Anwohner haben uns das Foto eines alten Apfelbaums vor Ort zur Verfügung gestellt.
Wie positioniert sich der Kreisverband?
Die Aktivengruppe des Kreisverbandes Cottbus hat sich zum B-Plan-Entwurf Ernst-Heilmann-Weg/Fehrower Weg kritisch geäußert und schließt sich dem Bürgerverein, Siedlerverein und Anwohnern an: In dieser Form wird das Vorhaben strikt abgelehnt.
Man erkennt an, dass die Planung auf Innenentwicklung/Nachverdichtung und Nutzung vorhandener Infrastruktur abzielt. Die Planfläche bietet sich hierfür an. Gleichzeitig kommt der Umweltbericht selbst zu dem Ergebnis, dass im konkreten Fall ein „für die Stadt insgesamt wertvoller Lebensraum erheblich betroffen“ ist und vollständig beseitigt wird. Zudem wird ein „relativ naturnaher Lebensraum“ durch einen „naturfernen“ ersetzt und die biologische Vielfalt verringert.
Die vollständige Stellungnahme kann beim Kreisverband erfragt werden: kv_cottbus(at)bund.net
Was ist geplant?
Der Bebauungsplan Nr. N/38/120 „Ernst-Heilmann-Weg / Fehrower Weg“ der Stadt Cottbus/Chóśebuz sieht die Entwicklung eines Gebiets am Rand der bestehenden Windmühlensiedlung zu einem “Allgemeinen Wohngebiet” vor. Das Gebiet ist 2,3 ha groß und überwiegend unbebaut. Geplant ist eine verdichtete Wohnbebauung mit Ein-, Doppel- und Reihenhäusern im nördlichen Bereich sowie mehrgeschossigen Wohngebäuden mit bis zu fünf Vollgeschossen entlang des Ernst-Heilmann-Wegs und des Fehrower Wegs.
Das Vorhaben zielt darauf ab, zusätzlichen Wohnraum in stadtnaher Lage bereitzustellen und vorhandene Infrastruktur zu nutzen sowie einen fließenden Übergang zum neuen Gebiet (Stadtfeld mit geplanter “Schollenbebauung”) herzustellen. Es werden die derzeit vorhandenen Grün-, Gehölz- und Waldflächen vollständig in Anspruch genommen.
Was wird konkret kritisiert? (Kurzfassung)
1. Ziele des Naturschutzes sowie die Grundsätze der Bauleitplanung
Ziele des Naturschutzes und der Bauleitplanung werden nicht ausreichend berücksichtigt. Erholungsräume gehen verloren, nachhaltige Stadtplanung, Landschafts- und Ortsbildschutz sowie der Erhalt von Ökosystemen (z. B. Wald) sind nicht gewährleistet. Der Naturhaushalt wird negativ beeinflusst, u. a. durch unklare Ausgleichsmaßnahmen und fehlerhafte Bewertungen (z. B. Luft).
2. Kritik an der Kommunikation
Der aktuelle Entwurf weicht stark vom Entwurf Februar 2024 ab. Vorschläge von Bürger- und Siedlerverein wurden offenbar ignoriert. Eine echte Beteiligung der Anwohner fand nicht statt, Einwände wurden nicht ernst genommen. Verantwortung für Akzeptanz wird auf Betroffene abgewälzt statt durch die Verwaltung aktiv gestaltet.
3. Ortsbild
Das bestehende Orts- und Landschaftsbild wird erheblich verändert und passt nicht zur vorhandenen Siedlungsstruktur – dies bestätigt auch der Umweltbericht.
4. Fehlerhafter Umweltbericht
Kulturgüter/Bäume: Alte Obstbaumbestände werden fälschlich verneint bzw. als gering bewertet.
Luft: Frischluftentstehungsgebiet wird ignoriert, Belastungen falsch eingeschätzt.
Boden: Hohe Bebauung wird irreführend als bodenschonend dargestellt, tatsächliche Vollversiegelung bleibt unberücksichtigt.
Fazit Umwelt: Trotz eigener Feststellung erheblicher Veränderungen wird fälschlich von keinen erheblichen Beeinträchtigungen gesprochen.
5. Flächenverbrauch, Grünflächen und Hitzeschutz
Hoher Versiegelungsgrad und starke Hitzebelastung bestehen bereits. Weitere Versiegelung verschärft die Situation, insbesondere da betroffene Stadtteile laut FNP unterversorgt mit Grün sind. Alternativen (z. B. Neu-Schmellwitz, geringere Dichte, Schutzstreifen) wurden nicht genutzt. Es fehlen verbindliche, zusammenhängende öffentliche Grün- und Schattenflächen.
6. Bäume
Massiver Stadtbaum- und Waldverlust (ca. 0,7 ha) sind Folgen der Planung. Verbindliche Baumstandorte, Qualitätsstandards und Straßenbäume fehlen. Klimaanpassung wird dem Ziel des Flächensparens untergeordnet, was zu Hitzestress führt.
7. Wohn- und Lebensqualität
Es gibt keine Festsetzungen zu sozialem Wohnungsbau oder Mietpreisbindung. Es herrscht Fokus auf Eigentum. Geringe soziale Durchmischung ist die Folge. Es gibt kaum öffentlich nutzbare Grün- und Aufenthaltsflächen und keine Orte für Begegnung (z. B. Quartiersplatz).
8. Kritik an Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
Der Erhalt von Grün im Gebiet ist nicht vorgesehen. Der Ausgleich erfolgt vollständig extern. Maßnahmen zur Biodiversität im Quartier sind unambitioniert und die Menge an Dachbegrünung unklar. Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird selbst von der uNB als gering eingeschätzt. Der Bodenausgleich ist unzureichend.
Fazit
“Dieser Bebauungsplan verfehlt zentrale Zukunftsanforderungen: Er fördert weitere Versiegelung, ignoriert sozial-ökologische Verantwortung und bleibt jede erkennbare städtebauliche Vision für kommende Generationen schuldig.”, stellt Bastian Ascher, Aktiver im BUND Kreisverband Cottbus, fest.
Die Pläne müssen dringend überarbeit werden und die Realität abbilden.