„Wir Bürger*innen nutzen acht Prozent des Wassers, Red Bull 92 Prozent“

13. August 2026 | Wasser, BUNDzeit

Petra Liesenfeld und Klaus Axenknopf vom Ressourcen-Bündnis Baruth über Brauseproduktion im Wasserschutzgebiet, tonnenschwere Aluminiumreste und verschwundene Seen

Klaus Axenknopf (Foto: Catrien Stremme) und Petra Liesenfeld (Foto: Jutta Abromeit) vom Ressourcen-Bündnis Baruth

Warum ist Baruth so interessant für wasserintensive Industrie? Gewässer sieht man hier ja kaum. 

Klaus Axenknopf: Wir sind das Gegenteil von Grünheide. Wenn man dort wie Elon Musk mit dem Flieger einschwebt, denkt man: so viel Wasser. Darauf ist Tesla hereingefallen. Bei uns ist es genau umgekehrt: Wir haben das Wasser unter der Erde und oben ist der nächste See gut 16 Kilometer weg. Es war aber nicht immer so. Leute aus dem Dorf erzählen, dass sie hier noch schwimmen gelernt haben. Es gibt eine Kiesgrube, wo wir vor 15 Jahren noch baden konnten. Wie die Pegel sinken, sieht man in der Radelandsiedlung. Weil die Leute dort nicht ans Wassersystem angeschlossen sind, sind sie auf Brunnen angewiesen. Die müssen sie immer tiefer bohren. 

Petra Liesenfeld: Wir haben hier drei verschiedene Grundwasserleiter. Der oberste ist nitrat- und antibiotikabelastet und nicht als Trinkwasser geeignet. Darunter liegt der sehr saubere Grundwasserleiter zwei. Aus dem bekommen sowohl wir, die Bevölkerung, als auch Red Bull Trinkwasser. Wir nutzen ungefähr acht Prozent dieses Wassers, 92 Prozent geht an die Industrie. Ganz unten liegt Grundwasserleiter drei, den darf niemand anzapfen, das ist uraltes Wasser aus der Eiszeit. Nun haben alle Fachleute, mit denen wir gesprochen haben, erklärt, dass jeder Grundwasserleiter mit den anderen verbunden ist, was unser örtlicher Wasserversorger bestreitet. Er argumentiert, kein Baum habe 100 Meter lange Wurzeln, deshalb könne die Entnahme nichts mit der Trockenheit der Böden zu tun haben. Die Wissenschaftler*innen, mit denen wir gesprochen haben, sind anderer Meinung. 

Was war vor Red Bull hier? 

Petra Liesenfeld: Nach der Wende hat sich ein Unternehmen namens Brandenburger Urstromquelle in Baruthniedergelassen. Es bekam von der Stadt die Erlaubnis, 2,35 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr zu nutzen, hat diese Menge aber nie voll in Anspruch genommen. Vor ein paar Jahren hieß es, Brandenburger Urstromquelle sei pleite. Riesenkatastrophe. 200 Arbeitsplätze weg. Aber dann konnte Gott sei Dank Red Bull als Retter gewonnen werden. Alles falsch, haben wir in einem Fachjournal für Getränkeproduktion gelesen: Es gab keine Insolvenz. Rauch beziehungsweise Red Bull hat einfach so die Firma übernommen, die Arbeitsplätze waren nie in Gefahr. Rauch füllt in Baruth als Dienstleister Red Bull und wohl auch eigene Getränke ab. Das Ganze läuft wohl unter dem alten Namen Brandenburger Urstromquelle. Wir wissen nicht, was in den Verträgen mit der Stadt steht; wir wissen nur, dass der Vertrag zur Wassernutzung 25 Jahre läuft, also noch 22 Jahre. Und das zu Zeiten, in denen sich die Bedingungen durch den Klimawandel so stark ändern. 

Was plant das Duo Red Bull/Rauch? 

Klaus Axenknopf: Es ist ein Trio, die Firma Ball Packaging Europe will hier für Red Bull in einer neuen Fabrik Dosen herstellen. Von Baruth aus soll ganz Nord- und Osteuropa mit dem Zeug versorgt werden. 

Petra Liesenfeld: Und damit sich das lohnt, wollen sie das Abfüllwerk um drei Strecken erweitern. Um neue, wesentlich leistungsfähigere. Und wo soll das hin? Ins Wasserschutzgebiet! Insgesamt 16 Hektar Wald wollen sie dafür roden! Aber diese Erweiterung hat das Oberverwaltungsgericht erst einmal gestoppt. Wobei es sich nicht auf die vielen Einwendungen der Naturschutzverbände und der Bürger* innen bezogen hat, sondern auf einen Formfehler. Das fragliche Gebiet war nämlich als Industriegebiet deklariert. Im Industriegebiet muss es aber einen Bereich geben, wo man unendlich laut sein darf, wo keine Lärmbegrenzung besteht. Das trifft hier nicht zu. 

Sind die Fabrikerweiterung und das Dosenwerk jetzt vom Tisch? 

Petra Liesenfeld: Nein. Aber zumindest bis zum Ende der Vegetationsperiode im Herbst passiert nichts. Das Hauptverfahren läuft weiter, erfolgreich war vorerst der Eilantrag. Die Stadt nennt das strittige Areal jetzt „Sondergebiet Getränkeproduktion“, um aus der Lärmkiste rauszukommen, sonst ändert sich wenig. 

Winken der Stadt Baruth saftige Gewerbesteuereinnahmen durch den Dosendeal?

Klaus Axenknopf: In den nächsten Jahren sollen wir nichts erwarten, hieß es, weil Red Bull und Rauch irrsinnig viel investieren, was sie anrechnen können. Unser früherer Bürgermeister sagte 2023, man könne gar nicht sagen, ob da überhaupt je Geld reinkommt. Der Dosenhersteller sagt, dass ab der ersten hier produzierten Dose Gewerbesteuer fließt. Aber er sagt auch, dass es nicht annähernd so viel sein wird, wie Brandenburger Urstromquelle früher gezahlt hat. Baruth kriegt also vielleicht einen kleinen Obolus, der aber immer klein bleibt, weil die ständig irgendwo eine Dosenfabrik bauen und das gegenrechnen. Es ist halt nicht der regionale Mittelstand, der die Steuern ortsnah bezahlt. 

Wo kommen jetzt die Dosen her, wenn die Fabrik noch nicht steht? 

Klaus Axenknopf: Die werden per Lkw aus Tschechien und der Schweiz hertransportiert. Wobei wir jetzt gelernt haben: Die Deckel werden weiterhin angeliefert, auch wenn die Fabrik hier produziert. Das lohnt sich, weil auf eine Deckelfabrik fünf Dosenfabriken kommen. Und noch besser: Im Jahr sollen 7.400 Tonnen Aluabfall anfallen. Das sei wie beim Plätzchenbacken, wurde uns erklärt. Man sticht diese runden Dinger aus und was übrig bleibt, muss wieder weggekarrt werden. 

Wie ist die Stimmung im Ort? 

Petra Liesenfeld: Zunehmend positiv uns gegenüber. Gerade die älteren Leute erzählen, seit Brandenburger Urstromquelle hier produziert, ist es hier so trocken. Durch die Trockenheit des Bodens sinken viele Häuser ab, weil halb Baruth auf Eichenpfählen steht. Ob das mit dem Klimawandel oder der großen Wasserentnahme zusammenhängt, wissen wir nicht. Wahrscheinlich ist, dass sich beides addiert. Oder die Nachbarin, die sich daran erinnert, wie sie früher immer in Gummistiefeln in ihren Garten gegangen ist, weil es so sumpfig war. Heute weiß sie nicht, woher sie das Wasser zum Gießen nehmen soll. 

Wie geht es jetzt weiter? 

Petra Liesenfeld: Wir wollen ein neues Gutachten. Das alte, das die angebliche Unbedenklichkeit der Wasserentnahme von 2,35 Millionen Kubikmeter jährlich bescheinigt, stammt von 2006 und hantiert teilweise mit Daten aus DDR-Zeiten. Der Stadt haben wir vorgeschlagen, dass wir, BI und Stadt, gemeinsam ein Gutachten beauftragen. Wenn das gelingt, übernehmen wir auch einen Teil der Kosten. Außerdem fordern wir die Offenlegung der Verträge zwischen der Stadt und den beteiligten Unternehmen, um zu sehen, wie viel die für das Wasser zahlen! 

Bürgerinitiative Ressourcen-Bündnis Baruth: www.rb-baruth.de

Das Interview führte Sebastian Petrich. Es erschien in der BUNDzeit 3/2026. Mehr zum Schwerpunktthema Umweltgerechtigkeit:

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Zankapfel Wasser: Die Novellierung des Brandenburger Wassergesetzes
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