BUND Landesverband Brandenburg

BUND: Klimakrise beschleunigt menschengemachte Wasserkrise

15. Juni 2020 | Flüsse & Gewässer, Lebensräume, Klimawandel

Niedrigwasserstand in der Elbe - Folge des Klimawandels  (Michaela Kruse)

Am 20. Juni ist kalendarischer Sommeranfang und vielerorts sind schon jetzt Trockenheit und niedrige Wasserstände in den Flüssen an der Tagesordnung, die Gewässer in Deutschland sind nicht gegen die Auswirkungen des Klimawandels gerüstet. Angesichts dieses Zustandes der Gewässer im Bundesland Brandenburg fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) - Landesverband Brandenburg ein radikales Umdenken in der Gewässerpolitik.

Hierzu erklärt Carsten Preuß, Landesvorsitzender des BUND Brandenburg: „Die Klimakrise schreitet fort und unseren Gewässern, Flüssen und Bächen geht es immer schlechter. Deshalb muss die Landesregierung endlich dem Gewässerschutz mehr Priorität einräumen.“ Nur sechs Prozent der Flüsse und Bäche in Brandenburg erreichen den von der europäischen Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten ökologischen Zustand. Knapp 40 Prozent der oberirdischen Gewässer sind europaweit durch vielfältige Stressoren wie Klimawandel, Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft oder Begradigungen belastet.

Die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre ist für die Natur dramatisch. Auch mit Blick auf den Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni erklärt Carsten Preuß weiter: „Die Jahre 2014, 2018 und 2019 waren die drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Deutschland. Das kann zu vermehrtem Auftreten von Blaualgen führen, was im Sommer Badeverbote nach sich zieht. Die hohen Temperaturen können auch zu einem stark abnehmenden Sauerstoffgehalt in vielen Gewässern führen, das kann Fischsterben auslösen.“

In Zeiten der Klimakrise braucht es Flüsse und Bäche, Teiche und Seen, die Wasser zwischenspeichern können. Wasser muss in der Fläche bleiben, um in trockenen und heißen Zeiten dort zur Verfügung zu stehen, wo es gebraucht wird.

Dies gelingt aus Sicht des Naturschutzverbandes nur, wenn der Gewässerschutz in allen Politikbereichen mitgedacht wird. „Es ist absehbar, dass die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie mit den jetzigen Anstrengungen im notwendigen Zeitrahmen bis 2027 von Brandenburg nicht erreicht werden können. Brandenburg muss seine Anstrengungen in Hinblick auf die Umsetzung deutlich verstärken“, erklärt Carsten Preuß weiter. „Dringend erforderlich ist jetzt die Realisierung von zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen.“ Außerdem müsse das Verursacherprinzip konsequent angewendet werden. Für Kosten, die beispielsweise durch die Belastung der Spree mit Eisenocker und Sulfat in Folge des Braunkohlenabbaus entstehen, müssen die Verursacher zahlen.

„Noch gibt es Wasserreserven, doch wir stecken mitten in der Klimakrise – und müssen jetzt handeln“, so Preuß abschließend.

 

Um die europäische Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen und die Gewässerkrise nachhaltig zu lösen, fordert der BUND:

  • Die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und den CO2-Ausstoß verbindlich zu reduzieren.
  • Den Flüssen mehr Raum geben, statt sie einzudeichen, denn nur so können Aue und Fluss wieder verknüpft und die Biodiversität gestärkt werden. Auen müssen renaturiert werden.
  • Wasser in der Landschaft halten, statt es direkt abzuleiten, sodass sich die Grundwasserspeicher wieder auffüllen können.
  • Flächenversiegelung stoppen, denn besonders in Städten wird das Wasser schnellstmöglich abgeführt und kann nicht versickern.
  • Abbau von Querbauwerken, denn das Aufstauen der Flüsse erhitzt das Wasser, verschlechtert die Wasserqualität und versperrt Fischen den Weg, sodass diese ihre Laichgebiete nicht mehr erreichen können.
  • Zum Schutz des Grund- und Trinkwassers müssen Vorsorge- und Verursacherprinzip umgesetzt werden, denn nur wenn vorausschauend gehandelt wird, kann die Gewässerqualität verbessert werden. Die Gewässer müssen vor Einträgen von Nähr- und Schadstoffen geschützt werden.
  • Wassernutzungskonflikte müssen gerecht und nachhaltig gelöst werden.
  • Statt Flüsse für immer größer werdende Schiffe weiter auszubauen und zu vertiefen, müssen die Schiffe an die Flüsse angepasst werden. Es muss überprüft werden, auf welchen Flüssen die Schifffahrt unter sich ändernden klimatischen Verhältnissen überhaupt noch sinnvoll ist.
  • Auch in der Landwirtschaft ist ein nachhaltiges Wassermanagement notwendig, das beispielsweise eine bodenschonende Bearbeitung, den Rückbau von Drainagen, die Humusmehrung und den Anbau standortangepasster Kulturen beinhaltet. Die EU-Agrarpolitik muss an die klimawandel-bedingten Herausforderungen angepasst werden.

Das BUND-Gewässerpapier „Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt“ finden Sie in einer Kurzfassung unter: www.bund.net/gewaesserpapier_kurz bzw. in der Langfassung unter: www.bund.net/gewaesserpapier

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