BUND Landesverband Brandenburg

Klimabündnis von Workshops zum Klimaplan enttäuscht: Wille für echten Klimaschutz fehlt

10. März 2022 | Energiewende, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik, Mobilität

Am 3. und 4. März fanden die vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) organisierten Stakeholder-Workshops zum Klimaplan Brandenburgs statt. Diese sollten Fachleuten aus Unternehmen, Gewerkschaften, Verbänden und Wissenschaft die Beteiligung an der Erarbeitung des Klimaplans Brandenburg ermöglichen. Auch Vertreter*innen des Klimabündnisses Brandenburg waren in allen sechs Workshops vertreten.

Dabei ist kurz nach den Workshops die Ernüchterung im Klimabündnis groß: "Über die allumfassende Wende unserer Brandenburger Gesellschaft hin zu einem klimafreundlichen, emissionsarmen Bundesland wurde in den Dialogen mit einer Gleichgültigkeit gesprochen, als ginge es um den Kuchen zum Nachmittag. Deshalb sollte das Ministerium in Zukunft lieber Worte wie "ambitioniert" und "konsequent" aus ihrem Wortschatz streichen - denn bisher hat der Klimaplan diese Adjektive nicht verdient!", so Filibert Heim von Fridays for Future Brandenburg.

Fest steht: Die Dringlichkeit, gegen die Klimakrise anzugehen, ist in den Workshops nicht deutlich geworden. Der zum Klimaplan vorgelegte wissenschaftliche Zwischenbericht belegt klar, dass Brandenburg bereits im Frühjahr 2022 sein Treibhausgas-Budget für ein 1,5 Grad-Ziel aufgebraucht hat. "Das heißt: alles was wir weiter emittieren, geht zu Lasten künftiger Generationen oder zu Lasten anderer Länder. Schluss mit Schönreden. Wir müssen bereit sein, klimaschädliche Pfade zu verlassen. Brandenburg braucht den Mut für die Mobilitätswende, nicht nur eine Antriebswende", sagt Barbara Ral, Stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsclub Deutschland Landesverband Brandenburg (VCD). 

Die in den Workshops vorgestellten Szenarien beleuchten und hinterfragen kaum die bestehenden Abhängigkeiten. Auch die Emissionen aus der intensiven Landwirtschaft und Tierhaltung sind enorm, denn hier werden unter hohem Dünge- und Pestizideinsatz zum Beispiel Böden degradiert oder Gewässer geschädigt. Die so aufwändig produzierten Lebensmittel landen oftmals sogar auf dem Müll. Diese klimaschädliche Produktionsweise muss gestoppt werden. Doch viele Akteur*innen aus Land- und Forstwirtschaft halten am Status quo fest, anstatt wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen", beschreibt Dr. Christian Reichel, Landesvorsitzender des NABU Brandenburg, die Diskussionen. Dabei sieht er große Chancen beim Aufbau widerstandsfähiger Ökosysteme, die sowohl Klimaschutz als auch Klimaanpassung ermöglichen.

Das Klimabündnis fordert die Landesregierung auf, eindeutige Klimaziele im Klimaplan zu verankern: "Reduktionsziele in Prozent gegenüber 1990 sagen wenig darüber aus, wie sehr Brandenburg noch zur Verschärfung der Klimakrise beiträgt. Die einzig relevante Zahl in diesem Zusammenhang ist, wie viele Treibhausgasemissionen wir noch verursachen. Für uns ist es daher wichtig, dass die Landesregierung hier eine klare Aussage macht und genau benennt, wie viele Tonnen Teibhausgasäquivalente insgesamt noch in Brandenburg ausgestoßen werden",  so Elizabeth Beukenhorst von Extinction Rebellion Potsdam.

Vertreter*innen des Klimabündnis haben in den Workshops immer wieder Fragen wie: "Müssen wir wirklich noch neue Straßen bauen? Müssen wir wirklich Moorflächen und alle Wälder weiter bewirtschaften? Wie viele neue Autos, Neubauten, Flugzeuge brauchen wir in Zukunft tatsächlich noch? Können wir nicht auch mit weniger gut leben und ist dazu vielleicht keine wachsende Wirtschaft notwendig?" gestellt.

"Mit Blick auf die begrenzten natürlichen Ressourcen und die Klimakrise müssen sich die Maßnahmen, die das Forschendenteam im Nachgang zu den Workshops entwickeln, genau darauf beziehen und Kernthema der zweiten Workshop-Runde sein. Der Fokus auf technologische Lösungen ist falsch. Ohne einen sparsamen Umgang mit Rohstoffen und Energie ist es nahezu unmöglich, die Treibhausgasemissionen schnell auf null zu reduzieren", so Franziska Sperfeld, Landesvorsitzende des BUND Brandenburg

Je länger wir brauchen, um die Emissionen deutlich zu senken, desto schneller kommen wir in den Bereich katastrophaler Klimazustände - auch in Brandenburg! 

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