Ökotipp: Parlament der Arten

09. August 2026 | Artenschutz, BUNDzeit, Umweltbildung, Naturerleben

Was will die Gemeine Rollassel? Foto: Holger Krisp (https://creativecommons. org/licenses/by/3.0/deed.de)

Was wäre, wenn alle Lebewesen gleiche politische Rechte hätten? Welche Interessen würden sie artikulieren, wenn sie könnten? Und welche Kompromisse zum Wohle aller könnte ein Parlament der Arten beschließen, in dem Tiere, Pflanzen und Pilze vertreten sind? 

Dieses Gedankenexperiment hat die Künstler*innengruppe Club Real durchgespielt. Auf einer urbanen Wildnisfläche in Gesundbrunnen hat sie die „Berliner Organismendemokratie“ etabliert. Zunächst ermittelte eine „Volkszählung“ durch Fachleute 22 Wirbeltierarten, 22 Weichtiere und Würmer, 125 Gliederfüßer, 38 Gehölze und Kletterpflanzen, 40 Kräuter und Gräser, 93 Pilze, Moose und Flechten sowie 85 Bakterien, Einzeller und Viren auf dem „Staatsgebiet“. 

Unter ihnen werden jedes Jahr 15 für das Parlament ausgelost. Für die ausgewählten Arten sprechen Menschen, die die Interessen „ihrer“ Spezies artikulieren. Sie befassen sich etwa damit, ob Bäume zurückgeschnitten werden sollen, um anderen Pflanzen mehr Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Oder ob sich Menschen beim Betreten des Geländes rücksichtsvoller verhalten sollen, wie es ein Schmetterling fordert. 

In den vergangenen Jahren hatten die Parlamentarier* innen unter anderem Maßnahmen zum Minderheitenschutz und Asyl für bedrohte Arten beschlossen. Da wundert es nicht, dass die AfD und das Hetzportal Nius das Projekt angriffen (Aufhänger war eine kurzzeitige Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung). Was die vertretenen Arten von ihrem Parlament halten, lässt sich leider nicht ermitteln. 

Klar ist aber, dass wir Menschen dadurch eine Menge lernen. Etwa uns von dem einseitigen Blick zu lösen, der Arten nur als Ressourcen oder Störfaktor betrachtet. Vor allem aber, uns in andere Positionen hineinzudenken, andere Perspektiven zu akzeptieren – davon können menschliche Diskussionskultur und Demokratie nur profitieren. 

Führung buchen: info(at)organismendemokratie.org 
Jenseits der Natur, Osloer Straße, Berlin-Gesundbrunnen 107/108 
www.organismendemokratie.org

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3/2026. Mehr zum Schwerpunktthema Umweltgerechtigkeit:

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