Bei der heutigen Sitzung des Landwirtschafts- und Umweltausschusses im Brandenburger Landtag wird der Entwurf des Wolfsmanagementplans diskutiert. Der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg, der BUND Brandenburg und die AG Herdenschutzhunde mahnen gemeinsam an, dass zentrale Fragen des Herdenschutzes und der Umsetzung des Wolfsmanagementplans bisher ungeklärt sind. Beim Umgang mit schadstiftenden Wölfen ziehen Schafhaltende und Naturschützende an einem Strang. Schadstiftende Wölfe, die den empfohlenen Herdenschutz überwinden und Nutztiere reißen, sollen künftig schnell und zielgerichtet entnommen werden können.
Jonas Scholz, Vorsitzender des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg spricht aus Sicht der Weidetierhaltdenen: „Wenn ein Wolf den empfohlenen Herdenschutz überwindet und Tiere reißt, muss genau dieser Wolf schnell entnommen werden. Eine pauschale Bestandsjagd hilft mir als Schäfer dagegen nicht – sie garantiert nicht, dass der schadstiftende Wolf getroffen wird. Ich erwarte, dass der Wolfsmanagementplan genau das sicherstellt und die Herausforderungen der Schäferinnen und Schäfer ins Zentrum rückt.“
Der Wolf bleibt europarechtlich geschützt - eine freie Quotenjagd ist deshalb rechtlich so gut wie ausgeschlossen und naturschutzfachlich falsch. Eine pauschale Bejagung ist zudem für die Weidewirtschaft kontraproduktiv: Sie kann Ressourcen und Akzeptanz für die schnelle, gezielte Entnahme tatsächlich problematischer Wölfe schwächen.
„Die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht war ein politischer Fehler, den am Ende Nutztierhalterinnen und Nutztierhalter in Brandenburg ausbaden müssen. Statt die Probleme im Vollzug und bei der rechtssicheren Entnahme wirklich anzugehen und für schnelle Entnahme im Rahmen des Artenschutzrechts zu sorgen, müssen sich neue Zuständigkeiten nun erstmal finden und offene Fragen bei z.B. der Meldekette geklärt werden.“, sagt Carsten Preuß, Co-Landesvorsitzender des BUND Brandenburg. Er ergänzt: „Wer künftig über Wolfsentnahmen entscheidet oder sie durchführt, muss die artenschutzrechtlichen Vorgaben sicher beherrschen. Der Wolf wird durch die Aufnahme ins Jagdrecht nicht zu einer gewöhnlichen jagdbaren Tierart. Hier scheint es noch viel Vermittlungsarbeit bei den Beteiligten zu brauchen.“
Für den Weidetierhaltenden und die Naturschützenden ist außerdem die Frage der sicheren Finanzierung des Herdenschutzes zentral. In der Vergangenheit kam es in Brandenburg zu Förderlücken, die die wirtschaftliche Existenz von Schäferinnen und Schäfern gefährdet haben. Die beiden Verbände fordern eine langfristig gesicherte Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen, um eine Koexistenz mit dem Wolf und die Einhaltung von Artenschutzrecht erst zu ermöglichen.
„Brandenburg hat beim Herdenschutz viel aufgebaut – jetzt darf die Politik diesen Erfolg nicht durch unsichere Finanzierung gefährden. Doch gerade hier herrscht mit Blick auf die kommenden Jahre Unsicherheit für uns. Wir wünschen uns von der Landwirtschafts- und Umweltministerin ein klares Bekenntnis zur Weidetierhaltung in Brandenburg. Bei den Verhandlungen zur neuen europäischen Agrarpolitik brauchen wir politischen Rückenwind!“, so Knut Kucznik, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V.