BUND Landesverband Brandenburg

Im Biesenthaler Becken

11. Mai 2021 | BUNDzeit, Naturerleben

Sumpf und Sand sind die beiden Gesichter Brandenburgs, heißt es. Sie prägen ein sehenswertes Naturschutzgebiet eine Regionalbahnhaltestelle nördlich von Bernau.

Buchenschlucht im April: Im Mai dürfte es nun etwas grüner aussehen.

Manchmal ist auf den Volksmund Verlass. Wenn sich für einen Landstrich die Bezeichnung „Schweiz“ eingebürgert hat, handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen besonders schönen, siehe etwa die Märkische Schweiz oder die Charlottenburger Schweiz (BUNDzeit 2018-1). Da macht auch die Biesenthaler Schweiz, wie die Alteingesessenen das Biesenthaler Becken angeblich nennen, keine Ausnahme. Als sich die Gletscher der Weichsel-Kaltzeit vor etwa 15.000 Jahren zurückzogen, ließen sie Senken und Hügel zurück. Durch einen dieser Risse im Barnim-Hochplateau schlängelt sich heute das Hellmühler Fließ. Es entwässert den Hellsee, aus dem es an dessen nordöstlichen Ufer austritt. Und zwar mit so viel Schwung, dass es sich jahrhundertelang lohnte, hier eine Mühle zu betreiben. Erst in den 1920er- Jahren stellte die 1347 erstmals urkundlich erwähnte Wassermühle ihren Betrieb ein, heute erinnert ein hübsch sanierter Fachwerkbau an diese Zeit.

Von seiner schweizerischsten Seite zeigt sich das Biesenthaler Becken, wenn man dem Hellmühler Mühlenfließ flussabwärts auf der rechten, östlichen Seite folgt. Auf beiden Uferseiten steigen die Hänge steil an, das Bächlein fließt mit einer Geschwindigkeit, die man einem Flachlandgewässer nicht zugetraut hätte. Immer wieder liegen umgestürzte Bäume quer zur Buchenschlucht. Über die meisten Stämme der namensgebenden Bäume steigen die Wandersleute, von denen hier vor allem am Wochenende nicht wenige unterwegs sind, lässig herüber. An einigen Stellen hat jemand freundlicherweise einen menschenbreiten Durchlass ausgesägt, kinderwagenoder fahrradgeeignet ist der Weg jedoch keinesfalls.

Nach gut einem Kilometer flachen die Uferhänge ab, der Wanderweg wechselt über eine Holzbrücke auf die andere Fließseite. Nun zeigt sich deutlicher, welcher Landschaftsmix für das Biesenthaler Becken charakteristisch ist: Feuchtwiesen, Moore, Erlenbrüche, aber auch flache Hügel, die vorwiegend mit Kiefern und wenigen Eichen bewachsen sind. Bei diesen Erhebungen handelt es sich um Kames, durch Schmelzwasserflüsse aufgeschüttete Sand- und Kiesberge. Auf den Hängen leben Zauneidechsen und verschiedene wärmeliebende Insekten, etwa Ameisenlöwe, Blauflügelige Ödlandschrecke und Waldsandlaufkäfer. Nicht weit von den Trockenstandorten bieten Schilfbestände Rohrdommel und Kranich ein Habitat. Auch die deutschlandweit als „vom Aussterben bedroht“ gelistete Bekassine kommt in den Niedermooren des Biesenthaler Beckens vor. Weitere Bewohner sind Eisvogel, Hohltaube, Gebirgsstelze, Baumfalke, Wiedehopf und Wachtelkönig.

Das Biesenthaler Becken ist bequem mit der Regionalbahn zu erreichen. Aus Senftenberg über Königs Wusterhausen und Berlin-Schöneweide kommend fährt die RB 24 im Stundentakt ab Ostkreuz über Bernau nach Rüdnitz, das noch im Berliner Tarifbereich C liegt. Von dort über Langerönner Mühle und Plötzensee nach Hellmühle am Hellsee und dem Hellmühler Fließ folgend durch die Buchenschlucht. An der Wegkreuzung Zweibrücken im Herzen des Naturschutzgebiets gilt es zu entscheiden, ob es zwei weitere Kilometer durchs Grüne bis nach Biesenthal und weitere drei Kilometer zum Biesenthaler Bahnhof geht oder ob wir eine Rückkehr über Lobetal nach Rüdnitz bevorzugen (etwa sieben Kilometer). Für einen Abstecher nach Lobetal, das stark von seinen sozialen Einrichtungen unter dem Dach der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel geprägt ist, spricht – falls das Infektionsgeschehen es gestattet – die touristische Infrastruktur mit Stärkungsmöglichkeiten.  

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2021-2.

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