Megaställe machen Vogelgrippe zur Geflügelpest

08. Februar 2026 | BUNDzeit, Vögel und Fledermäuse

Der aktuelle Vogelgrippe-Ausbruch erinnert an die gesundheitlichen Gefahren, die die industrielle Tierproduktion mit sich bringt – für Menschen, Nutztiere und Wildtiere gleichermaßen

Kranichpärchen beim Balztanz. Foto: Bautsch, Creative Commons Zero (CC0)

Zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember verendeten bundesweit rund 20.000 Kraniche, mindestens 2.800 davon in Brandenburg. Brennpunkt des Geschehens war die Teichlandschaft bei Linum (Ostprignitz-Ruppin), das auch als Storchendorf bekannt ist. Gleichzeitig tauchte der H5N1-Virus in mehreren Geflügelhaltungen auf, weswegen bundesweit 1,5 Millionen Gänse, Enten, Puten und Masthühner gekeult wurden. Allein in Brandenburg waren es rund 200.000 Tiere. Aber wer hat hier eigentlich wen angesteckt?

Unter Wildvögeln grassieren Influenzaviren schon lange. Bei diesen als Vogelgrippe bezeichneten Viren handelt es sich meist um eher milde Varianten, sogenannte niedrigpathogene aviäre Influenza (LPAI). Zu hochpathogenen Varianten (HPAI) mutieren sie typischerweise erst in großen Geflügelbeständen. Für die HPAI hat sich die Bezeichnung Geflügelpest eingebürgert, weil sie bei manchen Vogelarten zu tödlichen Organschäden führt. Diese sehr krankmachenden Viren gelangen wiederum über den Mist oder durch mangelnde Hygienemaßnahmen aus den Ställen in die Wildtierpopulationen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich Kraniche oder andere Wildvögel sich beim Futter oder Wasser der Freiland-Geflügelhaltungen bedienen. 

Auch Säugetiere können sich an der Geflügelpest anstecken. So infizierten sich bei Neuruppin im Dezember mehrere Katzen mit dem Virus, eine erkrankte daran tödlich. In nordamerikanischen Rinderbeständen grassiert H5N1 schon länger; dort kam es auch zur bislang ersten bekannten Übertragung an einen Menschen mit Todesfolge. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch wurde noch nicht nachgewiesen. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Viren so mutieren, dass sie für Menschen deutlich gefährlicher sind. 

Kern des Problems sind nach Auffassung des BUND die Haltungsbedingungen in der industriellen Tierproduktion. Wenn zehntausende Geflügeltiere in qualvoller Enge gehalten werden, wenn mehrere derartige Megaställe nebeneinander stehen, begünstigt dies die ständige Veränderung und Ausbreitung von Viren. Die Konsequenz daraus muss lauten: keine neuen Genehmigungen für große Geflügelhaltungen, Verkleinerung der bestehenden Haltungen, mehr Abstand zwischen den einzelnen Tierfabriken sowie zwischen den Tierfabriken und bedeutenden Rast- und Brutgebieten von Wildvögeln. 

Auf keinen Fall dürfen Kraniche und andere Wildtiere zum „Problemtier“ und damit zum Sündenbock menschengemachter Fehlentwicklungen werden. Dass die organisierte Bauernschaft am Schutzstatus des Kranichs zu rütteln beginnt, zeigt, dass es noch an Bereitschaft mangelt, die Ursachen des Problems zu beseitigen.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 1/2026.

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