Auch knapp vier Jahre nach dem Waldbrand bei Beelitz ist kaum Vegetation auf der Fläche zu entdecken. Foto: Sebastian Petrich
Die Ergebnisse der Waldzustandsberichte 2025 sind ernüchternd. In Brandenburg haben gerade einmal acht Prozent aller Waldbäume keine sichtbaren Schäden, in Berlin sogar nur drei Prozent. Deutlich geschädigt (Schadstufen 2 bis 4) sind 39 Prozent in Brandenburg und 46 Prozent in Berlin.
Wie sieht es mit der neuen Baumgeneration aus? In Brandenburg, wo die als Monokulturen von der Klimakrise besonders bedrohten Kiefern 69 Prozent der Waldfläche bedecken, stellen sie bei den bis zu vier Meter hohen Bäumen nur noch 20 Prozent. 39 Prozent der Bäume dieser Verjüngungsschicht gehören zu den kurzlebigen Laubbaumarten (etwa Birke, Pappel, Vogelbeere oder Weide), die Pionierarbeit beim Waldumbau leisten.
Eiche und Buche, die unter natürlichen Bedingungen den Wald dominieren würden, tatsächlich aber nur acht und vier Prozent der Waldfläche bedecken, sind beim Nachwuchs immerhin mit 14 und zehn Prozent vertreten. Unter dem Dach der Kiefern wird es also langsam diverser. Aber eben nur langsam. Denn die oben beschriebene Verjüngungsschicht gibt es leider nur auf 28 Prozent der Brandenburger Waldfläche! Und dort, wo Jungbäume wachsen, sind über ein Viertel von ihnen vom Wild verbissen. Bei Laubbäumen, die sich vermutlich besser an trockenere Verhältnisse anpassen können, sind es unglücklicherweise sogar noch mehr.
Hilfe vom Wolf
Der BUND fordert daher eine Novellierung des Brandenburger Jagdgesetzes, um die Jäger*innen stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie sollen die Rehbestände deutlich reduzieren, so dass die Naturverjüngung häufiger erfolgreich ist. Nun ist die Jagd auch ein unnatürlicher Eingriff. In einem funktionierenden Ökosystem übernehmen Spitzenprädatoren diese Aufgabe. Für den Wald ist die Rückkehr des Wolfs daher ein Glücksfall. Allein schon aus diesem Grund ist die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht – und erst recht der ewige Ruf nach einer Abschussquote – unsinnig und kontraproduktiv.
Damit sich in den Kiefernmonokulturen eine Schicht von Laubbäumen etablieren kann, muss der Wald generell erhalten bleiben. Über die letzten Jahrzehnte ist die Brandenburger Waldfläche in der Summe nahezu unverändert geblieben. Auf vielen Hektar Wald wurden aber Bäume für Verkehrswege oder Gewerbegebiete gefällt, während meist abgelegene Ackerflächen aufgeforstet wurden. Diese Praxis muss dringend enden. Es ist völlig unklar, ob solche großflächigen, monotonen Baumpflanzungen angesichts der zu erwartenden Wetterextreme in den nächsten Jahren überhaupt noch funktionieren. Selbst ein Kiefernstangenwald bietet für die Entwicklung eines Mischwalds eine bessere Grundlage als eine kahle Fläche. Der BUND fordert für Brandenburg daher ein Waldmoratorium – was Wald ist, muss Wald bleiben.
In Berlin beendete die Senatsumweltverwaltung im März ein Moratorium. 2024 war der mit Kiefernfällungen und Laubbaumpflanzungen verbundene Waldumbau gestoppt worden, den auch der BUND wegen der daraus resultierenden Austrocknung des Bestands stark kritisiert hatte. Ergebnis des zweijährigen Nachdenkprozesses ist nun die „Waldvision 2065“, die den Berliner Wald in einen naturnahen Dauerwald mit Schwerpunkt auf natürliche Verjüngung entwickeln will.
Management passt nicht mehr
Diese Waldentwicklungsgrundsätze sehen auf den ersten Blick fortschrittlich aus, lassen aber viele Fragen ungeklärt. Soll es künftig Holznutzung in den Berliner Wäldern geben? Wenn ja, wie viel und auf welchem Weg gelangt das Holz bodenschonend aus dem Wald? Welchen vernünftigen Grund sollte es geben, überhaupt noch Laubbäume zu entnehmen? Sollen weiterhin Auflichtungen der Kronen möglich sein, obwohl sie das Waldinnenklima verschlechtern?
Und vor allem: Was wollen Berliner Forsten unternehmen, um die als nötig beschriebene Anpassung an die globale Erwärmung zu bewerkstelligen? Insgesamt betrachtet die „Waldvision 2065“ den Wald zu stark als Ressource und zu wenig als wertvolles, zu schützendes Ökosystem. Die Praxis wird zeigen, ob es beim menschlich gemanagten Forst bleibt oder ob man den natürlichen Prozessen Vorrang einräumt.
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2/2026. Mehr zum Schwerpunktthema „Bäume“:
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