Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren. 

OK
BUND Landesverband Brandenburg

Start des Wildkatzen-Monitorings in Teltow Fläming

07. Februar 2020 | Wolf, Biber, Elch und Co, Wildkatze, Naturschutz

Etwa 20 ehrenamtliche Wildkatzenretter*innen sind von Februar bis Anfang April der Wildkatze im Landkreis Teltow-Fläming auf der Spur. Mitte Januar gab es für die ehrenamtlichen Wildkatzen-Retter*innen eine praktische Einweisung durch den BUND. Wer in nächster Zeit in den Wäldern einen nummerierten Stock im Waldboden sieht, sollte diesen daher stecken lassen. Denn nicht die Menschen sollen sich an den Lockstöcken zu schaffen machen, sondern die Wildkatzen.

Die Lockstöcke werden mit einer Baldrian-Lösung besprüht. Von dem Baldriangeruch angelockt, reiben sich die vorsichtigen Tiere am Lockstock. Die Haare, die so am rauen Holz hängen bleiben, können mit einer Pinzette eingesammelt und dann im Labor untersucht werden. Mit dieser Methode werden die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten nicht beeinflusst. Die Lockstöcke werden wöchentlich durch die ehrenamtlich Aktiven kontrolliert.

Den typischen Lebensraum einer Wildkatze in Mitteleuropa bilden naturnahe Waldgebiete. Dort sind es vor allem Strukturen wie Totholzansammlungen, umgestürzte Wurzelteller, Baumhöhlen, Tierbaue, Dickichte sowie alte Bunkeranlagen, welche als Ruhe- oder Wurfplätze genutzt werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Streifgebietes ist der Offenanteil innerhalb oder am Rand des Waldes. Dazu gehören Wiesen, Felder, Windwurfflächen, Lichtungen, steinige Halden und Waldsäume. Diese Habitate dienen vor allem der Nahrungssuche. Die Hauptnahrung machen dabei Kleinsäuger aus.

Wildkatzen sind von der Zerschneidung der Waldlebensräume durch Straßen, Siedlungen und ausgeräumte Agrarflächen besonders betroffen. Der BUND engagiert sich seit mittlerweile 15 Jahren mit seinem Rettungsnetz Wildkatze für einen deutschlandweiten Waldverbund. Die Wildkatze ist Zielart des Projektes, da sie mit ihren Lebensraumansprüchen für eine ganze Reihe anderer Waldarten steht. "Im Land Brandenburg gibt es eine Vielzahl an Waldflächen, die ein guter Lebensraum für die europäische Wildkatze sein können. Ein gezieltes Monitoring wird uns gute Hinweise über die Verbreitung liefern. Wir wissen, dass zerschnittene Landschaft die Wildkatzen behindert. Deshalb könnten Grünbrücken und anderen Querungshilfen für einen Biotopverbund sinnvoll sein", erörtet Silvia Bender, Umweltstaatssekretärin im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK).

In den letzten Jahren konnte die Wildkatze Teile ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes wiederbesiedeln. Ihre Rückkehr ist eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Neue Nachweise gelangen beispielsweise in der Lüneburger Heide, der Dübener Heide, im Leipziger Auwald, im Wendland und in den Rheinauen. In weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands fehlt die Wildkatze aber nach wie vor. Wildkatzenvorkommen an den Rändern des Verbreitungsgebietes sind häufig noch instabil und können durch Straßentod, Krankheiten und Wetterextremen schnell wieder erlöschen. Zudem herrscht teilweise ein Mangel an Weibchen, da die Männchen meist weitere Strecken wandern als Weibchen. Auch das bei Kummersdorf-Gut im Landkreis Teltow-Fläming entdeckte Wildkatzenweibchen wurde überfahren an einer Straße gefunden.

Die Europäische Wildkatze stammt nicht von verwilderten Hauskatzen ab. Sie streifte schon durch unsere Wälder, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen brachten. Das Verbreitungsgebiet der Wildkatze erstreckte sich, noch bis ins 20. Jahrhundert hinein, fast über den ganzen Kontinent. Heute zählt die Wildkatze bei uns zu den gefährdeten Arten.

Im Fläming konnte der BUND 2019 erstmals eindeutig eine Europäische Wildkatze anhand genetischer Analysen im Bundesland Brandenburg nachweisen. Der Wildkatzennachweis wurde auch dank tatkräftiger Unterstützung vor Ort durch Julian Dorsch vom Büro WildVet und Carsten Preuß vom BUND Brandenburg ermöglicht. Gemeinsam mit dem BUND und seinen Unterstützer*innen wird er in der Umgebung des Fundortes jetzt gezielt nach weiteren Tieren suchen. Ob es neben dem nun nachgewiesenen Tier weitere Wildkatzen in Brandenburg gibt, ist bislang noch unbekannt.

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb