In zwei Jahren 1,3 Millionen Tiere getötet: BUND Brandenburg fordert das Ende der Massentierhaltung

31. März 2026 | Landwirtschaft, Massentierhaltung

Massentierhaltung in Brandenburg: BUND fordert Kurswechsel bei Tierhaltung und Stallbauförderung

Der BUND Brandenburg fordert einen grundlegenden Umbau der Tierhaltung im Land. Anlass ist die Bilanz der vergangenen Seuchenjahre: Seit 2025 sind in Brandenburg nach amtlichen Meldungen mehr als eine Million Nutztiere seuchenbedingt getötet worden. Besonders drastisch zeigte sich das im Frühjahr 2026. Mit dem Ausbruch der Newcastle-Krankheit wurden 375.000 Legehennen sowie 360.000 und 70.000 Masthähnchen gekeult. Aus Sicht des BUND Brandenburg ist das kein Betriebsunfall, sondern die Folge eines Systems, das zu viele Tiere auf zu engem Raum konzentriert.


„Ein System, das im Seuchenfall binnen weniger Tage Hunderttausende Tiere tötet, ist weder tiergerecht noch zukunftsfähig. Brandenburg muss aus der Logik der Massentierhaltung aussteigen und öffentliche Gelder konsequent auf kleinere, tiergerechte und seuchenrobustere Haltungsformen umlenken“, so Regina Schwarz, Co-Vorsitzende des BUND Brandenburg.


Bei Hunderttausenden Tieren auf engem Raum wird aus einem einzelnen Seuchenfall schnell eine Massenkeulung. Je größer der Bestand, desto größer ist nicht nur das Risiko einer schnellen Ausbreitung von Erregern, sondern auch die Zahl der Tiere, die im Ernstfall getötet werden. Der BUND Brandenburg sieht darin ein strukturelles Problem der industriellen Tierhaltung. Hinzu kommt ein Gesundheitsproblem, das weit über den Stall hinausreicht. In großen Beständen werden Tiere häufiger antibiotisch behandelt, um die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden. 

Besonders in der Geflügelhaltung ist der Medikamenteneinsatz seit Jahren hoch. Damit werden nicht nur Krankheiten im Bestand kontrolliert. Es steigt auch der Druck, unter dem resistente Keime entstehen und sich verbreiten können.
Aus Sicht des BUND ist das hochriskant. Antibiotika sind in der Tierhaltung oft nicht bloß ein Mittel für einzelne Krankheitsfälle, sondern ein Reparaturinstrument für ein anfälliges Produktionsmodell. Resistente Keime können über Stallpersonal, Gülle, Transporte und Lebensmittel in Umwelt und Bevölkerung gelangen. Zugleich begünstigen große, eng vernetzte Bestände die Entstehung und Weiterentwicklung von Krankheitserregern. Wer über Pandemie-Vorsorge spricht, darf deshalb über die industrielle Tierhaltung nicht schweigen.


Der BUND Brandenburg betont zudem die ethische Dimension. Massenkeulungen betreffen regelmäßig nicht nur erkrankte Tiere, sondern ganze Bestände. Tiere werden damit zu austauschbarer Produktionsmasse. Eine Tierhaltung, die dieses Vorgehen als einkalkulierte Notfalltechnik voraussetzt, ist aus Sicht des Verbandes nicht vertretbar.


Besonders kritisch bewertet der BUND, dass Brandenburg mit dem Tierschutzplan zwar einst einen anderen Anspruch formuliert hat, eine echte Trendwende aber ausgeblieben ist. Die tatsächlich umgesetzten Maßnahmen des Tierschutzplanes konnten die Seuchenausbrüche und die Massentötungen nicht verhindern.


Noch immer können Haltungsformen gefördert werden, die selbst der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend hinter sich lässt. Der Verband fordert deshalb eine Neuausrichtung der Agrarpolitik: weniger Bestandsdichte, weniger Tiertransporte, strenge Regeln für Antibiotika, mehr Prävention und eine konsequente Umlenkung öffentlicher Mittel in tiergerechte und seuchenrobustere Systeme.


„Öffentliche Förderung darf nicht länger ein Haltungssystem stabilisieren, das auf hohen Medikamenteneinsatz und Massenkeulungen hinausläuft. Wir brauchen weniger Tiere pro Betrieb, mehr Biosicherheit und eine Tierhaltung, die tierschutzkonform ist und unsere Umwelt nicht belastet. Das war das Anliegen der damaligen Volksinitiative gegen Massentierhaltung, die im Tierschutzplan mündete“, so Regina Schwarz vom BUND Brandenburg weiter.

 

Weitere Informationen finden Sie in unserem Hintergrundpapier und der tabellarischen Übersicht.
 

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