Nutzen dem Ökosystem deutlich mehr als
wildernde Hauskatzen: Przewalskipferde in der
Döberitzer Heide. Foto: Stefan Haendschke
Krampnitz: Druck auf die Döberitzer Heide
Gern werben die Krampnitz-Entwickler*innen mit den denkmalgeschützten Bauten der ehemaligen Kaserne im Norden Potsdams. Für den Großteil der geplanten 10.000 Wohnungen auf 140 Hektar errichten sie allerdings Neubauten. Würde irgendjemand in den Genehmigungsbehörden die Prinzipien der Landesplanung ernstnehmen, dürfte das abgelegene neue Wohnquartier zwischen Seen und Wäldern und ohne Schienenanbindung überhaupt nicht entstehen. Die versprochene Tram, die zunächst als Bedingung für den Bau galt, wird auf absehbare Zeit nicht kommen, denn dafür wären Enteignungen in Neu-Fahrland nötig.
Ein riesiges Problem des Bauprojekts lässt sich noch schwerer lösen: der Druck auf die Natur durch die Menschen und ihre Haustiere. Unmittelbar nördlich von Krampnitz beginnt mit der Döberitzer Heide ein ganz besonderes Schutzgebiet. Die FFH-Verträglichkeitsprüfung für das Vorhaben enthält Fehler, so wurden Auswirkungen auf die acht charakteristischen Fledermausarten und 28 Brutvogelarten in der Umgebung nicht geprüft und Rotbauchunkenvorkommen nicht kartiert. Die Ausgleichsflächen liegen 73 Kilometer entfernt. Gegen den Bebauungsplan eines Teilbereichs geht der BUND mit einer Normenkontrollklage vor. www.BUND-brandenburg.de/krampnitz
Fürstenwalde: Vorsorglich roden für das nächste Tesla
Weil Brandenburg keine weiteren Gewerbegebiete in Tesla-Größe hat, wollen die Stadt Fürstenwalde und ihre Nachbargemeinde Langewahl sicherheitshalber den Flächennutzungsplan ändern, um einen „gewerblich-industriellen Vorsorgestandort“ zu schaffen – und zwar auf rund 430 Hektar Wald zwischen Spree und Autobahn. Nur auf den ersten Blick handelt es sich um Kiefernmonokultur, denn unter den Kronen findet viel Naturverjüngung mit Eichen, Buchen und Birken statt. Totholz in verschiedenen Stadien nützt einer Vogelvielfalt, etwa Pirol, Waldkautz, Rohrdommel und Beutelmeise. In kleinen Teichen, die zu DDR-Zeiten durch Torfabbau entstanden sind, leben Molche, Grasfrösche und Ringelnattern und am naturgeschützten Spreeufer Biber. Der bedrohte Wald spielt eine wichtige Rolle für den Grundwasserstand und für die Filterung des Spreewassers, das einige Flusskilometer abwärts im Wasserwerk Friedrichshagen als Berliner Trinkwasser gefördert wird.
Stadteingang West: Weg mit Kleingärten und Wildnis
Es dürfte eines der kompliziertesten Gelände Berlins sein, was Baumöglichkeiten angeht: das 45 Hektar große Dreieck zwischen den S-Bahnhöfen Grunewald, Westkreuz und Messe Nord/ZOB, eingeklemmt zwischen Avus und Fernbahn, durchschnitten von S-Bahn und A 100. Anstelle der heutigen Wildnisinseln, Kleingärten, Güterbahnhofrelikte und Pferdeställe strebt die Senatsbauverwaltung eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und etwas Restgrün an. Genaue Pläne gibt es noch nicht, dafür aber einen markanten Namen: Stadteingang West. Wesentliche Teile sind ein neues Messe-Logistikzentrum, Hochhäuser direkt am S-Bahnhof Westkreuz und niedrigere Wohnbebauung auf den Reitschulflächen.
Vor 2040 werden die Bauarbeiten am Stadteingang West aber nicht starten, davon geht der Senat selbst aus. Das hat auch mit dem Umbau des Autobahndreiecks Funkturm zu tun, der vorher erledigt sein muss. Ob dieser aber wie angekündigt noch 2025 beginnt, ist nicht sicher – aus Umweltsicht positiv, denn so besteht noch die Chance, das Autobahngewirr auf eine zeitgemäße Dimension abzuspecken. Ungeachtet dieser terminlichen Unwägbarkeiten will der Senat auf dem „Stadteingang West“-Gelände auch ein Olympisches Dorf unterbringen – allein das sagt schon viel über die Seriosität der Berliner Olympia-Bewerbung für 2036. Auf einem Teil der Fläche hatte das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eine öffentliche Grünfläche geplant, den Westkreuzpark. Der Versuch, das Vorkaufsrecht auszuüben, scheiterte aber vor Gericht.
Tempelhofer Feld: Bauen aus Prinzip
„Nein! Doch! Nein! Doch!“ – in Sachen Tempelhofer Feld erinnert der schwarz-rote Senat an ein trotziges Kind. Eigentlich ist die Situation klar: Die Berliner*innen haben im Volksentscheid von 2014 den Erhalt der rund 300 Hektar großen Freifläche beschlossen. Dass sie diese Entscheidung nicht akzeptieren, haben CDU und SPD immer deutlich gemacht.
Der erste Schritt, das aus dem Volksentscheid hervorgegangene Tempelhof-Gesetz zu kippen, ging ziemlich schief. In der sogenannten Dialogwerkstatt mit 275 zufällig ausgewählten Bürger*innen kam 2024 heraus, dass diese überwiegend den Status quo behalten wollten und eine Bebauung ablehnten. Auch der zweite Schritt war nur mäßig erfolgreich: Von den sechs Beiträgen, die die Jury des im Juni beendeten „Ideenwettbewerbs“ zur näheren Befassung auswählte, kommen vier ganz ohne Bebauung aus – und die zwei Bebauungsvorschläge rechnen nur mit einer niedrigen vierstelligen Zahl von Wohnungen. Reaktion der CDU: Senat und Abgeordnetenhaus sollen sich jetzt nur mit den zwei Pro-Bau-Beiträgen beschäftigen. Daneben überrascht die Partei fast täglich mit neuen Ideen; mal wollen die Christdemokrat*innen das Feld bewalden, mal für Autorennen nutzen. Hauptsache, es bleibt nicht, wie es ist. Und SPD-Senator Gaebler fordert, das Tempelhof-Gesetz in jedem Fall zu ändern, ob nun gebaut werde oder nicht – um das Feld „weiterzuentwickeln“. Wozu das? Es gibt seit Jahren einen Entwicklungsplan für das Tempelhofer Feld. Er hat unter anderem neue Bäume, Bänke, Spiel- und Sportplätze möglich gemacht.
Ein häufiger Einwand gegen den Erhalt des Tempelhofer Felds in der heutigen Form lautet, die Wiesenlandschaft heize die Stadt auf. Richtig ist: Tagsüber kühlt die Grasfläche weniger als ein Wald, nachts bildet sich aber über dem Feld kalte Luft, die von dort aus in die Wohnviertel zieht – genau das braucht Berlin in den zukünftig häufiger zu erwartenden Tropennächten.
Großartige Entlastung auf dem Mietmarkt würde die Bebauung ohnehin nicht bringen. Größeres Potenzial bietet das denkmalgeschützte Flughafengebäude, das immer noch zu großen Teilen leer steht. Es ist es zwar für Wohnzwecke nicht geeignet, könnte aber unter anderem die auf der anderen Seite des Columbiadamms unterbrachte Polizei und Kfz-Zulassungsbehörde aufnehmen – und somit an deren alten Standort ein Quartier mit hunderten Wohnungen schaffen.
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Wuhlheide: Zurück in die Sechziger
Sollen mindestens 15 Hektar Wald mit uralten Eichen für eine Schnellstraße im Stil der 1960er-Jahre geopfert werden? CDU und SPD finden: ja. Auf Basis einer zu DDR-Zeiten begonnenen Planung wollen sie die sogenannte Tangentiale Verbindung Ost (TVO) quer durch die Wuhlheide bauen. Die 6,4 Kilometer lange vierspurige Straße soll von der Spindlersfelder Straße entlang der zweigleisigen Güterbahnstrecke (Berliner Außenring) bis zum Knoten Märkischen Allee/Alt Friedrichsfelde führen. Diese neue Nord-Süd-Verbindung im Berliner Osten wäre auch für den Lkw-Verkehr als mautfreie Alternative zur A 10 sehr attraktiv. Kosten: mindestens 351 Millionen Euro, von denen Berlin 87 Prozent zahlen müsste. Diese Schätzung beruht auf Zahlen von 2021, mittlerweile sind eher 400 Millionen wahrscheinlich.
Wird die autobahnähnliche Trasse Realität, so vernichtet sie nicht nur Wald, sondern auch eine Chance auf besseren öffentlichen Verkehr. Denn sie gefährdet die sogenannte Nahverkehrstangente, eine angestrebte S-Bahn- oder Regionalbahnverbindung entlang der bestehenden Gleise. Oder könnte andersherum die Nahverkehrstangente die TVO verhindern? Weil es auch diese Schienenplanung schon sehr lange gibt, sind gut zehn Hektar für Bahnbetriebszwecke reserviert. Bislang lehnt das Eisenbahnbundesamt eine Entwidmung dieser Flächen ab. Das Ende Juni vom Bundestag geänderte Allgemeine Eisenbahngesetz schafft in diesem Fall keine Klarheit, rechtliche Auseinandersetzungen über die Flächenwidmung sind wahrscheinlich. Auch der BUND wird alle juristischen Möglichkeiten nutzen, die TVO zu verhindern.
Emmauswald: Luxuswohnungen auf ehemaligem Friedhof
Wohnen im Wald ist schön für diejenigen, die es sich leisten können. Billig werden die 440 Eigentumswohnungen sicher nicht, die das zum Vonovia-Konzern gehörende Unternehmen Buwog unter dem Projektnamen Neumarien im jüngsten Berliner Wald bauen will. Erst vor gut zwei Jahren stellte die landeseigene Forstverwaltung fest, dass sich auf dem in den 1980er-Jahren stillgelegten westlichen Teil des Emmausfriedhofs ein Wald vor allem aus Linde, Eiche, Ahorn und Birke sowie etwas Spitzahorn und Douglasie entwickelt hat. Mit 3,9 Hektar handelt sich um den größten Wald in Neukölln.
Da es in der Bezirksverordnetenversammlung keine Mehrheit für eine entsprechende Baugenehmigung gibt, hat Bausenator Gaebler das Planungsverfahren mit Hinweis auf ein „gesamtstädtisches Interesse“ an sich gezogen. Wie wenig Luxuswohnungen die Krise am Berliner Wohnungsmarkt lösen können, zeigt der „Wohnpark St. Marien“ auf dem Gelände der ehemaligen Landesfrauenklinik am Mariendorfer Weg direkt gegenüber des Emmauswalds. Weil 15 Wohnungen im 21-stöckigen Haus Ruth leerstanden, verhängte das Bezirksamt im Mai ein Bußgeld von 75.000 Euro.
BUND-Erfolg: Stahnsdorfer Biotop gerettet
Ende Juni kam die gute Nachricht: Stahnsdorf lässt vier gesetzlich geschützte Biotope zwischen Teltowkanal und Alter Potsdamer Landstraße endgültig in Ruhe. Bereits im Sommer 2024 hatte der Zoll angesichts einer BUND-Klage seine Pläne aufgegeben, dort ein Trainingszentrum zu bauen. Trotzdem beharrte die Gemeinde darauf, einen Bebauungsplan für das bundeseigene Gelände aufzustellen, das vor der Wende als Truppenübungsplatz gedient hatte. Deshalb hielt der BUND seine Klage gegen naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen zur Biotopzerstörung aufrecht.
Werden Sie aktiv: Helfen Sie dem BUND, diesen Druck auszuüben, und unterschreiben Sie jetzt auf www.gruene-flaechen-retten.de!
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3/2025. Mehr zum Schwerpunktthema Flächenschutz:
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