Der Schafzuchtverband Berlin Brandenburg, die AG Herdenschutzhunde sowie die Landesverbände von NABU und BUND haben im Vorfeld des für den 11. September geplanten „Wolfdialogs“ klargestellt, dass Abschussquoten für den Wolf nicht zielführend sind. Auf ihrer heutigen gemeinsamen Landespressekonferenz plädierten sie dafür, dass der Schutz der Weidetiere durch Zäune, zertifizierte Herdenschutzhunde und Beratung im Fokus des Wolfmanagements stehe müsse. Der Abschuss auffälliger Wölfe, die gelernt haben den empfohlenen Herdenschutz zu überwinden, muss schnell und unbürokratisch möglich sein, waren sich die Verbände einig.
Jonas Scholz, Vorsitzender des Schafzuchtverbands Berlin Brandenburg, verweist darauf, dass die Prävention und deren Finanzierung durch das Land für den Schutz der Tiere maßgeblich ist. „Der zumutbare Schutz stellt für die Wölfe eine ernst zu nehmende Hürde dar. Doch die Zäune müssen nicht nur gestellt, sondern ständig kontrolliert und von Bewuchs freigehalten werden. Das ist ein Mehraufwand, denn die Schafhalter nicht allein tragen können. Seit anderthalb Jahren war die Finanzierung des Herdenschutzes ausgesetzt worden. Wir freuen uns, dass endlich eine Förderrichtlinie auf den Weg gebracht worden ist und mit den Auszahlungen noch in diesem Jahr gerechnet werden kann. Doch bei all diesen Spielregeln, die wir haben, müssen die Wölfe, die diesen Schutz überwinden, schnell, unkompliziert und unbürokratisch unabhängig von einer Abschussquote entnommen werden.“
Knut Kucznik, selbst Schäfer und Vorsitzender der AG Herdenschutzhunde berichtet, dass das Rissgeschehen durch Wölfe aufgrund des verbesserten Herdenschutzes mit Hunden zurückgegangen ist. „Ein besonders guten Schutz der Schafe wird nicht nur durch Zäune, sondern durch zertifizierte Herdenschutzhunde sichergestellt. Einen besonderen Wert legt die AG dabei darauf, brauchbare Hunde zu züchten und Sachkunde in dem Umgang mit ihnen zu vermitteln. Wenn diese Standards wirklich von allen umgesetzt werden, und zwar bundesweit, werden Übergriffe durch Wölfe weiter zurückgehen“, ist sich Kucznik sicher. „Zertifizierte Herdenschutzhunde sind der Premiumschutz der Schafe. Sollten diese widererwartend doch von Wölfen überwunden werden, muss es sofort zu Entnahmen führen. Eine Quote wird uns dabei nicht helfen.“
Carsten Preuß, Vorsitzender des BUND Brandenburg betont: "Weidetierhaltung und Wolfsschutz sind kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben ökologischen Verantwortung. Gelingen kann das nur, wenn der Herdenschutz nicht in Frage gestellt, sondern gestärkt wird. Die Entnahme von Wölfen, die den empfohlenen Herdenschutz überwinden, ist schon heute möglich. Dafür braucht es keine Anpassung des Erhaltungszustands und keine Abschussquote. Durch den politischen Druck beim Thema Wolf geht die Sachlichkeit verloren, wirksame Lösungen geraten in den Hintergrund. Das ist eine echte Gefahr für den Artenschutz und die Weidetierhaltung in Brandenburg und im ganzen Land! Statt Scheinlösungen zu produzieren, wollen wir die gezielte Entnahme von sogenannten Problemwölfen verbessern und haben konkrete Vorschläge auf den Tisch gepackt. Ich erwarte, dass diese beim Wolfsplenum diskutiert werden und ein Austausch auf Basis von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen stattfindet. Als BUND wollen wir auf die Landnutzenden zugehen, mit dem gemeinsamen Ziel Natur- und Weidetierschutz zusammenzubringen."
Christiane Schröder, Geschäftsführerin des NABU Landesverbandes betont die Wichtigkeit der Weidetierhaltung für die Biodiversität: „Ohne unsere Weidetierhalter würde es eine struktur- und damit artenreichen Kulturlandschaft kaum noch geben. Damit ist Weidetierhaltung nicht nur regionale Wertschöpfung, sondern auch eine öffentliche Leistung, für die der notwendige Herdenschutz bezahlt werden muss.“
„Aus Sicht der Umweltverbände ist einer der wichtigsten Schlüssel zur Verbesserung des Wolfsmanagements ein gestärktes Wolfsmonitoring. Dafür braucht es vor allem eine langfristige und ausreichende Mittelausstattung beim hauptamtlichen, aber auch beim ehrenamtlichen Monitoring, welches ganz klar weiterhin beim Landesamt für Umwelt liegen sollte“, so Schröder.
Hintergrund:
Nutztierrisse Brandenburg – Statistik MLEUV:
https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/natur/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/woelfe-in-brandenburg/schadensmanagement/nutztierrisse/
Gemeinsames Forderungspapier zum Umgang mit dem Wolf von BUND und NABU Brandenburg (Juni 2025): https://brandenburg.nabu.de/imperia/md/content/brandenburg2/2025-06-23_gemeinsames-positionspapier-zum-umgang-mit-dem-wolf-nabu-bund-gzsdw.pdf
Offener Brief BUND und NABU Brandenburg zum Wolfsmonitoring (August 2025): https://brandenburg.nabu.de/imperia/md/content/brandenburg2/2025-08-20_offener_brief_wolfsmonitoring.pdf