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BUND Landesverband Brandenburg

Klima- und Umweltzerstörung made in Brandenburg

Die Lausitz ist nach dem Rheinischen Revier das zweitgrößte Braunkohlenabbaugebiet Deutschlands. Der oberirdische Abbau der Braunkohle ist eine Zerstörung von Natur und Lebensraum ungeahnten Ausmaßes. Allein in der Lausitz mussten in den letzten 80 Jahren mehr als 30.000 Menschen ihre Heimat verlassen.

Entstehung der Braunkohle

Braunkohle, das fossile Sedimentgestein, ist durch die Karbonisierung von Pflanzenresten hauptsächlich im Tertiär entstanden. Sie enthält gespeicherte Sonnenenergie, die vor Jahrmillionen von Pflanzen auf der Erde mit Hilfe der Photosynthese in organisches Material umgewandelt wurde. Während der Verbrennung wird diese Energie, neben Schadstoffen wie Schwefeldioxiden, Stickoxiden, Staub und vor allem dem Treibhausgas Kohlendioxid, in Sekunden wieder freigesetzt.

In Deutschland wird Braunkohle in drei Braunkohlerevieren abgebaut: im rheinischen Revier, im Lausitzer Revier sowie im mitteldeutschen Revier. In der Lausitz existieren in Brandenburg zwei aktive Tagebaue: Jänschwalde und Welzow-Süd I. Der Tagebau Cottbus-Nord wurde bis Ende 2015 ausgekohlt. Der Tagebau Jänschwalde wurde zum 01.09.2019 vorläufig in den Sicherungsbetrieb überführt. Aufgrund einer Klage von Deutscher Umwelthilfe (DUH) und Grüne Liga wurde dies vom zuständigen Gericht angeordnet. Das Bergamt hatte versäumt, für die Genehmigung eine Prüfung der Verträglichkeit der tagebaubedingten Grundwasserabsenkung mit den Schutzzielen der umliegenden Moor- und Feuchtgebiete zu verlangen.

Neuer Tagebau bedroht Klima und Natur

Der oberirdische Abbau der Braunkohle ist eine Zerstörung von Natur und Lebensraum ungeahnten Ausmaßes. Allein in der Lausitz mussten in den letzten 80 Jahren mehr als 30.000 Menschen ihre Heimat verlassen. 136 Orte verschwanden ganz oder teilweise von der Landkarte. Die letzten abgebaggerten Ortsteile im Lausitzer Revier waren Horno für den Tagebau Jänschwalde, Lakoma für den Tagebau Cottbus-Nord und Haidemühl für den Tagebau Welzow-Süd I.

Aktuell sind in Brandenburg noch das Dorf Proschim und weitere Ortsteile von Welzow sowie Lindenfeld (810 Einwohner) durch den geplanten Tagebau Welzow-Süd II bedroht. Auch geschützte Biotope und Tierarten sollen dem Tagebau zum Opfer fallen. Es wird sogar in ein europäisches Schutzgebiet eingegriffen, dem einzigen Vorkommen der Sand-Silberscharte in Brandenburg. Tagebaue vernichten gewachsene Kulturlandschaften, die in absehbarer Zeit nicht gleichwertig ersetzt werden können. Neue Tagebaue würden den Zustand des Grundwassers in der Lausitz noch weiter verschlechtern und durch Entwässerung tieferer Schichten Versauerung und Sulfateintrag in die Oberflächengewässer erhöhen.  

Der Bergbaukonzern LEAG - Vattenfalls Nachfolger in der Lausitz - verkündete am 30.3.2017, dass er auf die Tagebaue Jänschwalde-Nord, Bagenz-Ost und Spremberg-Ost verzichten und die Entscheidung über den Tagebau Welzow-Süd II bis 2020 treffen will. Laut ihrem Koalitionsvertrag vom 24.10.2019 wollen die Regierungsparteien "keine neuen Tagebaue, keine Tagebauerweiterung und keine Umsiedlung von Dörfern mehr". Wirklich ausgeschlossen sind weitere Tagebaue jedoch nur, wenn dies von der Politik raumordnerisch festgehalten wird. Wir fordern daher eine umgehende Aufhebung des Braunkohlenplans Welzow-Süd II und einen generellen Ausschluss von neuen Tagebauen im Landesentwicklungsplan.

Braunkohle: Deutschlands schlimmster Klimakiller

Doch nicht nur das: Neue Braunkohletagebaue sind mit den Zielen des Klimaschutzes überhaupt nicht vereinbar und weder umwelt- noch sozialverträglich. Denn die Braunkohleverstromung ist so ziemlich der sicherste Weg, das Klima zu ruinieren. Braunkohlekraftwerke wie Jänschwalde beispielsweise emittieren ca. 1200g CO2 pro erzeugter KWh Strom (GuD-Kraftwerk ca. 365g). Durch die sogenannte Sicherheitsreserve werden im Oktober 2018 sowie Oktober 2019 jeweils ein 500-MW-Block von Jänschwalde abgeschaltet und drei Jahre später endgültig stillgelegt. Doch das reicht nicht aus, um Brandenburgs und damit Deutschlands Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu erfüllen.

Um die 2015 in Paris beschlossenen Klimaschutzziele zu erreichen, müssen die Braunkohlekraftwerke in Brandenburg einer Studie von "Agora Energiewende" zufolge bis spätestens 2031 vom Netz gehen. Neue Tagebaue sind demnach überflüssig - es würden sogar noch Restmengen in den bereits genehmigten Tagebauen verbleiben.

Ein Kohleausstieg in Deutschland bis 2038, wie er im Januar 2019 von der Kohlekommission empfohlen wurde, steht nicht im Einklang mit den Pariser Klimazielen. Die Umweltverbände in der Kommission - darunter der BUND - haben dies in einem eigenen Sondervotum klargestellt. Die Bewertung des Kompromisses durch den BUND-Bundesverband finden Sie hier und die abgeleiteten Forderungen für Brandenburg können Sie hier in unserer Stellungnahme nachlesen.

Haben Sie Fragen?

Michaela Kruse - Mitarbeiterin im BUND Brandenburg, Foto: privat

Michaela Kruse

Referentin für Klima- und Moorschutz
E-Mail schreiben Tel.: 0331-703997 12

Wer zahlt für die langfristigen Schäden?

Die finanziellen Mittel zur Beseitigung der Folgeschäden der Braunkohletagebaue sind bei den Bergbaubetreibern nicht ausreichend gesichert. Ohne rasches politisches Handeln könnten die Steuerzahler auf den Folgekosten sitzen bleiben.

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