Alte Badeanstalt Raben: Laichgewässer für Bergmolche. Foto: Sebastian Petrich
Wenn Sie die Mufflons sehen, ist es Zeit, nach dem Bergmolch Ausschau zu halten. Der Amphib ist das Wappentier des Wanderwegs durch das Plane-Quellgebiet, in den man am besten in Rädigke einsteigt. Und zwar am historischen Löschteich im Dorfkern, wo eine Handvoll Wildschafe grasen. Praktischerweise halten genau hier viermal täglich (unter der Woche sogar fünfmal) die Busse der Linie 572, die das Planetal in einem Rundkurs mit Bad Belzig verbinden.
Folgen Sie dem Sträßchen, das am Teich von der Hauptstraße wegführt. Nach wenigen Metern beginnt der Wald und wir queren die Plane. Einen guten halben Kilometer nördlich der Brücke biegt der Bergmolch-Wanderweg westwärts ab und folgt nun mehr oder weniger der Plane in südwestlicher Richtung bis zu ihrer Quelle bei Raben. Das sind ab Rädigke gute fünf Kilometer.
Zusammen mit der Schwäbischen Alb gehört der Hohe Fläming zu den an Oberflächengewässern ärmsten Regionen Deutschlands. Schuld ist eine Laune der Natur: Die Gletscher der letzten Eiszeit, die weite Teile Brandenburgs geformt haben, reichten nur bis zu den Füßen des Flämings. Daher schuf ihr Schmelzwasser auf der Hochebene keine Seen. Niederschläge versickern im sandigen Boden und treten erst an den Abhängen des Höhenrückens, der scherzhaft das kleinste Mittelgebirge Deutschlands genannt wird, wieder aus. So etwa im Oberlauf der Plane, die aus mehreren Sicker- und Hangquellen der Wiesen am Rande des Örtchens Raben entspringt.
Auf ihren gut 60 Kilometern bis zur Mündung in die Havel bei Brandenburg hat die Plane ein Gefälle von gerade einmal 40 Metern. Entsprechend gemächlich mäandert sie durch die Landschaft, weil sie größeren Hindernissen ausweicht, statt sie wegzuspülen. Um einige Steilufer zu bilden, reichte der Wasserdruck jedoch aus. Das gefällt nicht nur dem Eisvogel, sondern auch der Gebirgsstelze – einem Vogel, der sonst eher in höheren Lagen lebt. Er nistet in direkter Wassernähe, wo er Jagd auf am Wasser lebende Insekten macht. Gebirgsstelzen-Vorkommen weisen auf saubere, klare Fließgewässer hin.
Grauerlen säumen das Ufer der Plane, das Hinterland bilden Seggenrieden und feuchte Wiesen. Kommerziell bewirtschaftet werden die Wiesen des 1967 eingerichteten Naturschutzgebiets Planetal schon lange nicht mehr; sondern nur noch zweimal jährlich gemäht, damit sie als offene, unbewaldete Flächen erhalten bleiben. Davon profitieren mit Kohldistel, Mädesüß und Pfeifengras einige Pflanzen, die für Schmetterlinge und Wildbienen eine wichtige Nahrungsquelle sind.
Der Bergmolch-Weg führt eine Weile am Waldsaum entlang, um tiefer in den farnreichen Mischwald und direkt durch einen Erlenbruch zu führen – auf einem über 30 Meter langen Holzsteg. So nahe kommt man einem intakten Moor nur selten. Anderthalb Kilometer nach der Holzsteg- Passage könnten Sie an einer kleinen Schutzhütte nun die Abzweigung in den Dorfkern von Raben nehmen, etwa um auf direktem Weg zum Naturparkzentrum oder in das Gasthaus zu kommen (Montag und Dienstag Ruhetag). Oder um von der kleinen Holzbrücke über die Plane aus zu beobachten, wie Hangquellen den Bach speisen.
Um aber zur richtigen Plane- Quelle zu kommen, folgen Sie weiter dem Bergmolch-Weg. Genießen Sie das Plane-Tal zur Linken und nehmen Sie zur Kenntnis, wie die letzten Dürrejahre die Kiefern auf dem Hang zur Rechten ausgedünnt haben. Nachdem Sie die Landstraße gequert und eine weitere Schutzhütte passiert haben, sind Sie nun im Quellgebiet. Wobei man nicht sieht, wo genau das Wasser aus der großen Wiese austritt. Der Bergmolch- Wanderweg hat nun seinen westlichsten Punkt erreicht und verläuft südostwärts in Richtung Raben.
Machen Sie auf halber Strecke aber unbedingt noch den Abstecher zur Alten Badeanstalt. Das Betonbecken sieht auf den ersten Blick verlandet und zugewachsen aus, es ist aber über einen kleinen Kanal mit der Plane verbunden – und fungiert heute als Laichgebiet für den Bergmolch. Er gehört in Brandenburg zu den seltensten und stark gefährdeten Amphibienarten. In den kühlen Bächen des Flämings gibt es aber noch einige Reliktvorkommen. Wenn noch Zeit für einen weiteren Abstecher ist, besteigen Sie den Steilen Hagen (153 m), auf dem die Burg Rabenstein thront (ca. 800 m südlich von Raben). Falls Sie das der Aussicht wegen tun, checken Sie vorher, ob der Bergfried tatsächlich geöffnet ist!
Bergmolch-Wanderweg: 8 km Rädigke- Raben, 16 km als Rundweg über Rabenstein
Anreise per ÖPNV: RE7 nach Bad Belzig, Bus 572 nach Rädigke, Abreise Bus 572 von Raben nach Bad Belzig
Anreise ÖPNV und Rad: Ab Bad Belzig 15 km über straßenbegleitenden Radweg und ab Grubo auf reinem Radweg
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2/2026.