Glyphosat - riskanter Wirkstoff

Glyphosat ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel und in Europa das am weitesten verbreitete Herbizid. Es wird in Deutschland auf 40 Prozent der Ackerflächen eingesetzt, zudem in Parkanlagen, auf Bahngleisen und in Gärten. Glyphosat tötet alle Pflanzen ab, die mit ihm in Kontakt kommen, es sei denn, die Pflanze ist entsprechend gentechnisch verändert. Die Auswirkungen direkt auf die Ackerflora und indirekt auf die Ackerfauna sind groß: Weniger Wildpflanzen auf und neben den Ackerflächen bieten weniger Lebensraum für weniger Insekten. Und diese sind die Hauptnahrung für andere Tiere wie etwa Vögel; die biologische Vielfalt nimmt mit dem vermehrten Einsatz von Glyphosat ab. 30 Prozent aller Vögel der Agrarlandschaft stehen bereits auf der Roten Liste der bestandsbedrohten Tierarten.

Glyphosat ist für einen nachhaltigen, ordnungsgemäßen Ackerbau nicht notwendig, sondern lediglich ein Mittel zur weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft. Landwirte haben Alternativen zum Glyphosat-Einsatz, wie eine Studie des dem Landwirtschaftsministerium unterstellten Julius-Kühn-Instituts belegt. Ackerbau mit dem Pflug oder "Grubber" bekämpft wirkungsvoll unerwünschte Pflanzen auf dem Acker.

Karte BUND-Urintest Glyphosat

Glyphosat kann sowohl bei Menschen im Urin nachgewiesen werden, die beruflich mit dem Stoff zu tun haben, als auch bei Menschen, die nicht bewusst mit Glyphosat in Kontakt kommen. Der BUND und seine Partnerorganisationen von Friends of the Earth Europe haben in einer Studie an 182 Stadtbewohnern aus 18 europäischen Ländern bei 45 Prozent der Personen Glyphosat im Urin nachgewiesen. Eine industriefinanzierte Studie aus dem Jahr 2004 zeigt ebenfalls, dass amerikanische Landwirte, die Glyphosat einsetzen, diesen Stoff aufnehmen. Auch hier wurde Glyphosat im Urin der Landwirte und ihrer Familien nachgewiesen.

WHO: Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend"

Im März 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als "wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen" eingestuft. Die Konsequenz aus dieser Einstufung kann nur sein: sofortiges Verbot. Das verlangt die EU-Gesetzgebung. Zum einen ist die Einstufung als "krebserregend" ein absoluter Verbotsgrund, zum anderen gebietet das Vorsorgeprinzip, dass die Behörden bereits dann tätig werden müssen, wenn der letzte Beweis für die Gesundheitsschädlichkeit eines Stoffes noch nicht vorliegt. Ein Verbot ist umso dringlicher, als Glyphosat das meist eingesetzte Spritzmittel der Welt ist und Menschen ihm nicht ausweichen können.

Natürlich kommt eine EU-Wiederzulassung von Glyphosat, die eigentlich 2015 ausgesprochen werden sollte, nach dem Urteil der WHO-Experten nicht mehr in Frage!

Zudem wirft die Einschätzung der WHO-Experten ein denkbar schlechtes Licht auf die deutschen Zulassungsbehörden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das zuletzt im Rahmen der EU-Wiederzulassung von Glyphosat alle Hinweise auf die krebserregende Wirkung von Glyphosat ignoriert hat, bekommt endlich Contra. Das BfR hat sich zu sehr auf die von der Industrie vorgelegten Studien verlassen. Es hat Ergebnisse unabhängiger Wissenschaftler, die seit Jahren auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch Glyphosat hinweisen, fast schon routinemäßig damit abgeschmettert, sie seien fachlich nicht fundiert. Hoffentlich löst die WHO-Einstufung diese Voreingenommenheit der deutschen Behörden endlich auf.

Glyphosat und die EU-weite Wiederzulassung

Ende Juni 2016 wäre die EU-weite Genehmigung für das Pestizid Glyphosat ausgelaufen. Viermal hatte die EU-Kommission in den Monaten davor versucht, eine Verlängerung der bestehenden Zulassung für 15 Jahre von den Mitgliedstaaten beschließen zu lassen. Vergeblich - eine qualifizierte Mehrheit kam nicht zustande. Deshalb hat EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, im Namen der Kommission schließlich auf den letzten Drücker eine Verlängerung für maximal 18 Monate beschlossen. Sie gilt ab dem 1. Juli 2016. Innerhalb dieser Zeit soll die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) die Krebsgefahr von Glyphosat neu bewerten.

Anderthalb statt 15 Jahre sind ein Riesenerfolg. Noch im März rechneten alle damit, dass das Pflanzengift ohne Debatte durch die Gremien gewinkt wird. Nun hat sich das Blatt gewendet: Jeder kennt Glyphosat und wer es einsetzt, muss sich rechtfertigen!

Wie geht es jetzt weiter?

Die Europäische Chemikalienagentur muss nun die vorliegenden Studien zu Glyphosat auf ihre Aussagen zu Krebsgefahr überprüfen. Dabei sollen nicht nur unveröffentlichte Industriestudien, sondern auch öffentlich zugängliche Untersuchungen unabhängiger Wissenschaftler angemessen berücksichtigt werden, ein großer Fortschritt.

Wie auch immer die Bewertung der ECHA ausfällt: Glyphosat ist hauptverantwortlich für das Artensterben in der Agrarlandschaft. Glyphosat steht im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Glyphosat ist in der Landwirtschaft durch mechanische Verfahren ersetzbar. Und: Die Mehrheit der Deutschen will es nicht.

Der BUND bleibt bei seiner Haltung, dass ein kompletter Ausstieg aus Glyphosat dringend überfällig ist. Dafür setzen wir uns weiter ein und werden das ECHA-Verfahren kritisch begleiten.

Für die deutsche Landwirtschaft muss es jetzt heißen: Umgehend den Ausstieg aus Glyphosat einleiten, statt weiter auf einen Giftstoff von vorgestern zu setzen.

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Foto: Tony Hegewald/pixelio.de

Fragen und Antworten zu Glyphosat

Was ist Glyphosat und wie wird es in Deutschland eingesetzt? Welchen Schaden richtet Glyphosat in der Natur an, welchen beim Menschen? Und: Geht es auch ohne Glyphosat? Diese und weitere Fragen beantwortet unser FAQ.

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Video: In drei Schritten zum Glyphosat-Schurken

Wenn Sie auch wissen wollen, wie man ein gemeingefährliches Gift in Europa auf den Markt bringt: Wir zeigen es Ihnen in diesem Video!

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