rinde oftmals großflächig vom Holzkörper abgeschert, da sie sich zu dieser Zeit relativ leicht löst. An solchen Stellen entsteht nachfolgend häufig eine Fäulnis. Das ist dann meist das Todesurteil für diese Bäume, da sie aus Gründen der Verkehrssicherung häufig frühzeitig gefällt werden müssen.

 

Erfahren Sie hier, wie Sie uns helfen können Alleen zu schützen! 

Anfahrschaden, Foto: BUND Brandenburg Anfahrschaden  (BUND Brandenburg)

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