Gestern Abend hat der Brandenburger Landtag der Novelle des Jagdgesetzes zugestimmt. Damit wurde die Grundlage für den verstärkten Abschuss von Wölfen in Brandenburg gelegt. Durch die Aufnahme des Wolfs ins Brandenburger Jagdrecht liegt die Zuständigkeit für den Umgang mit Wölfen nun bei der Jagd und nicht mehr allein beim Naturschutz. Damit wird ein Paradigmenwechsel eingeleitet, der mehr Schein als Lösung ist. Carsten Preuß, Co-Landesvorsitzender des BUND Brandenburg ordnet ein:
„Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ist kein Fortschritt, sondern eine politische Fehlentscheidung zugunsten der Jagdlobby. Das jetzt beschlossene Landesjagdgesetz ist nicht mit dem Bundesrecht abgestimmt und wird trotz enthaltener Rückfallklausel zu erheblicher Verwirrung führen. Fakt ist, dass der Wolf eine geschützte Art bleibt, sein Erhaltungszustand darf nicht verschlechtert werden. Mit der Aufnahme ins Jagdrecht wird der Umgang mit dem Wolf komplizierter, bürokratischer und rechtlich unsicherer. Der richtige Weg wäre stattdessen, die Umsetzung der Brandenburgischen Wolfsverordnung zu verbessern. Mit der Verordnung sind die Zuständigkeiten klar und Erfahrungen und Fachkompetenz beim Landesumweltamt liegen vor.“
Als Begründung für die Bestandsreduktion und die Bejagung von Wölfen wird auf die Zunahme von Wolfrissen auf Nutztiere und den Schutz der Weidetierwirtschaft im Land verwiesen. Die neueste Statistik der Nutztierrisse in Brandenburg zeigt jedoch einen Rückgang bei den Wolfsübergriffen seit 2022. Waren es 2024 noch 279 Übergriffe, sank die Zahl 2025 auf 178 Übergriffe.
„Die Zahl der Wolfsübergriffe nimmt ab trotz steigender Population. Entscheidend dabei ist, dass der überwiegende Anteil der Übergriffe auf Nutztiere passiert, die nicht durch wolfsabweisendenden Herdenschutz geschützt sind. Das zeigt, dass der Herdenschutz der Schlüssel ist! Der BUND Brandenburg fordert deshalb einen langfristig gesicherten Herdenschutz für die Nutztierhaltenden im Land“, sagt Carsten Preuß. Die politische Praxis sieht aber oft anders aus: im Rahmen der Haushaltsverhandlungen auf Landes- und Bundesebene kommt es immer wieder zu Unsicherheiten und Förderstopps für den Herdenschutz, worunter die Nutztierhaltenden erheblich leiden.
Weitere Infos:
Statistik zu den Nutztierrissen: https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/natur/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/woelfe-in-brandenburg/schadensmanagement/nutztierrisse/
Umfassende Stellungnahme des BUND Brandenburg zur Jagdgesetznovelle: https://www.bund-brandenburg.de/fileadmin/brandenburg/Wolf__Biber__Elch_und_Co/2025-11-17-Stn-BUND-Brandenburg-Novelle-Jagdgesetz-final.pdf