Auch bei der Rast am Großen Selchower See sollte man das Fernglas immer griffbereit haben. Foto: Sebastian Petrich
Wir wollen ja nicht drängeln, aber wenn Sie dieses Jahr noch Fischadler beobachten wollen, sollten Sie sich ein bisschen beeilen: Im Lauf des Septembers machen sich diese in Brandenburg brütenden Greifvögel auf den Weg nach Nord- und Westafrika. Glücklicherweise gibt es im Naturpark Dahme-Heideseen ein Naturschutzgebiet, das alles hat, was Fischadler brauchen: fischreiche Gewässer, gesäumt von bewaldeten Uferregionen. Und was radelnde Naturerlebende schätzen: Bahnanschluss, ausgeschilderte (teilweise asphaltierte) Wege, Aussichtspunkte und Badestellen.
Nach der Ankunft in Storkow folgen wir dem Wochowseer Weg Richtung Schaplowsee. Wo er auf den Schaplower Weg trifft, müssen wir uns entscheiden, in welche Richtung wir um die Kette von Schaplowsee, Groß Schauener See, Großer Wochowsee, Bugker See und Schweriner See radeln wollen. Wer schon Hunger, aber keinen Proviant hat, wählt die Variante gegen den Uhrzeigersinn, denn die beiden einzigen Einkehrmöglichkeiten auf der Rundtour befinden sich am Ostufer des Groß Schauener Sees, rund drei Kilometer westlich von unserer Gabelung (wie immer gilt: Öffnungszeiten sicherheitshalber vorher checken!).
Wer noch keine Stärkung braucht, folgt dem Sträßchen gen Süden und trifft bald auf die erste Attraktion: Wasserbüffel, die im Auftrag der Heinz- Sielmann-Stiftung die Salzwiesen an der Seenkette von Gehölz und Schilf freihalten. Ihre Fressarbeit erhält diesen selten gewordenen Lebensraumtyp mit Pflanzen wie Erdbeerklee und Strand-Dreizack. Man sollte sich hier aber nicht zu sehr auf die terrestrischen Lebewesen konzentrieren, sonst verpasst man möglicherweise Interessantes in der Luft. Plötzliches Flügelschlagen, die Umrisse von zwei Greifvögeln verschwinden über den Wipfeln des Erlenbruchs am Ufer. Sind das schon die versprochenen Fischadler? Es könnten auch Schwarzmilane sein, die ebenfalls im Naturschutzgebiet Groß Schauener Seenkette zu Hause sind.
Am Rande der Siedlung Wolchowsee biegen wir im spitzen Winkel ab in Richtung Bugk. Rechter Hand das nahezu undurchdringliche Grün eines Laubwalds, linker Hand weitläufige Wiesen. In Bugk erreichen wir die erste Badestelle, die einen weiten Blick auf den gleichnamigen See erlaubt. Falls Baden keine Option ist, könnten Sie einen kurzen Abstecher zum Aussichtspunkt der Bugker Sahara, einer beeindruckenden Sandtrockenrasenlandschaft, in Erwägung ziehen (vom Dorfkern etwa einen halben Kilometer auf der Dorfstraße nach Osten).
Von der Badestelle geht es nun westwärts über Kurtmühle nach Schwerin. Der anfangs noch asphaltierte Weg mutiert bald zum eher mühevoll befahrbaren Pfad, dafür nimmt die Menschendichte deutlich ab. Die Belohnung wartet einen halben Kilometer hinter Kurtmühle: eine befestigte Fahrradstraße und am Dobrasee die wohl schönste Badestelle der Tour. Wer hier ins Wasser steigt, schwimmt in Gesellschaft von Blässhühnern, Haubentauchern und Teichrohrsängern.
Ab dem 106-Seelen-Örtchen Schwerin könnte man auch die Kreisstraße nordwärts radeln. Mehr von Flora und Fauna sehen wir aber, wenn wir bei erster Gelegenheit, rund anderthalb Kilometer nach der Dorfmitte, rechts abbiegen. Durch Wald und Wiesen geht es immer so nahe wie möglich am Schweriner See entlang, bis der Seeweg nach Selchow führt. Umfahren lässt sich dieses Dörfchen nicht; mit dem Weidenweg führt aber ein Stichweg zum Ufer des Großen Selchower Sees, wo eine Bade- und Vogelbeobachtungsstelle lockt.
Der beste Beobachtungspunkt fehlt leider derzeit: Der Aussichtsturm nördlich von Selchow ist seit Mai geschlossen, weil Mängel in der Holzkonstruktion gefunden wurden. Dennoch lohnt es sich, von der Kreisstraße entlang einer Feldhecke zum Uferweg zu radeln und den Himmel über dem See, dem Röhricht und den Wiesen zu beobachten.
Neben dem Fischadler sucht ein weiterer und stark gefährdeter Zugvogel neuerdings die Groß Schauener Seen zur Brutzeit auf: die Flussseeschwalbe. 43 frisch geschlüpfte Küken und 26 Eier zählte die Sielmann-Stiftung in der Saison 2026, das lässt auf 34 Brutpaare schließen. Was im See silbrig schimmert, sind übrigens vier künstliche Inseln, auf denen Flussseeschwalben ungestört nisten können.
Vom gesperrten Aussichtsturm führt ein Naturlehrpfad zur Fischerei Köllnitz mit Imbiss und Infozentrum der Sielmann-Stiftung. Am Nordufer der Seenkette, schon wieder in Sichtweite des Storkower Bahnhofs, steht ein intakter Aussichtsturm, der einen letzten Weitblick über die Seenlandschaft gestattet.
Anreise: RB36 nach Storkow
Radrundtour ohne Abstecher: 25 km
www.dahme-heideseen-naturpark.de
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3/2026.