#Widersprüche gegen Mega-Schweinemastanlage in Haßleben abgelehnt – jetzt wird Klage geprüft

 

Das Landesumweltamt hat die Widersprüche des BUND, NABU, BI „Kontra Industrieschwein“ und Förderverein „Feldberg – Uckermärkische Seenlandschaft“ gegen die Anlage in Haßleben (Gemeinde Boitzenburger Land) abgelehnt. Die Mega-Mastanlage mit ca. 37.000 Schweinemastplätzen und einem Durchlauf vom über 100.000 Tieren pro Jahr verstößt massiv gegen Tierschutzregelungen, anfallende Güllemengen verursachen höchstbedenkliche Nitrat- und Stickstoffbelastungen. Das Brandschutzkonzept gewährleistet aufgrund der langen Rettungswege außerdem nicht die gesetzlich vorgeschriebene Rettung der Tiere im Ernstfall. Dem Bau bzw. Umbau der Anlage steht damit nichts mehr im Weg, helfen würde nur noch eine Klage um die Katastrophe zu verhindern.

Hier geht’s zur Pressemitteilung

 

 

Protest gegen die Schweinemastanlage Haßleben in der Uckermark

Foto: Dirk Gießelmann, soylent network.com

 

Bereits 2004 hat der holländische Investor Harrie van Gennip den Antrag gestellt, die Hallen der ehemaligen Schweinemastanlage Haßleben wieder für die Schweinezucht und -mast zu nutzen. 9 Jahre später wurde nun die Genehmigung erteilt, obwohl der BUND und andere Naturschutzverbände nach wie vor überzeugt sind, dass dadurch unter anderem das Kuhzer Grenzbruch beeinträchtigt werden würde. Dabei handelt es sich um ein gesetzlich geschütztes Moor mit besonderer Bedeutung als prioritärer Lebensraum nach der FFH-Richtlinie.

Am 29. Juni 2014 fand daher eine „Wir haben es satt!“-Demonstration an der geplanter Mastanlage statt. 

Die Genehmigung lag vom 11. bis 25. Juli 2013 öffentlich aus. Das 89 Seiten umfassende Dokument können Sie aber auch hier herunterladen. Gegen den Bescheid konnte von den 1234 EinwenderInnen maximal bis zum 25. August 2013 Widerspruch erhoben werden, was der BUND bzw. die Bürgerinitiative "Kontra Industrieschwein Haßleben" auch getan haben. Sollte der Widerspruch keinen Erfolg haben, wäre der nächste Schritt die Klage. Dies ist leider mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. Wir bitten Sie daher um kleine oder große Spenden (Stichwort: Haßleben), um das drohende Unheil einer Megaschweinemastanlage in der Uckermark abwenden zu können.

Bürgerinitiative

Die seit vielen Jahren aktive Bürgerinitiative "Kontra Industrieschwein Haßleben" bekommt viel Unterstützung, u.a. durch das bundesweite Bündnis "Bauerhöfe statt Agrarfabriken". Neben Umwelt- und Tierschutzverbänden wie dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), dem Deutschen Tierschutzbund und PROVIEH sowie 70 Bürgerinitiativen ist die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), in der sich Landwirte zusammengeschlossen haben, ein wichtiger Partner in diesem Bündnis.

Informationen rund um das Thema Schweinemast finden Sie auf den Seiten der Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein.

Warum keine Schweinemastanlage?

Das Versprechen der Investoren, es würden durch die Schweinemastanlage in der Uckermark viele neue Arbeitsplätze entstehen, ist falsch:

  1. Die industrielle Massentierhaltung mit zig-tausenden Tieren pro Stall ist hochtechnisiert und mit nur wenigen Arbeitsplätzen verbunden. Die Anzahl der Mitarbeiter je Stall nimmt ab, je größer die Anlage ist. In einer Anlage mit 10.000 Tieren ist lediglich Arbeitsbedarf für max. 5 Personen (Quelle: Studie BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern).
  2. Arbeitsplätze werden durch industrielle Schweinemastanlagen selten geschaffen, weil oft bisherige, erfahrene Mitarbeiter in diesen neuen Schweinemastanlagen arbeiten.
  3. Im Vergleich zu Bio- oder Neulandbetrieben wurde der Arbeitsaufwand in der konventionellen Schweineproduktion mehr als halbiert.


Statt Arbeitsplätzen bringt die Anlage Belastungen: Sie verursacht Lärm durch die an- und abfahrenden LKW, sie stört durch den Geruch und eine Augenweide ist sie auch nicht gerade. Dies betrifft nicht nur die Menschen, die hier leben, sondern natürlich auch die Touristen, die hierher kommen. Die Leute wollen ein Wochenende oder sogar die Ferien hier verbringen und die Natur genießen. Eine Schweinemastanlage lockt da wohl niemandem besonders.

In der Tourismusbranche können noch viele weitere Arbeitsplätze entstehen, ohne Gesundheitsrisiko oder kaputte Böden. Es muss aber an der richtigen Stelle investiert werden.

Mit der Schweinemastanlage (SMA) wird sogar das Gegenteil in Kauf genommen. Die Naturschutzgebiete der Gegend werden gefährdet: Sowohl in den FFH Gebiete in der Nähe der Anlage "Kuhzer See/Jakobshagen" als auch im Bereich der geplanten Gülleausbringungsflächen "Charlottenhöhe", "Eulenberge", "Klaushagen", "Krohnhorst/Groß Fredenwalde", "Platkowsee/Netzowsee/Metzelthin", "Schwemmpfuhl" und "Stromgewässer" findet man viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten - ein Augenschmaus auch für die Touristen.

Durch die großen Mengen Gülle der SMA, die ausgebracht werden, wird sich auch der Nährstoffgehalt der Böden verändern. Dadurch wird es zu einer Änderung der Lebensbereiche im FFH Gebiet kommen und viele Arten werden verschwinden.

Anlagen wie die SMA wirken sich negativ auf den Tourismus aus. Sie werden in der Gastronomie, bei Reiseveranstaltern und im Hotelgewerbe Arbeitsplätze vernichten. Die 5 Arbeitsplätze der Anlage selbst können das nicht ausgleichen.

Wir müssen weg von der intensiven Landwirtschaft. Eine weniger intensive oder ökologische Landwirtschaft hat einen deutlich höheren Arbeitskräftebedarf, ist ökologisch verträglich, weniger risikoreich und fördert den Tourismus.

Die industrielle Schweineproduktion richtet auch volkswirtschaftliche Schäden in großem Ausmaß an: Die letzte Schweinepest - Epidemie hat Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Das Land Brandenburg hat allein in den letzten 10 Jahren für Schäden in der Landwirtschaft durch Schweinepest 5,6 Millionen Euro ausgegeben (Quelle: Internet MLUR).

Von Tourismus und extensiver Landwirtschaft profitieren die Menschen in Uckermark und nicht nur wenige Unternehmer/innen.

Hallen der ehemaligen Schweinemastanlage Haßleben, welche wieder genutzt werden sollen