Kuchen für Alle - Rede zur Klimakrise in Cottbus

01. Juni 2026

Am 30.05. fand die Kuchen für Alle - Kundgebung in Cottbus statt. Der BUND Kreisverband Cottbus durfte eine Rede zur Klimakrise und Ressourcenverteilung in Cottbus halten.

"Hey ihr Lieben,

wir möchten uns bei unteilbar bedanken, dass wir auch in diesem Jahr eine Rede halten dürfen. Mein Name ist Bastian Ascher und ich arbeite beim BUND Brandenburg über das Projekt Revierupgrade. Wir beschäftigen uns in Cottbus mit dem sozial-ökologischen Wandel, konkret mit Stadtbegrünung, Stadtentwicklung und der Wasserkrise. Daran möchten wir vor allem junge Menschen teilhaben lassen, informativ und praktisch. Heute möchten wir euch allen berichten, was in Cottbus abgeht und dass das alles andere als fair ist. 

Ich warne euch vor, das wird keine Gute-Laune-Rede. 

Cottbus trocknet aus. Gleichzeitig wird weiter betoniert, als hätten wir unendlich Wasser, unendlich Platz und unendlich Zeit. Haben wir aber nicht. 

 

Punkt 1: Klimakrise 
Cottbus ist eine der heißesten, trockensten und sonnenreichsten Städte Deutschlands. Zum Verständnis: Bei uns gab es beispielsweise in 18, 19 und 22 nur 50% des deutschlandtypischen Niederschlags. Am 02. Mai gab es den Rekord für die heißeste Stadt Deutschlands. Am 03. Mai hat Ministerpräsident Woidke verlauten lassen Zitat „Die Waldbrandsaison beginnt“. 

Und wie reagiert die Politik in Cottbus? 

Das Klimaschutzkonzept, also ein Katalog mit möglichen Maßnahmen, wird von Rechts seit Monaten blockiert. Bebauungspläne ohne effektive, klimagerechte Maßnahmen werden oftmals durchgewunken. 

Die Klimakiste als möglichen Abkühlort vor dem Blechen Carré wird infrage gestellt. Leute, die Klimakrise wartet nicht. Wer heute Hitze, Dürre und Waldbrände als neue Normalität hinnimmt, diese als Rekorde und Saisons feiert, verspielt die Zukunft unserer Stadt. Das alles ist nicht normal, sondern gefährlich. 

 

Punkt 2: Cottbus am Verdursten

In ganz Brandenburg finden bereits Kämpfe ums Wasser statt (Karte). Auch in Cottbus. 

Wir sind seit November in einer Dürrephase. 

Gerade im Herbst/Winter, wo der Niederschlag eigentlich hoch sein sollte, füllt sich unser Grundwasser auf. Wir ziehen auch unser Trinkwasser aus dem Grundwasser. Wir wollten wissen, wie viel Wasser eigentlich zur Verfügung steht: Weiß man nicht. Man hat keine Daten und auch die Neubildung von Wasser wird ungenau angegeben. 

Wir reden bestimmt wieder im Sommer darüber, wer Wasser benutzen darf. Über technische Lösungen wie einem Elbüberleiter oder Speicherseen, die auch nur funktioniert, wenn es regnet und wenig verdunstet wird. Mit dem Ostsee derzeit schwierig. Wir reden über sauberes Trinkwasser. Wir reden von der Stadt an der Spree. Über Sportangebote am Wasser.

Aber eigentlich sollten und müssten wir über Unklarheiten und eine unfaire Verteilung von Wasser reden. Gerade das Trinkwasser geht uns alle etwas an!

Hier braucht es dringend einen neuen Kurs, vor allem lokalpolitisch. Wir können nicht erst handeln, wenn die Spree trocken ist oder kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Wasser ist Leben. Der Strukturwandel hängt hier auch von einer fairen Wasserverteilung ab.

 

Punkt 3: Bau um jeden Preis 

Am Stadtfeld, also auf den Freiflächen gegenüber der Lagune werden neue Quartiere entstehen. Diese werden als innovativ, klimagerecht und nachhaltig betitelt. Sind sie aber nicht. Viel Beton, hohe Bebauung, viel Lärm. In Cottbus sind nachts übrigens über 24.000 Menschen von Lärm betroffen, auch dort. Maßnahmen gegen Lärm werden aber gerade von der AfD „kritisch“ hinterfragt, Stichwort Tempolimit. 

Ein weiterer großer Kritikpunkt dort: Fehlender Luftschutz. Dach- und Fassadenbegrünung reichen allein nicht aus. Nebenan entsteht Frischluft für uns auf dem TIP-Gelände. Diese dürfen wir auch nicht blockieren. 

Auch soziale Aspekte wie Mietpreisbindung, sozialer Wohnraum oder eine Durchmischung fehlen gänzlich. 

Es werden Quartiere für ausgewählte Menschen geschaffen und diese Quartiere belasten Ströbitz als Strukturwandelort doppelt und dreifach. 

Es gibt bereits in Ströbitz eine Unterversorgung an Grünflächen, der Baumschwund ist mit Zahlen nachweisbar und das Problem des Hitzehotspots bei starker Bebauung ist auch bekannt. 

Wer Klimagerechtigkeit sagt, darf keine Betonwüsten bauen – ein Quartier ist nicht nachhaltig, wenn es die Menschen mit Lärm, Hitze und steigenden Mieten belastet.

 

Punkt 4: Widerstand

Zum Abschluss will ich noch eine große, wichtige Sache loswerden. Eine Sache, die wichtiger ist, als alles, worin ich euch gerade einen Einblick gegeben habe. Die Kacke dampft nicht nur, sie brennt bereits. 

Ich bin vor 2 Wochen von angehenden Stadtplanerinnen gefragt worden, ob das alles nicht frustrierend ist. Ja, ist es. Ich bin müde, müde davon, ständig zu erklären, wie krass Cottbus sich in eine ungerechte, nicht sozial-ökologische Stadt entwickelt. Frustriert darüber, dass Fakten keine Rolle spielen, Natur zerstört und betroffene Menschen ignoriert werden. Frustriert darüber, wie intransparent das System ist. Dass man sich Daten selbst erfragen muss, dass Bebauungspläne nicht barrierearm sind, dass Kinder und Jugendliche eine fertige Stadt einfach vorgesetzt bekommen. 

Fehlende Beteiligung, Ignoranz und fehlende Transparenz gefährden Akzeptanz und schüren Unzufriedenheit! 

Und genau das gefährdet doch auch unsere Demokratie!

Das ist der Grund, warum ich, ja wir als BUND weiterkämpfen. Wir dürfen nicht müde werden, weil wirklich alles auf dem Spiel steht.

Und hier möchte ich euch aufbauen. In Cottbus bildet sich bereits Widerstand:

  • Auf dem Spreecamp ist die Wasserverteilungskrise thematisiert worden. Gerade mit Rechenzentren, KI oder weiteren Bergbauseen werden große Wasserprobleme auf uns zukommen. Die Leute sind vor Ort schon laut!
  • In Ströbitz werden hunderte Balkone ersatzlos gestrichen. Transparenz gibt es nicht. Kommunikation fehl am Platz. Und es hat sich eine Pro-Balkon-Gruppe gebildet, die nun Stunk macht. Es geht hier um Wohn- und Lebensqualität! Auch sie sind laut!
  • Auch im Ernst Heilmann Weg, am Lausitz Science Park hat sich Widerstand gebildet. Ein katastrophaler Plan, der das Ortsbild, Gesundheit, Arten-, Natur- und Klimaschutz gefährdet! Ein Plan mit hunderten Bürokratiesprache-Seiten. Die Leute vor Ort möchten das nicht und fühlen sich nicht gehört. Auch sie sind laut!

Die meisten machen das ehrenamtlich mit ähnlichen frustrierenden Erfahrungen wie wir. Alle Gruppen müssen wir unterstützen und ganz wichtig: Euch kann es genauso betroffen. 

Daher mein Appell: Bitte bildet Banden oder schließt euch Banden an. Und dabei ist Banden positiv zu besetzen: Sei es ein Schachclub, Fußballverein oder eine Nachbarschaftsgemeinschaft. Als Bande dürft und müsst ihr laut werden. Es geht um eure, nein, unser aller Belange in dieser eigentlich wundervollen Stadt.

Stadtteilübergreifend, im Stadtteil, im Kiez, in der Straße oder gar nur im Block. Fragt nach, wieso Bäume gefällt werden. Fragt nach, wieso kein Geld für den Sportplatz da ist. Fragt nach, wieso der Schulweg unsicher ist. 

Der Wandel beginnt jetzt und braucht Widerstand, Aktivismus und Ehrenamt mehr denn je.

Diese Stadt gehört nicht Investoren. Nicht Konzernen. Nicht Parteien. Diese Stadt gehört den Menschen, die hier leben."

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb