Linden in der Gartenstadt Marga gefällt

03. März 2026 | Alleen, Stadtplanung, Naturschutz, Lebensräume, Bäume

Am Mittwoch, dem 18. Februar 2026 wurden im Auftrag der Stadt Senftenberg die historischen 25 Krimlinden in der Ringstraße der Gartenstadt Marga im Senftenberger Ortsteil Brieske durch ein Dresdner Baumpflegeunternehmen gerodet. Die Gartenstadt Marga steht als bauliches Gesamtensemble seit dem Jahr 1985 unter Denkmalschutz. Die Linden mit Kronenhöhen von 15 bis 20 Metern gehören zu einem markanten Grünring, der die Gartenstadt Marga umschließt.

Linden / Fotos: Grieger

Der Landesverband Brandenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte gegen die Rodungspläne der Kommune erfolgreich Eilschutz-Rechtsmittel vor dem Verwaltungsgericht Cottbus (VG 5 L 692/24) eingelegt. Eine hiergegen eingelegte Beschwerde der Stadt Senftenberg wurde vom OVG Berlin-Brandenburg mit Beschluss vom 29.01.2025 (OVG 11 S 59/24) unanfechtbar verworfen und damit die aufschiebende Wirkung wiederhergestellt. Für die Realisierung der gerichtlichen Alleeschutzverfahren erhielt der BUND Brandenburg vom AlleenForum Sachsen e. V. vielfältige Unterstützung.
Die Linden waren auch ein nachgewiesenes Quartier mehrere streng geschützte Fledermausarten, wie dem Großen Abendsegler und der Zwergfledermaus und unzählige Singvögel. Der für die Rodung maßgebliche uNB-Bescheid über die Ausnahme vom Artenschutz wurde den Vertretern des BUND Brandenburg erst am 18. Februar 2026 nach 9 Uhr zugestellt. Die Kommune als Eigentümer der Bäume hatte jedoch bereits um 8 Uhr mit der Kappung aller Baumkronen in der Briesker Ringstraße begonnen. Der Bescheid des Landkreis OSL ist auf den 12.02.2026 datiert. Noch am 17.02.2026 hatte der Landkreis OSL gegenüber dem Prozessbevollmächtigten des BUND Brandenburg schriftlich behauptet, der Bescheid läge lediglich als Entwurf vor.
Axel Heinzel-Berndt, Naturschutzreferent des BUND Brandenburg: „Wir haben den Eindruck, dass der Landkreis Oberspreewald-Lausitz und die Stadt Senftenberg ihr Vorgehen bewusst zulasten des Alleenschutz und der Rechtsschutzmöglichkeiten der Naturschutzverbände geplant haben. Durch die verspätete Zustellung des sofort vollziehbaren Zweitbescheids war es dem BUND Brandenburg faktisch nicht mehr möglich, rechtzeitig weitere Rechtsmittel einzulegen um den Vollzug der Ausnahmegenehmigung durch die Stadt Senftenberg zu vermeiden. Mit der dieser einzigartigen Allee geht zudem ein bedeutendes Kulturgut als Zeitzeuge aus der Entstehungszeit der Gartenstadt Marga und ein touristischer Anziehungspunkt in der Niederlausitz unwiederbringlich verloren.“
Dr. Ditmar Hunger vom AlleenForum Sachsen ergänzt: „Trotz der Herausforderungen des Klimawandels und des notwendigen Hitzeschutzes in Städten hat die Stadt die ökologisch wertvollen und gesunden Altbäume wider besseren Wissens und gegen den Willen einer engagierten Bürgerschaft gefällt. Um ihre ökologische Leistung zu ersetzen, müssten etwa 900 junge Bäume gepflanzt werden. Zunächst wurde die Fällung mit einem fehlerhaften Gutachten und dem angeblich schlechten Zustand der Bäume begründet. Nachdem dies durch ein neues Gutachten widerlegt wurde, diente später der Denkmalschutz als Begründung. Dabei hatte die obere Denkmalbehörde angeboten, gemeinsam eine Lösung zum Erhalt der Bäume zu finden. Die Stadt lehnte dies ab und hielt an ihrem veralteten Konzept einer Totalerneuerung fest. Mit der Fällung geht nicht nur eine gewachsene Allee verloren, die noch mindestens 20 Jahre hätte bestehen können. Es verschwindet auch ein lebendiges Denkmal und ein Zeugnis dessen, was sich die Planer vor 100 Jahren als Ziel gesetzt hatten.“
Enrico Grieger, Initiator der auf Change.org unter „Retten statt Roden“ publizierten Petition zum Erhalt der 100-jährigen Lindenallee in der Gartenstadt Marga, betont, dass mehr als 400 digitale Mitzeichnungen und mehr als 200 physische Unterschriften ein starkes Zeichen für den praktizierten Umweltschutz sind. Dennoch wurde die bei der Stadtverordnetenversammlung im Februar 2024 eingereichte Petition mit mehrheitlichem SVV-Beschluss vom 24.04.2024 auf Antrag des Bürgermeisters abgelehnt (SVV/022/24). Grieger bedauert es außerordentlich, dass zu keinem Zeitpunkt in den maßgeblichen Verwaltungen eine ergebnisoffene Kompromiss-Bereitschaft zu erkennen war, obwohl bereits die obere Denkmalschutzbehörde zu erkennen gegeben hat, dass ein Erhalt der Originalallee in Betracht kommt. Grieger dankt dem BUND Brandenburg und dem AlleenForum Sachsen außerordentlich für die ehrenamtlich eingebrachten Leistungen zum Alleenerhalt in der Gartenstadt Marga. Dennoch bleibt der 18.02.2026 nun ein schwarzer Tag für den praktizierten Natur- und Klimaschutz in der Region.

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