Potsdam. Im Rahmen der Wassergesetznovelle wird die Erhöhung des sogenannten Wassercents diskutiert. Der BUND Brandenburg fordert gemeinsam mit anderen Umweltverbänden eine Erhöhung des Wassercents, insbesondere für Bereiche, die bisher besonders wenig fürs Wasser gezahlt haben. Dazu zählt auch die Landwirtschaft, die für die landwirtschaftliche Bewässerung nur 10 Prozent des Wasserpreises zahlen muss. Bei 11,5 Cent pro Kubikmeter fürs Trinkwasser zahlen Landwirt*innen entsprechend nur ca. 1 Cent pro Kubikmeter, um ihre Kulturen zu bewässern. Gleichzeitig steigen durch die zunehmende Trockenheit in Brandenburg die Wassergenehmigungen für landwirtschaftliche Bewässerung. Im Ländervergleich wird deutlich, dass landwirtschaftliche Privilegierungen nicht überall bestehen.
Carsten Preuß, Co-Landesvorsitzender des BUND Brandenburg, sagt dazu: „Der Anstieg bei der landwirtschaftlichen Bewässerung zeigt, dass ein Umdenken hin zu Klimaanpassung in der Landwirtschaft noch nicht überall angekommen ist und der geringe Wasserpreis für die Bewässerung keine Lenkungsfunktion hat. Deshalb muss die Privilegierung für die Landwirtschaft aufgehoben werden. Wir müssen alle sorgsamer mit der knappen Ressource Wasser umgehen. Wer einseitig Bürgerinnen und Bürger belastet, hat das Problem nicht erkannt und schürt gesellschaftliche Ungerechtigkeiten.“
Neben der Landwirtschaft zahlen auch Unternehmen und der Bergbau besonders wenig fürs Wasser. Dabei kann Wasser in der industriellen Produktion im Kreislauf geführt werden und damit Wasserverbräuche erheblich gesenkt werden. In der Landwirtschaft könnte gereinigtes Abwasser perspektivisch für die Bewässerung eingesetzt werden, um wertvolle Grundwasserreserven zu schützen. Dafür müssen die Klärwerke aufgerüstet werden, um alle Verunreinigungen entfernen zu können. Carsten Preuß dazu: „Der Ausbau von Klärwerken ist kostenintensiv, aber dringend nötig. Mit der Nutzung gereinigten Abwassers können wertvolle Grundwasserreserven effektiv geschont werden. Ich erwarte von der Landesregierung, dass hierfür ein Plan entwickelt wird. Ein erhöhter Wassercent könnte die nötigen Investitionen mittragen. Wir können uns nicht leisten, die Probleme weiter aufzuschieben. Die Grundwasserpegel sinken, Landschaften trocknen aus, Seen gehen verloren – worauf warten wir?“
Hintergrundinformationen:
BUND-Ländervergleich der Wasserentnahmeentgelte: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/fluesse/Wasserentnahmeentgelte-Laender-Bericht-BUND-2025.pdf
Abwasserreinigung und Landschaftswasserhaushalt
In Brandenburg gibt es derzeit 229 kommunale Kläranlagen. 59 davon haben eine Ausbaugröße zwischen 10.000 und 100.000 Einwohnerwerten. Die Nachrüstung dieser Anlagen mit einer weitergehenden, sogenannten vierten Reinigungsstufe stellt die kommunalen Wasser- und Abwasserverbände vor erhebliche finanzielle und technische Herausforderungen.
Gleichzeitig gewinnt gereinigtes Abwasser angesichts zunehmender Trockenperioden und sinkender Grundwasserneubildung an Bedeutung für den regionalen Wasserhaushalt. Statt das gereinigte Wasser lediglich aus der Landschaft abzuleiten, sollte stärker geprüft und ermöglicht werden, wie es zur Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts beitragen kann. Die Wasser- und Abwasserzweckverbände benötigen dafür Unterstützung durch die Landesregierung – insbesondere bei der übergeordneten Koordinierung, der Finanzierung notwendiger Investitionen und der Entwicklung geeigneter Nutzungskonzepte.
Sechs Kläranlagen in Brandenburg verfügen über eine Ausbaugröße von mindestens 150.000 Einwohnerwerten. Für diese großen Anlagen ist die Einführung einer vierten Reinigungsstufe verpflichtend. Bei der Planung und Umsetzung sollte deshalb von Beginn an sichergestellt werden, dass das zusätzlich gereinigte Wasser möglichst für den Landschaftswasserhaushalt nutzbar gemacht werden kann.
Wassersparen und Wasserrückhalt in der Landwirtschaft
Auch die Landwirtschaft kann einen wichtigen Beitrag zur Anpassung häufigere Trockenphasen leisten. Eine bodenschonende Bewirtschaftung mit pfluglosen oder reduzierten Bodenbearbeitungsverfahren, Zwischenfrüchten, humusaufbauenden Maßnahmen und vielfältigen Fruchtfolgen verbessert die Bodenstruktur und kann dazu beitragen, Wasser länger in der Fläche zu halten.
Für Brandenburg ist dies besonders relevant: Viele landwirtschaftlich genutzte Böden sind sandig und verfügen nur über eine geringe Wasserspeicherfähigkeit. Ein Verlust von Humus verschärft dieses Problem zusätzlich, da damit sowohl die Bodenfruchtbarkeit als auch die Fähigkeit der Böden sinkt, Niederschläge aufzunehmen und zu speichern.
Landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Bewirtschaftung auf einen stärkeren Humusaufbau, Bodenschutz und Wasserrückhalt ausrichten, leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Klimaresilienz der Brandenburger Landwirtschaft. Solche Ansätze sollten gezielt gefördert und ihre Umsetzung durch geeignete Beratungs- und Förderprogramme unterstützt werden.