Baumfällungen im UNESCO Biosphärenreservat Spreewald
Sehr geehrter Herr Minister Vogel,
wie die "Lausitzer Rundschau" in ihrer Ausgabe vom 10.03.2021 berichtete, wurden im Schlepziger Buchenhain - durch den auch der bei Touristen so beliebte Naturlehrpfad verläuft - erneut zahlreiche Buchen gefällt. Obwohl dieser streng geschützte Buchen-Stieleichen-Mischwald bereits unter enormen Trockenstress leidet, reißt diese Fällung das geschlossene Blätterdach auf, wodurch die Gefahr besteht, dass der Waldboden zukünftig noch stärker austrocknet und der Wald dauerhaften Schaden nimmt.
Wir als BUND-OG Lübben/Spreewald sind hierüber entsetzt und protestieren dagegen. In Zeiten einer sich dramatisch zuspitzenden Klima-, Umwelt- und Artenkrise sowie alarmierender Waldzustandsberichte kann es einfach nicht sein, dass noch immer Raubbau an dem letzten großen Buchenwald im Herzen des Spreewalds betrieben wird. Trotz FFH-, SPA-, NSG- und BR-Schutz wird dieses naturnahe Waldökosystem weiter als gewinnbringender Wirtschaftswald benutzt. Obwohl Buchen in der Regel 300 - 400 Jahre alt werden können, werden sie hier bereits nach wenigen Jahrzehnten gefällt. An anderer Stelle wird dann im Land wieder viel Geld für Klima- und Umweltschutzmaßnahmen ausgegeben, obwohl diese Buchen als hervorragende CO2-Speicher noch hunderte Jahre für uns als kostenlose "Ökosystemdienstleister" wertvollste Dienste erbringen könnten. Unter dem Strich wäre das auch für das Land der billigste und effektivste Klima- und Biodiversitätsschutz, den man sich vorstellen kann.
Wenn hier nach Rundschau-Angaben offiziell alles "im Rahmen der Vorgaben und nach geltenden Regeln ablief", dann sollten diese Vorgaben und Regeln - welche offensichtlich noch nicht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur existenziellen Klima-, Umwelt- und Artenkrise angepasst wurden - zeitnah geändert werden. Forstwirtschaft muss laut Ihren Aussagen zurecht "auch den aktuellen Anforderungen an den Klima-, Natur- und Artenschutz gerecht werden". Hierzu haben Sie richtigerweise das Ziel einer "grünen 0" ausgegeben.
Mit dem Fünf-Prozent-Ziel hatte sich die Bundesregierung bereits im Jahr 2007 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Im Rahmen der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt sollten fünf Prozent der Wälder in Deutschland bis zum Jahr 2020 aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Tatsächlich wurde dieses wichtige Ziel bislang weit verfehlt (ca. 2,9 %). Besonders gegenüber klimatischen Veränderungen sind naturnahe Wälder jedoch laut BfN deutlich anpassungsfähiger. Wesentliche Merkmale naturnaher Wälder sind viele alte und dicke Laubbäume wie Buchen und Eichen, ein geschlossenes Blätterdach und große Mengen von lebendem und abgestorbenen Holz. Durch Verdunstung von Wasser, das sowohl im lebenden wie im abgestorbenen Holz vorhanden ist, schafft sich der Wald ein eigenes Klima, extreme Hitze wird so abgepuffert. Naturnahe Wälder können so besonders Dürre und Hitzeperioden unbeschadeter überstehen.
Gerade diese Naturwälder haben aber auch einen hohen Nutzen für den Naturschutz. Hier dürfen die Bäume ungestört alt werden und auch in abgestorbenem Zustand im Wald bleiben. So entstehen jede Menge verschiedene Lebensräume von denen seltene und von alten Wäldern abhängige Arten wie beispielsweise der Mittelspecht, Grauschnäpper oder Bechsteinfledermaus profitieren.
Wir als BUND Brandenburg, Ortsgruppe Lübben/Spreewald fordern, dass der ökologisch wertvolle Schlepziger Buchenhain sowie weitere wertvolle Wälder in den beiden FFH-Gebieten "Innerer Unterspreewald" und "Innerer Oberspreewald" als Klima- und Artenschutzwälder komplett aus der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung herausgenommen und die FFH-Managementpläne entsprechend angepasst werden. Dies entspräche dem zentralen Naturschutzziel der Bundesregierung, wonach mindestens 5 % der klimatisch und ökologisch wertvollen Waldflächen aus der Bewirtschaftung genommen werden sollen. Da es sich bei den beiden FFH-Gebieten größtenteils um Landeswald handelt, sollte dies relativ zeitnah möglich sein.
Mit umweltfreundlichen Grüßen
Thomas Liebsch
Vorsitzender OG Lübben/Spreewald
BUND Brandenburg