Protest gegen die Schweinemastanlage Haßleben in der Uckermark

Das seit 2004 laufende Genehmigungsverfahren für die geplante Schweinemastanlage in Haßleben mit rund 68 000 Tierplätzen gilt inzwischen als das „Gorleben der Massentierhaltung in Deutschland“. Jetzt steht es angeblich kurz vor der Entscheidung. Das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz hatte im vergangenen Jahr die möglichen Beeinträchtigungen des Kuhzer Grenzbruches als wichtigen Aspekt bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein gesetzlich geschütztes Moor mit besonderer Bedeutung als prioritärer Lebensraum nach der FFH-Richtlinie. Das von der Genehmigungsbehörde beauftragte Gutachten lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Daher forderten wir in einer Pressekonferenz im März das Landesamt auf den Genehmigungsantrag abzulehnen. Gemeinsam mit der Albert-Schweitzer-Stiftung sammelten wir 19 000 Unterschriften, die wir im August an den Präsidenten des Landesamtes übergeben haben.

Bürgerinitiative

Die seit vielen Jahren aktive Bürgerinitiative "Kontra Industrieschwein Haßleben" bekommt viel Unterstützung, u.a. durch das bundesweite Bündnis "Bauerhöfe statt Agrarfabriken". Neben Umwelt- und Tierschutzverbänden wie dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), dem Deutschen Tierschutzbund und PROVIEH sowie 70 Bürgerinitiativen ist die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), in der sich Landwirte zusammengeschlossen haben, ein wichtiger Partner in diesem Bündnis.

Viele Informationen rund um das Thema Schweinemast finden Sie auf den Seiten der Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein.

Warum keine Schweinemastanlage?

Das Versprechen der Investoren, es würden durch die Schweinemastanlage in der Uckermark viele neue Arbeitsplätze entstehen, ist falsch:

1. Die industrielle Massentierhaltung mit zig-tausenden Tieren pro Stall ist hochtechnisiert und mit nur wenigen Arbeitsplätzen verbunden. Die Anzahl der Mitarbeiter je Stall nimmt ab, je größer die Anlage ist. In einer Anlage mit 10.000 Tieren ist lediglich Arbeitsbedarf für max. 5 Personen (Quelle: Studie BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern).
2. Arbeitsplätze werden durch industrielle Schweinemastanlagen selten geschaffen, weil oft bisherige, erfahrene Mitarbeiter in diesen neuen Schweinemastanlagen arbeiten.
3. Im Vergleich zu Bio- oder Neulandbetrieben wurde der Arbeitsaufwand in der konventionellen Schweineproduktion mehr als halbiert

Statt Arbeitsplätzen bringt die Anlage Belastungen: Sie verursacht Lärm durch die an- und abfahrenden LKW, sie stört durch den Geruch und eine Augenweide ist sie auch nicht gerade. Dies betrifft nicht nur die Menschen, die hier leben, sondern natürlich auch die Touristen, die hierher kommen. Die Leute wollen ein Wochenende oder sogar die Ferien hier verbringen und die Natur genießen. Eine Schweinemastanlage lockt da wohl niemandem besonders.

In der Tourismusbranche können noch viele weitere Arbeitsplätze entstehen, ohne Gesundheitsrisiko oder kaputte Böden. Es muss aber an der richtigen Stelle investiert werden.

Mit der SMA wird sogar das Gegenteil in Kauf genommen. Die Naturschutzgebiete der Gegend werden gefährdet: Sowohl in den FFH Gebiete in der Nähe der Anlage "Kuhzer See/Jakobshagen" als auch im Bereich der geplanten Gülleausbringungsflächen "Charlottenhöhe", "Eulenberge", "Klaushagen", "Krohnhorst/Groß Fredenwalde", "Platkowsee/Netzowsee/Metzelthin", "Schwemmpfuhl" und "Stromgewässer" findet man viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten - ein Augenschmaus auch für die Touristen.

Durch die großen Mengen Gülle der SMA, die ausgebracht werden, wird sich auch der Nährstoffgehalt der Böden verändern. Dadurch wird es zu einer Änderung der Lebensbereiche im FFH Gebiet kommen und viele Arten werden verschwinden.

Anlagen wie die SMA wirken sich negativ auf den Tourismus aus. Sie werden in der Gastronomie, bei Reiseveranstaltern und im Hotelgewerbe Arbeitsplätze vernichten. Die 5 Arbeitsplätze der Anlage selbst können das nicht ausgleichen.

Wir müssen weg von der intensiven Landwirtschaft. Eine weniger intensive oder ökologische Landwirtschaft hat einen deutlich höheren Arbeitskräftebedarf, ist ökologisch verträglich, weniger risikoreich und fördert den Tourismus.

Die industrielle Schweineproduktion richtet auch volkswirtschaftliche Schäden in großem Ausmaß an: Die letzte Schweinepest - Epidemie hat Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Das Land Brandenburg hat allein in den letzten 10 Jahren für Schäden in der Landwirtschaft durch Schweinepest 5,6 Millionen Euro ausgegeben (Quelle: Internet MLUR).

Von Tourismus und extensiver Landwirtschaft profitieren die Menschen in Uckermark und nicht nur wenige Unternehmer.




  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Broschüre: Agrarreform statt Massentierhaltung

Suche