BUND Landesverband Brandenburg

Wie tief ist ein Kesselmoor?

06. Mai 2021 | Sumpf & Sand, Naturerleben, Umweltbildung

Schülerinnen und Schüler der Naturschule Fürstenberg erforschten am 26.04. und 28.04.2021 unter Leitung des Biologen und zertifizierten Natur- und Landschaftsführers Thomas Volpers das Bibelsee-Moor bei Fürstenberg.

Kinder wischen die Tormoose vom Moorbohrer.  (Almut Roos)

Schülerinnen und Schüler der Naturschule Fürstenberg erforschten am 26.04.2021 unter Leitung des Biologen und zertifizierten Natur- und Landschaftsführers Thomas Volpers das Bibelsee-Moor bei Fürstenberg.

Nur wenige Meter von der Bushaltestelle Drögen an der B96 nahe Fürstenberg entfernt liegt der Bibelsee. Am tiefsten Punkt einer eiszeitlichen Senke hat sich nach der letzten Eiszeit ein Kesselmoor entwickelt, welches aus dem Wasser des umliegenden mineralischen Bodens gespeist wird. Wo in der Landkarte ein blauer Fleck eingetragen ist, fanden die Schulkinder eine baumbestandene Fläche. Hatten sie ihre Gummistiefel und Matschhosen umsonst eingepackt?

Doch die elf Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren und ihre Lehrkräfte gingen nicht sofort ins Moor. Referenten Thomas Volpers hatte vier Bodenproben mitgebrachten: Sand, Kompost, Gartenboden und Moorboden. Die Schüler*innen beschrieben und verglichen die Proben und entdeckten, dass Moorboden aus Pflanzen besteht, den Torfmoosen. Thomas Volpers erläuterte, dass die Torfmoose, anders als Pflanzenteile im Kompost, im Wasser unter Luftabschluss Jahrhundertelang erhalten bleiben. Intakte Moor können deshalb wachsen. Wie langsam sie wachsen, zeigte er anhand eines Zollstocks: einen Millimeter pro Jahr. Gemeinsam rechnete er mit den Kindern aus, dass ein Moor von einem Meter Mächtigkeit etwa 1000 Jahre alt sein muss.

Und wie sah das nun im Bibelsee-Moor aus? Die Gruppe wanderte durch ein Pappelgebüsch über Birken-Baumwurzeln und Gras bewachsene Flächen in den Moorwald zum ersten Wasserloch. Durch das klare, aber bräunliche Wasser darin konnte man den Boden gut erkennen. Die Kinder machten eine Hüpfprobe und brachten den Boden um das Wasserloch herum in Schwingung. Dass der Boden so fest nicht sein konnte, wurde noch klarer, als Thomas Volpers seinen Fuß bis zum Schaftrand seines Gummistiefels in dem bräunlichen Wasserloch versenkte. Als er ihn langsam herauszog, förderte er den Morast zu Tage. Fazit: Hier kann man wirklich versinken! Die abenteuerlustigen Kinder hinderte das aber nicht daran, gleich mehrmals mutig übers Moorloch zu springen!

Aber wie tief ist das Bibelsee-Moor tatsächlich? Um das herauszufinden, suchte Thomas Volpers mit der Gruppe noch feuchtere Flächen im Innern des Moores auf. Auf dem Weg dorthin lernten die Kinder Torfmoos, Sternmoos und Scheidiges Wollgras kennen. Sie nahmen wahr, wie an trocken gefallenen Flächen im Moor die Moorbirken verschwinden. Wo keine Staunässe mehr auftritt, fassen Erlen Fuß, später auch Kiefern und Buchen. Je tiefer die Gruppe in das Moor vordrang, umso tiefer sanken die Stiefel ein und umso größer wurden die Moorlöcher. Seggen dominerten den Grasbewuchs und der Baumbestand wurde schließlich von Weidengebüsch abgelöst.

Hier packte Thomas Volpers den mehrteiligen, eisernen Moorbohrer aus. Er erklärte den Kindern die Funktionsweise. Dann übernahmen die Kinder die Probenentnahme und untersuchten mehrere Bodenproben. Dabei entnahmen sie Material aus bis zu 6 m Tiefe, stießen auf Wasserblasen und Torfablagerungen. Mineralboden förderten sie an dieser Stelle nicht zu Tage. Nach der Mittagspause entnahmen die Kinder am Rand des Moores aus ca. 4 m Tiefe eine Bodenprobe mit kleinen Erlenholzstücken. Ein Zeichen dafür, dass hier einmal ein Erlenbruchwald stand.

Der Tag im Moor war abwechslungsreich. Neben der Moorbohrung erforschten die Kinder mit Sieb und Becherlupe die Tierwelt der Moore, fanden Zuckmückenlarven und Froschlaich des Moorfrosches und konnten Moorfrosch, Eidechse und Blindschleiche aus nächster Nähe betrachten.

Wenige Tag später, am 28.4.21 hatte dann die Kinder der 4.-6. Klasse der Naturschule Fürstenberg die Gelegenheit auf gleiche Weise das Bibelseemoor zu erkunden.

Beide Veranstaltungen wurden im Rahmen des Projekts „Sumpf und Sand – Brandenburgs zwei Gesichter“ vom BUND Brandenburg organisiert und finanziert. Das Bildungsprojekt wird aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER-Fond) und Mitteln des Landes Brandenburg zu Prozent gefördert.

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