Der BUND Brandenburg sieht die Notwendigkeit von Rechenzentren für die digitale Unabhängigkeit und Wirtschaft. Damit das aber nicht zulasten von Menschen und Natur passiert, muss die Landesregierung diese Entwicklung aktiv steuern, statt die Entscheidung über Großvorhaben weitgehend einzelnen Kommunen zu überlassen. Eine aktuelle Recherche von FragDenStaat macht sichtbar, wie stark der Ausbau von Rechenzentren in Brandenburg inzwischen voranschreitet. Für Berlin und Brandenburg sind 19 Vorhaben sind geplant oder befinden sich bereits in der Umsetzung. Für den BUND Brandenburg zeigt sich damit: Aus einzelnen Ansiedlungen entwickelt sich ein landesweiter Rechenzentren-Boom.
Rechenzentren sind Bestandteil einer modernen digitalen Infrastruktur. Insbesondere große Cloud- und KI-Rechenzentren haben jedoch einen erheblichen Strom-, Flächen- und teilweise Wasserbedarf. Hinzu kommen Umspannwerke, Stromleitungen, Kühlanlagen, Notstromaggregate und weitere Infrastruktur. Der BUND Brandenburg fordert deshalb verbindliche Kriterien für Standortwahl, Genehmigung und Betrieb.
Regina Schwarz, Co-Vorsitzende des BUND Brandenburg, betont: „Die Dimension der geplanten Projekte zeigt, dass Brandenburg nicht länger von einzelnen Gewerbeansiedlungen sprechen kann. Hier entsteht eine neue energie- und flächenintensive Infrastruktur, deren negative Auswirkungen auf Menschen und Natur noch immer nicht genügend berücksichtigt sind. Das zuständige Wirtschafts- und Klimaministerium schaut momentan nur zu und lässt die Kommunen mit den großen Investoren alleine. Deshalb: Rechenzentren ja, aber nur an Standorten mit möglichst wenig Naturzerstörung. Statt zahlreiche Hektar neu zu versiegeln, müssen prioritär versiegelte Flächen beispielsweise in bestehenden Gewerbegebieten genutzt werden. Dann wäre die Akzeptanz in der Bevölkerung auch da.“
Aus Sicht des BUND sollen Rechenzentren vorrangig auf bereits versiegelten Industrie-, Gewerbe- und Konversionsflächen entstehen. Sensible Natur- und Wasserflächen, darunter Wälder, Moore, Feuchtgebiete, Überschwemmungsgebiete, Schutzgebiete, Biotopverbundflächen und hochwertige landwirtschaftliche Böden, sind als Standorte auszuschließen. Eine gesicherte Nutzung der Abwärme muss bereits bei der Standortentscheidung berücksichtigt werden. Die Landesregierung soll eine landesweite Rechenzentrumsstrategie vorlegen, um den Boom politisch zu steuern und einen Ausgleich von verschiedenen Interessen herzustellen.
Besonders kritisch bewertet der BUND Brandenburg den von der Wirtschaftsförderung herausgegebenen Leitfaden für Kommunen zur Ansiedlung von Rechenzentren. Zwar enthält er wichtige Hinweise zu Bauleitplanung, Verträgen, Infrastrukturkosten, Abwärmenutzung und Öffentlichkeitsbeteiligung. In seiner derzeitigen Ausrichtung versteht er Rechenzentren jedoch zu einseitig als wirtschaftliche Ansiedlungschance. Verbindliche ökologische Standort- und Ausschlusskriterien fehlen gänzlich.
„Der Leitfaden muss von einer Ansiedlungs- zu einer Prüfungs- und Steuerungshilfe weiterentwickelt werden. Kommunen müssen auf seiner Grundlage auch zu dem begründeten Ergebnis kommen können, dass ein Standort oder ein Vorhaben ökologisch nicht tragfähig ist und ein anderer Standort gesucht werden muss. Es muss auch sichergestellt werden, dass ökologische Schäden, die durch den Bau und den Betrieb entstehen, in geeigneter Form vor Ort ausgeglichen werden. “, so Regina Schwarz.
BUND-Position zu Rechenzentren in Brandenburg