Winterliches Schlaubetal. Foto: Mario Bortel
Mehrere Jahre lang brachten die Proben nur negative Ergebnisse, dann im Herbst 2025 die Sensation: Die Haare, die Naturschützer Mario Bortel an einem der von ihm aufgestellten Lockstöcke im Schlaubetal gefunden hatte, gehören wirklich einer Europäischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris). Weil das vom BUND organisierte Wildkatzen-Monitoring das Schlaubetal schon längere Zeit erfasst, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Haare von einem kürzlich zugewanderten Tier stammen. Ob die Wildkatze gekommen ist um zu bleiben, werden die Fotofallen zeigen, die Mario Bortel in den kommenden Wochen aufstellen wird, ebenso wie weitere Lockstöcke. Zum Wildkatzennachweis besprüht man Stöcke mit Baldrian. Sollten sich Wildkatzen in der Nähe aufhalten, zieht der Geruch sie zum Stock, wo sie Haare hinterlassen.
Geeignet für eine dauerhafte Besiedelung durch Wildkatzen wäre das Schlaubetal allemal. Rechts und links des naturbelassenen Bachs, der westlich von Eisenhüttenstadt von Süden nach Norden fließt, wechseln sich Moore mit Laub- und Mischwäldern ab. Die Wildnis konnte sich hier entwickeln, weil es ziemlich aufwendig ist, die steilen Hänge forstlich zu nutzen. Auf ihren 14 Kilometer bis zur Mündung in den Oder-Spree-Kanal bei Müllrose durchfließt die Schlaube etliche Seen. Der Wirchensee ist der erste in der Seenkette und praktischerweise gibt es dort nicht nur eine Bushaltestelle, sondern auch ein ganzjährig geöffnetes Hotel. Perfekt, um den Vormittag nicht mit der beschwerlichen Anreise zu vertrödeln. Da Sie also am Vorabend im Hotel ankommen, sollten Sie zur Einstimmung noch bei Helligkeit unbedingt einen Spaziergang am Ufer des Wirchensees unternehmen. Der Wanderweg am Ostufer führt an einem Aussichtspunkt mit dem passenden Namen Lieblingsblick vorbei, einem perfekten Ort für den Sonnenuntergang. Am Südufer des Wirchensees stößt man auf die Feuchtwiesen, in denen die Schlaube entspringt.
Nicht zu spät am nächsten Morgen starten wir die Tour die Schlaube abwärts. Wo die Landstraße L43 das Tal kreuzt, entscheiden wir uns für den Weg am rechten, also östlichen Ufer. Nebel steigt aus den Moorflächen am Grund des erstaunlich tiefen Tals auf, da und dort stoßen Waldvögel ihre warnenden Laute aus, riesige Totholzstämme liegen quer über den Bachlauf, manchmal auch über den Wanderweg, während die dicke Blätterschicht den Waldboden in ein rotes Licht taucht. Nach knapp zwei Kilometern erreichen wir eine große Wiese und wechseln auf das linke Ufer. Faszinierend, wie sich immer wieder von Eichen und von Buchen dominierte Waldstücke abwechseln.
An den Kesselwiesen verlassen wir den Schlaubetalwanderweg vorübergehend Richtung Osten (Achtung, dieser Weg ist auf Open StreetMap nicht eingezeichnet), um an einer alten Eiche, die jemand mit der Ziffer 175 beschriftet hat, nordwärts zum Ziskensee abzubiegen. Im Sommer eine gute Bademöglichkeit, im Winter schön anzusehen. Ab der Kieselwitzer Mühle folgen wir wieder dem Schlaubetalweg; es geht hoch und runter, die schroffen Abhänge lassen Mittelgebirgsatmosphäre aufkommen.
Nach viereinhalb Kilometern unterbricht die Bundestraße B246 die Idylle. Ihr folgen wir einen halben Kilometer westwärts, um dann einen Schlenker zum Aussichtspunkt „Himmel und Hölle“ zu machen. Der Legende nach irrten zwei Mönche des Zisterzienserklosters Neuzelle durch das Schlaubetal, als einer der beiden angesichts eines schaurigen Moors mutmaßte, hier müsse die Hölle sein. Der andere entgegnete mit Blick auf den Großen Treppelsee, hier sei dann wohl der Himmel.
Jetzt aber schnell wieder auf den Uferweg, bevor wir die nächste Attraktion verpassen, die Vogelbeobachtungshütte am Großen Treppelsee. Unsere Sichtung an einem sonnigen Dezembertag: eine Menge Stockenten. Wer möchte, kann die Beobachtungen im Hüttenbuch notieren. Wo sich zwischen Großem Treppelsee und Hammersee die Schlaube wieder zu einem Bächlein verjüngt, klärt ein Waldlehrpfad über historische forstliche Nutzungen auf. Apropos Forst: Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Forsthaus Siehdichum. Was heute als Hotel und Restaurant auf einer Anhöhe thront, diente in früheren Jahrzehnten als Gästehaus des DDR-Ministerrats und – nomen est omen – als Freizeitheim der Stasi. Von Siehdichum führt ein schnurgerader Waldweg namens Postbotengestell zum Bahnhof Grunow. Alternative: Der Schlaube weiter flussabwärts bis Kupferhammer folgen und von dort nach Mixdorf.
Anreise: RE1/RE10/ RB43 nach Eisenhüttenstadt, von dort Bus 401 bis Trepeln, Schlaubemühle
Abreise: RB36 ab Mixdorf oder Grunow Wanderstrecke Wirchensee–Mixdorf: 19 km
www.schlaubetalnaturpark.de
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 1/2026.
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