Presseberichte

MOZ-Artikel vom 10.9.2012

Ein Kraftwerksschlosser baut Mühlenräder

Kieselwitz (MOZ)

Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne die Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus dem Landkreis Oder-Spree vor. Heute: Gerd Jorkisch aus Kieselwitz.

"Überall im Schlaubetal hat Gerd Jorkisch seine Spuren hinterlassen", erzählt Angelika Fritz von der Schlaubemühle. Wanderer würden immer wieder fragen, wer denn die kleinen Mühlen in Schlaube und ihren Seitenarmen gebaut hat. Auch ein großer Stein am Wanderweg zwischen Kieselwitz und Bremsdorfer Mühle trägt den Abdruck von Gerd Jorkisch. Mit Hammer, Meißel und Fräse hat der Kieselwitzer dort einen Wanderer mit Rucksack sowie einen Wanderspruch eingearbeitet. Sein bisher größtes Projekt war die Sanierung des Wasserrades an der Schlaubemühle im Sommer dieses Jahres. "Angelika Fritz fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, das Mühlrad zu erneuern", erinnert sich Gerd Jorkisch. Das tat der Schlosser, der bis vor fünf Jahren im Kraftwerk in Eisenhüttenstadt gearbeitet hat, gern. "Und irgendwie hat ein Mühlrad ja auch etwas mit einem Kraftwerk zu tun", sagt Jorkisch verschmitzt.

Also begann er, Skizzen zu zeichnen, Material zu sammeln und Pläne zu machen. "Das alte Mühlrad, das vor etwa fünf Jahren gebaut wurde, ist nie richtig gelaufen, war wohl auch etwas lustlos hergestellt worden", erzählt er. Von dem Rad waren nur noch die Lagerböcke zu gebrauchen, der Rest war kaputt und vermodert. Zudem bestand die alte Rinne aus Aluminium. "Das passt nun gar nicht ins Naturschutzgebiet", sagt Jorksich. Eine Kabeltrommel aus Holz, Dachlatten und ein bisschen Zeit brauchte er für das neue Rad. "Das Material hat der BUND zur Verfügung gestellt", ist vom Mühlradbauer zu erfahren. Mit der Arbeit begann er im Mai. Ende Juli durfte sich das neue Rad erstmals drehen. Zufällig waren beim ersten Lauf etwa 30 Leute in der Schlaubemühle. "Alle haben Beifall geklatscht, das war ein tolles Gefühl", erinnert sich der 68-Jährige. Gerd Jorkisch hat Spaß am Basteln, wie er selbst sagt. Er liebt seine Heimat. "Ich kenne jeden zweiten Baum im Schlaubetal. Schon als kleiner Junge war ich viel in der Natur. Mein Großvater war Fischer am Wirchensee und schon damals war ich sehr oft an der Schlaubemühle", erinnert er sich. Die Liebe zur Natur sollte den rüstigen Senioren nie wieder loslassen. Nachdem er in den Ruhestand gegangen war, begann er, unter anderem am Kesselfließ kleine Wassermühlen detailgetreu nachzubauen. "Ich wollte meine Freizeit nicht mit Rumsitzen vergeuden. Und wenn ich beobachte, wie die Wanderer staunen, wenn sie an den kleinen Mühlen vorbeigehen, und sehen, wie sich die Wasserräder drehen und versteckte Glöckchen klingeln, weiß ich, dass ich genau das Richtige gemacht habe", erzählt Gerd Jorkisch mit vor Stolz blitzenden Augen. Klar, dass er beinahe jeden Tag im Schlaubetal unterwegs ist. "Ich habe für meine Touren extra ein robustes Auto gekauft", gibt er lächelnd zu. Ihm ist es auch wichtig, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Und, klar, er hat auch schon einige neue Idee, die Wanderwege entlang der Schlaube zu verschönern.

MOZ-Artikel vom 10./11. Juli 2010

Quelle: MOZ
Quelle: MOZ