Wasserkrise vor Cottbus: Kann der Ostsee die Spree wirklich retten?

26. Mai 2026 | BUND, Flüsse & Gewässer, Kohle, Kohle, Klimawandel, Wasser

Cottbuser Ostsee: Umweltverbände warnen vor vorschneller Nutzung als Wasserspeicher. Der BUND Brandenburg fordert Vorrang für Trinkwasser- und Gewässerschutz und wenden sich mit Brief an die Cottbuser Stadtverordneten.

Der Cottbuser Ostsee wird zunehmend als möglicher Wasserspeicher zur Stützung der Spree diskutiert. BUND Brandenburg warnt jedoch davor, den See vorschnell als dauerhaft verfügbare Niedrigwasserreserve einzuplanen.
Die Verbände haben sich deshalb mit einem Brief und einem Informationspapier an die Stadtverordneten der Stadt Cottbus gewandt. Darin fordern sie eine auf unabhängige Gutachten gestützte Debatte über Wasserbilanz, Sulfatbelastung, Grundwasser und mögliche Folgen für die Trinkwasserversorgung.

Nach Auswertung öffentlich zugänglicher Monitoringdaten und Fachberichte hat der See zwar Ende 2024 seinen Zielwasserstand erreicht. Die zentrale wasserwirtschaftliche Frage ist damit aber nicht gelöst. Die Daten zeigen weiterhin deutliche Wasserverluste durch Verdunstung und Abfluss in den Untergrund. Zugleich liegen die Sulfatwerte weiter oberhalb des für die Trinkwasserbewirtschaftung wichtigen Orientierungswertes von 250 mg/l. 
„Der Cottbuser Ostsee ist kein automatisch verfügbarer Wasserspeicher“, erklärt Axel Kruschat Geschäftsführer des BUND Brandenburg. „Er braucht weiterhin Wasserzufuhr, und die Sulfatbelastung ist noch zu hoch. Wer jetzt eine Speicherfunktion verspricht, weckt falsche Erwartungen.“

Die heutige Wasserqualität wurde vor allem durch große Mengen eingeleiteten Spreewassers verbessert. Ohne weitere Zuführung drohen nach Einschätzung der Verbände sinkende Wasserstände und eine Verschlechterung der Wasserqualität. In Trockenzeiten könnte der See deshalb selbst zusätzlich Wasser benötigen, statt die Spree zu entlasten.
„In der Klimakrise darf Wasserpolitik nicht auf unbegründete Hoffnungen beruhen“, so Bastian Ascher aus dem Cottbuser Büro des BUND. „Wir brauchen belastbare Daten, klare Regeln und eine faire Debatte darüber, wie Wasser verteilt und geschützt wird.“
Der Naturschutzverband fordert unabhängige wissenschaftliche Langfristgutachten, transparente Wasserbilanzen, regelmäßige Veröffentlichungen zu Sulfatwerten und Sulfatfrachten sowie klare Regeln für mögliche Wasserabgaben. Trinkwasser- und Gewässerschutz müssen Vorrang haben.
Die künftige Bewirtschaftung des Cottbuser Ostsees ist keine technische Detailfrage. Sie betrifft die Wasserzukunft der Lausitz.


Weiterer Hintergrund im Informationspapier Cottbuser Ostsee
 

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