Abschussprämie ist Geldverschwendung

06. November 2026 | Artenschutz, Naturschutz

BUND Mittelmark kritisiert CDU-Antrag in Potsdam-Mittelmark: 20.000 Euro ohne nachgewiesenen Nutzen für den Artenschutz

Stahnsdorf. Der BUND Brandenburg kritisiert die geplante Waschbären-Abschussprämie der CDU-Fraktion im Kreistag Potsdam-Mittelmark. Die geänderte Vorlage sieht ab spätestens April 2027 zehn Euro für jeden erlegten Waschbären vor – bei einem jährlichen Budget von bis zu 20.000 Euro. Einen zusätzlichen Nutzen für Artenschutz oder Bestandsregulierung belegt der Antrag nicht; stattdessen drohen Mitnahmeeffekte.

Denn Waschbären werden im Landkreis bereits in großer Zahl bejagt. Im Jagdjahr 2019/2020 wurden in Potsdam-Mittelmark 2.618 Tiere in der amtlichen Jagdstrecke registriert. Aktuelle kreisspezifische Streckenzahlen fehlen. Würden künftig 2.000 ohnehin stattfindende, prämienberechtigte Abschüsse vergütet, wäre der gesamte Etat aufgebraucht – ohne einen einzigen zusätzlichen Abschuss. Der Antrag enthält weder eine Abschätzung dieser Mitnahmeeffekte noch ein Konzept zur Erfolgskontrolle.

„Ein getöteter Waschbär ist noch kein geretteter Kiebitz. Entscheidend ist doch, ob wir bedrohte Vogelarten und Amphibien tatsächlich besser schützen können. Wer einfach jeden Abschuss mit Steuergeld belohnt, ohne den Nutzen zu überprüfen, betreibt keinen wirksamen Artenschutz. Statt pauschaler Abschussmaßnahmen brauchen wir gezielten Schutz für Arten und Lebensräume“, erklärt Regina Schwarz, Co-Vorsitzende des BUND Brandenburg.

Die wissenschaftlichen Befunde sprechen gegen den pauschalen Abschuss. Michler, Dati und Michler (2023) zeigen, dass auch intensive Eingriffe und Abschussprämien den Waschbären nicht nachhaltig zurückdrängten. Die anpassungsfähigen Tiere besiedeln frei gewordene Gebiete erneut. Aktuelle Forschung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und der Universität Potsdam unterstreicht die Bedeutung gezielter Maßnahmen in sensiblen Lebensräumen.

Auch die Erfahrungen aus Seddiner See geben keine Anhaltspunkte für eine Wirksamkeit der Abschussprämie: Die Gemeinde zahlt seit 2024 bereits 25 Euro je Waschbär. Nach Angaben der Gemeinde gegenüber dem rbb sind die Beschwerden über Waschbären nicht zurückgegangen. Ein Erfolg ist also nicht nachgewiesen.

Der BUND nimmt die Gefährdung heimischer Arten durch Waschbären ernst. Gerade an Amphibiengewässern und in sensiblen Brutgebieten können Schutzmaßnahmen notwendig sein. Dazu gehören die Sicherung gefährdeter Brutplätze, Schutzzäune und – wo fachlich begründet – auch gezielte, räumlich begrenzte Entnahmen. Nicht die Zahl getöteter Tiere, sondern der tatsächliche Schutz bedrohter Arten und Lebensräume muss darüber entscheiden, wofür öffentliche Mittel eingesetzt werden.

Der BUND Brandenburg fordert den Kreistag auf, den Antrag in der vorliegenden Form abzulehnen. Zuvor müssen aktuelle Kreisjagdstrecken, mögliche Mitnahmeeffekte und konkrete Schutzziele auf den Tisch. Öffentliche Mittel sollten gezielt für überprüfbar wirksame Schutzmaßnahmen eingesetzt werden.


Hintergrundinformationen

  • Hintergrundinformation des BUND zum CDU Antrag (siehe Hier)

  • Michler, B.A., Dati, F., Michler, FU. (2023). Der Nordamerikanische Waschbär in Deutschland – Hintergrund, Konfliktfelder & Managementmaßnahmen. In: Voigt, C.C. (eds) Evidenzbasiertes Wildtiermanagement. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-65745-4_4

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