Aktion an der Nieplitz: Lokale Akteure und der BUND setzen sich für eine Renaturierung des Flusses ein. Im Bild zu sehen: Hartwig Frankenhäuser, Richard Jacob, Gisela Baumann, Stefan Kaiser, Daniela Herstowski und Elke Seidel (v. l.) vom BUND-Arbeitskreis Wasser.
Foto: R.Jacob
Aufnahme der Nieplitz in nationalen Naturplan
MAZ-Artikel von Jens Steglich 29.06.2026
Der BUND in Brandenburg und lokale Umweltschützer fordern, die künstlich begradigte Nieplitz zu renaturieren. Auen sollen wiederhergestellt, Barrieren beseitigt und Altarme des Flusses, der Beelitzer Gebiet durchquert, reaktiviert werden. Für das Vorhaben bietet sich derzeit eine Chance, „die wir nicht verspielen dürfen“, sagt Richard Jacob vom BUND.
Beelitz. Die Nieplitz, die in der Vergangenheit künstlich begradigt wurde, soll wieder frei fließen. Das fordern der Brandenburger Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und lokale Akteure.
Der Fluss, der das Beelitzer Gebiet durchquert, soll naturnah umgebaut werden. Dazu gehört etwa, Auen wiederherzustellen, Altarme des Flusses zu reaktivieren und „entbehrliche Stauungen und Barrieren“ zu beseitigen, „damit Fische und andere Lebewesen sich in einem frei fließenden Gewässer bewegen können“, wie der BUND mitteilt.
BUND: Renaturierung der Nieplitz soll in den deutschen „Wiederherstellungsplan Natur“ aufgenommen werden
Um das realisieren zu können, kämpfen der Umweltverband und regionale Umweltschützer dafür, die Renaturierung der Nieplitz in den sogenannten Nationalen Wiederherstellungsplan Natur aufzunehmen. Hintergrund: Bis September dieses Jahres muss die Bundesregierung in einem Entwurf des besagten Planes der EU-Kommission melden, mit welchen Maßnahmen etwa naturnahe Wälder, frei fließende Flüsse, intakte Moore oder gesunde Meere geschaffen werden können.
Es geht um die Umsetzung der „Wiederherstellungsverordnung Natur“ der Europäischen Union, die alle Mitgliedstaaten verpflichtet, bis 2030 naturnahe Lebensräume zu fördern.
Beelitz: Im Entwurf des Planes findet sich bisher kein Fluss in Brandenburg
Im Entwurf des deutschen Planes ist für Brandenburg allerdings derzeit gar kein Fluss enthalten, sagt Richard Jacob vom Arbeitskreis Wasser beim BUND Brandenburg. Gerade im niederschlagsarmen Brandenburg sieht er die Notwendigkeit dafür. „Ziel der Renaturierung ist es ja, Wasser in der Landschaft zu halten“, so Jacob.
Die Rechnung ist einfach: Durch die Wiederherstellung von Auen und eines kurvenreicheren Flussverlaufs soll das Oberflächenwasser länger in der Landschaft gehalten werden, damit es Zeit zum Versickern hat und am Ende in Teilen im Grundwasser landet.
In der Mitteilung des BUND heißt es dazu: „Natürliche Flusslandschaften und barrierefreie Flüsse stärken den bedrohten Landschaftswasserhaushalt besonders im wasserarmen Brandenburg und helfen mit, den Wasserbedarf der Bevölkerung, von Industrie und Gewerbe und der Land- und Forstwirtschaft zu sichern. Die Renaturierung der Nieplitz kann für Brandenburg dabei nur ein bescheidener Anfang sein.”
Laut Jacob sieht der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ die EU-Wiederherstellungsverordnung Natur als Hebel für die Wiederherstellung eines klimaresilienten Landschaftswasserhaushaltes.
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Die natürliche Variante, Wasser in der Landschaft zu halten, ist langfristig der preiswertere und wirkungsvollere Weg.
Richard Jacob
BUND-Arbeitskreis Wasser in Brandenburg
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Begradigte und verbaute Flüsse wie die Nieplitz sind zudem vor allem „für die typischen Wanderfische wie Forellen, aber auch Hechte, Welse und Barben mit ausgedehnten Fluss- und Seen-Lebensräumen ein großes Problem“, sagt der Wasserexperte des BUND.
Der „Wiederherstellungsplan“ biete eine gute Chance, Flüsse wie die rund 50 Kilometer lange Nieplitz „wieder in einen guten naturnahen Zustand“ zu versetzen. „Diese Chance dürfen wir nicht verspielen. Es geht um unverzichtbare Lebensgrundlagen, auch die zukünftiger Generationen“, so Jacob.
Nach Angaben des BUND verfügt ganz Deutschland derzeit lediglich über knapp 200 Kilometer frei fließende Flüsse. Der Umweltverband fordert, „dass in Deutschland bis 2030 insgesamt mindestens 2000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen können“. Aus Brandenburg müsse „wenigstens die Nieplitz mit dabei sein“.
Damit das passiert, hatten sich Umweltaktivisten und Bürger bei einem gerade beendeten Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren des Bundesumweltministeriums ins Zeug gelegt und die Nieplitz für eine Aufnahme in den „Nationalen Wiederherstellungsplan“ vorgeschlagen.
Wird eine Renaturierung des Brandenburger Flusses Teil des deutschen Planes, würde die EU darüber wachen, dass es auch umgesetzt wird. Bis 2030 sei das aber nicht zu schaffen, sagt Jacob. Er geht eher von Zeiträumen zwischen 2040 und 2050 aus.
Widerstand könnte von Landnutzern und dem Wasser- und Bodenverband Nuthe-Nieplitz kommen, der auf die Instandsetzung von Stauwehren an der Nieplitz und im Umfeld des Flusses setzt, um so Wasser in der Landschaft zu halten.
„Wenn man technisch eingreift, bedeutet das auch, dass man Geld braucht, um die Anlagen instand zu halten. Die meisten Wehre wurden nicht instand gehalten, weil das Geld fehlte“, sagt der Jacob. Er ist sich sicher: Die natürliche Variante, Wasser in der Landschaft zu halten, „ist langfristig der preiswertere und wirkungsvollere Weg“.
Beelitz: Geld von Bund und EU für eine Renaturierung der Nieplitz
Wie soll eine Nieplitz-Renaturierung finanziert werden? „Es gibt schon nationale Förderprogramme für solche Projekte und man erhofft sich EU-Zuschüsse dafür.“
In Richtung Landnutzer an Gewässern und Landwirte, die Grundwasser entnehmen, um zum Beispiel Spargelpflanzen zu bewässern, sagt er: „Wenn ihr auch in 20 bis 30 Jahren noch eure landwirtschaftlichen Produkte anbauen wollt, müsst ihr mithelfen, an der angespannten Wassersituation etwas zu ändern.“
Bei einem „Weiter-so wie bisher“ werden die Landnutzer, die bislang solchen Vorhaben kritisch begegnen, „in den nächsten Jahrzehnten feststellen, dass sie wegen gravierendem Wassermangel ihre bisherigen Nutzungsziele nicht mehr erreichen“, sagt Jacob.
Er sieht im naturnahen Umbau des Flusses kein Hindernis für ein Vorhaben der Gemeinde Seddiner See, die mithilfe von Nieplitz-Wasser, das in wasserreichen Wintermonaten entnommen werden soll, den Seddiner See retten und den Landschaftswasserhaushalt im Umfeld stabilisieren will.
„Wenn die Nieplitz renaturiert wird, braucht man für dieses Projekt nicht mehr so viel Aufwand zu betreiben, um das Wasser vor Einleitung in den See zu reinigen“, sagt der BUND-Wasserexperte. Eine Renaturierung werde die Gewässerqualität der Nieplitz erheblich verbessern.
MAZ