Anlässlich des heutigen Herdenschutztages 2026 in Felgentreu auf der Wildnisfläche der Stiftung Naturlandschaften Brandeburg fordern der BUND Brandenburg und der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg eine verlässliche und dauerhaft gesicherte Herdenschutzförderung im Land Brandenburg. Bei der Veranstaltung in Nuthe-Urstromtal erhalten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Praxis Einblicke in die Anforderungen eines wirksamen Herdenschutzes. Auf dem Betrieb der Flämingschäferei F. & J. Körner eGbR stehen neben einer Begehung der Weideflächen auch die Zukunft der Weidewirtschaft und die aktuelle politische Debatte um den Wolf im Mittelpunkt.
Die Weidetierhaltung ist für Brandenburg unverzichtbar. Ohne Weidetierhaltung verlieren Naturschutz, Landschaftspflege, regionale Wertschöpfung und ländliche Räume gleichermaßen. Gleichzeitig stellt die Anwesenheit des Wolfes viele Betriebe vor erhebliche praktische, finanzielle und emotionale Belastungen. Diese Konflikte müssen ernst genommen und politisch gelöst werden – fachlich fundiert, rechtssicher und gemeinsam mit den Betroffenen.
„Der Schutz von Weidetieren und der Schutz des Wolfes dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Herdenschutz ist die zentrale Grundlage für Koexistenz. Dafür braucht es dauerhaft gesicherte Mittel, praxistaugliche Förderverfahren und eine qualifizierte Beratung der Betriebe“, sagt Carsten Preuß, Co-Landesvorsitzender des BUND Brandenburg. „Pauschale Abschussquoten oder Symbolpolitik im Jagdrecht helfen den Schäferinnen und Schäfern nicht. Entscheidend ist ein rechtskonformer Wolfsmanagementplan, der auf wissenschaftlichem Monitoring, klaren Standards und gezielte Entnahmen wiederholt schadensverursachenden Wölfen beruht.“
Dr. Andreas Meißner, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg betont: „Der Herdenschutztag in unserem Wildnisgebiet macht sichtbar, was wir auf unseren Flächen seit Jahren erleben: Der Wolf gehört als heimische Art zu unseren natürlichen Ökosystemen. Die Zusammenarbeit mit der Flämingschäferei zeigt, dass eine verantwortungsvoll betriebene Weidetierhaltung mit funktionierendem Herdenschutz gelingt. Dieses Miteinander ist für uns ein wichtiges Praxisbeispiel.“
BUND Brandenburg und Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg fordern, dass die Präventionsförderung für wolfsabweisende Zäune, zertifizierte Herdenschutzhunde und laufende zusätzliche Betriebsausgaben dauerhaft, auskömmlich und unbürokratisch gesichert wird. Förderlücken wie im Jahr 2024 dürfen sich nicht wiederholen. Auch mit Blick auf die neue EU-Förderperiode ab 2028 muss sich die Landesregierung frühzeitig für die Finanzierung präventiver Herdenschutzmaßnahmen einsetzen.
„Für Schäfereien ist Herdenschutz keine einmalige Anschaffung, sondern tägliche Arbeit: Zäune stellen, kontrollieren, freischneiden, Stromversorgung sichern, Hunde ausbilden und versorgen. Das kostet Zeit und Geld. Auf meinem Betrieb sieht man, dass sich der Einsatz lohnt. Wolf und Weidetiere leben friedlich nebeneinander, weil ich meine Tiere schütze. Natur- und Artenschutz gehen bei mir Hand in Hand“, sagt Felix Körner, Schäfer der Flämingschäferei F. & J. Körner eGbR. „Wer Weidetierhaltung in Brandenburg erhalten will, muss diese Daueraufgabe verlässlich finanzieren. Die Betriebe brauchen Planungssicherheit, schnelle Auszahlungen und Ansprechpartner, die die Praxis kennen.“
BUND Brandenburg und Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg sprechen sich gegen pauschale Abschussquoten und eine politisch ausgehandelte Bestandsregulierung aus. Solche Ansätze sind fachlich nicht geeignet, Nutztierrisse zuverlässig zu reduzieren, und rechtlich riskant. Gleichzeitig braucht Brandenburg schnelle, klare und praxistaugliche Verfahren, wenn Wölfe wiederholt empfohlenen Herdenschutz überwinden. In solchen Fällen muss die gezielte Entnahme einzelner schadensverursachender Tiere rechtssicher möglich sein – hoheitlich gesteuert, mit qualifizierten und zertifizierten Jägerinnen und Jägern, eindeutigen Zuständigkeiten und revierübergreifenden Einsatzmöglichkeiten. Darauf muss im geplanten Wolfmanagementplan der Fokus gelegt werden.
Gemeinsames Positionspapier zum Herdenschutztag 2026