BUND Landesverband Brandenburg

Land unter: BUND Brandenburg kritisiert, dass das Land bei der Schaffung von Rückhalteflächen für Hochwasserereignisse hinterherhinkt

27. Juli 2021 | Flüsse & Gewässer, Klimawandel, Oderausbau

Die Bilder der Hochwasserkatastrophen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ähneln denen vom Oderhochwassers 1997 oder denen vom Hochwasser an der Elbe 2002. Gemeinsam ist ihnen auch die nach jedem Hochwasser aufkommende und richtige Forderung „Gebt den Flüssen mehr Raum“.

Die Bilder der Hochwasserkatastrophen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ähneln denen vom Oderhochwassers 1997 oder denen vom Hochwasser an der Elbe 2002. Gemeinsam ist ihnen auch die nach jedem Hochwasser aufkommende und richtige Forderung „Gebt den Flüssen mehr Raum“.

Wenn die Flüsse mehr Überflutungsflächen haben, sinken die Pegel, und die Fließgeschwindigkeit nimmt ab. „Von den vollmundigen Forderungen ist an Oder und Elbe nicht viel übrig geblieben,“ kritisiert Carsten Preuß, Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). In der Realität hat es zwar eine Sanierung der vorhandenen Deiche gegeben, eine Rückverlegung von Deichen zur Schaffung von Rückhalteflächen für Hochwasserereignisse hat aber nur punktuell stattgefunden.

„Wenn wir in Zukunft nicht Jahr auf Jahr mit Hitzesommern und Dürren, Extremregen und Überflutungen kämpfen wollen, müssen wir alles auf Klimaschutz und Klimaanpassung setzen. Bloße Willensbekundungen reichen nicht, es braucht Taten – auch beim ökologischen Hochwasserschutz. Das Land Brandenburg muss nun endlich den Flüssen mehr Raum geben. Dazu müssen Retentionsflächen zum Rückhalt von Hochwasser geschaffen werden. Hierfür muss die Landesregierung das notwendige Personal und die finanziellen Ressourcen bereitstellen,“ so Preuß.

Die Flussauen müssen geschützt und als natürliche Retentionsflächen erhalten werden. Spätestens jetzt müssen die von Deutschland mitgetragenen polnischen Ausbaupläne an der Oder gestoppt werden. Die unter dem Deckmantel des Hochwasserschutzes geplanten Ausbaupläne erhöhen nach Ansicht der Wissenschaftler* sogar die Hochwassergefahr. Die geplante Konzentration des Hauptabflusses in einem engeren Flussbett erhöht das Risiko von Hochwasserschäden durch schnellere und steilere Hochwasserwellen. „Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke muss sich jetzt, als Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, für einen Stopp der Ausbaupläne einsetzen,“ so Preuß.

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung darf die verkehrlich nahezu bedeutungslose Oder nicht mehr als Binnenwasserstraße betrachten, sondern muss das Ziel eines lebendigen Flusses verfolgen. 

Außer einem Leuchtturmprojekt bei Lenzen, mit dem durch eine Deichrückverlegung eine 420 Hektar Auenlandschaft entstand, gab es kaum nennenswerte neue Rückhalteflächen für Hochwasserereignisse an Oder und Elbe.

Dabei wurden bereits 2004 im „Aktionsprogramm Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Oder“, erarbeitet von der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung (IKSO), in der Neuzeller Niederung ein Flutungspolder mit einer Größe von mindestens 1 900 Hektar als wichtig vorgesehen. Mit diesem Projekt könnten bei Hochwasser bis zu 43 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten werden. Bisher wurde noch nicht einmal das Planfeststellungsverfahren eröffnet.

Auch geplante Deichrückverlegungen an der Schwarzen Elster im Bereich Bad Liebenwerda mit Rückhalteflächen von 14.000 Hektar sind noch immer nicht realisiert.

*Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Ausbaupläne an der Oder – Gefahren für Natur und nachhaltige Nutzung, IGB Policy Brief, 2020

Als Reaktion auf die verheerenden Überschwemmungen im Westen und Süden Deutschlands veröffentlicht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 16 Bausteine für eine wirksame politische Agenda.  Sie sollen helfen, solche Ereignisse in Zukunft zu vermeiden oder in ihren Ausmaßen abzumildern. Zu den wichtigen Bausteinen für den ökologischen Hochwasserschutz zählt die Renaturierung von Auen. Zudem geht es um die Reduzierung der Flächenversiegelung. An seinem eigenen Ziel, die Flächenversieglung von Böden auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen, scheitert Deutschland seit Jahren.

https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/hochwasser-schnell-handeln-ohne-fehler-zu-wiederholen-bund-legt-forderungen-fuer-eine-wirksame-politische-antwort-vor/

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