Biomassestrategie 2011

Zur Biomassestrategie, die von der Landesregierung erarbeitet worden ist, konnten wir im Rahmen einer Anhörung Stellung beziehen. Der BUND Brandenburg begrüßt insgesamt die Nutzung erneuerbarer Energieträger. Diese Nutzung muss aber, um Fehlentwicklungen zu vermeiden gesteuert werden, und darf nicht dem Selbstlauf überlassen sein. Unsere Hauptkritikpunkte an der Strategie sind:

Bioenergie-Ziel

Besonders kritisch ist anzumerken, dass die Landesregierung über das im Bundesland vorhandene Potential von 40 Petajoule (PJ) hinaus Biomasse zur Energiegewinnung nutzen will, nämlich 49 PJ. Dies ist nur durch den Import von Biomasse zu erreichen. Dies kann in den Exportländern zu weiteren Problemen führen, wie z.B. Verlust von Regenwald und anderer Lebensräume mit hoher biologischer Vielfalt, Verschlechterung der Klimabilanz durch Transport, Landnutzungskonkurrenzen, indirekte Landnutzungsänderungen etc.

Aus Sicht des BUND Brandenburg ist eine Landnutzungspolitik zu kritisieren, die ein Flächenland wie Brandenburg zum Biomasseimportland macht. Die zuständige Politik muss sich mit ihren Strategien vielmehr an den verfügbaren Potentialen ausrichten und diese möglichst effizient, aber auch naturverträglich nutzen!

Flächenpotenziale

In der Biomassestrategie stützt sich die Landesregierung auf eine Potenzialstudie der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Diese ermittelt einen möglichen Zuwachs bei der Anbaufläche für Energiepflanzen von ca. 190.000 ha (2007) auf zukünftig ca. 300.000 ha. Dies bedeutet, dass jeder dritte Acker in Brandenburg für Energiepflanzen vorgesehen werden könnte, ohne angeblich signifikante Auswirkungen auf andere Nutzungen (wie Nahrungs- und Futtermittelproduktion etc.) zu haben.

Angesichts der fehlenden Akzeptanz für Energiepflanzen erscheint dies fraglich. Probleme treten schon heute vor allem durch lokale Dominanz von Energiepflanzen auf. Beispielsweise stehen im Oderbruch, der Uckermark oder dem Havelland oft mehrere Biogasanlagen in räumlicher Nähe, was die Anteile der Maisnutzung in diesen Regionen erheblich vergrößert. Denn größere Anlagen, die oft eine elektrische Leistung von mehreren Megawatt erzielen, ziehen viele hundert Hektar an Anbaufläche nach sich. In Kommunen, in deren Umgebung eine oder mehrere Biogasanlagen stehen, sind deutliche Erhöhungen von Maismonokulturen zu verzeichnen, z.T. mehr als 50-60% Maisanteile.

Intensiver Maisanbau, oft in Monokultur (also ohne Fruchtfolgen) und auf großen Schlägen betrieben, führt in diesen Regionen zu erheblichen Akzeptanzproblemen. Der Verlust der Agro-Biodiversität schreitet deutlich voran. Ackerbrachen sind kaum noch vorhanden. Konkrete Schadereignisse, wie großflächige Wasser- und Winderosion oder Grünlandumbruch haben die Konflikte um den Maisanbau zusätzlich verschärft. Der flächendeckende Anbau der hochwüchsigen Pflanze führt auch zu negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Die Freizeit- und Tourismusbranche fürchtet um den Erholungswert der Landschaft in diesen Gegenden.

Kurzumtriebsplantagen (KUP)

Die Tatsache, dass sich in Brandenburg eine Holzlücke abzeichnet, wird in der Biomassestrategie deutlich herausgearbeitet. Heute werden in Brandenburg noch rund 3,7 Millionen m³ Holz geschlagen. In der Biomassestrategie wird aber damit gerechnet, dass sich auf Grund der Altersstrukturen bis zum Jahr 2026 die nachhaltig nutzbare Holzmenge in den Wäldern halbiert. Eine Antwort auf diese Herausforderung gibt die Biomassestrategie allerdings nicht. Angesichts der in Zukunft zu erwartenden vielen zusätzlichen Nachfragern, besonders im Holzbereich (z.B. Vattenfall für Jänschwalde, Vattenfall für Berlin, Choren für Schwedt jeweils in Größenordnungen von mehreren 100.000 Tonnen Holz pro Jahr) bedarf es dringend strategischer Überlegungen. Der Ruf nach neuen Holzquellen wird immer lauter werden. Allein auf Import zu setzen, kann darauf keine Antwort sein.

Die Landesregierung sieht in ihrer aktuellen Biomassestrategie bis zum Jahr 2020 ein Flächenpotenzial von 10.000 Hektar für Kurzumtriebsplantagen. Insgesamt waren in Brandenburg Ende 2009 allerdings nur 687 Hektar an Kurzumtriebsplantagen errichtet. Die aktuellen Zuwachsraten sind nach wie vor gering. Verglichen mit intensiv angebauten einjährigen Ackerkulturen können die im Kurzumtrieb angebauten Hölzer jedoch deutlich geringe Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben; besonders im Hinblick auf Pestizideinsatz, Düngung und Bodenbearbeitung. Da auf diese relativ extensive Form der Landnutzung immer mehr Nachfrage zukommt, müssen vor allem seitens der Politik und Verwaltung ökologische Anforderungen formuliert werden, um den bevorstehenden Agrarholz-Boom nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Die Entwicklung einer guten fachlichen Praxis für den Agrarholzanbau ist daher dringend geboten. Dort müssen Kriterien wie beispielsweise Begrenzung von Schlaggrößen, die Verpflichtung zu Sorten- und Artenvielfalt, der Ausschluss von sensiblen Grünlandstandorten oder der Verzicht auf GVO geregelt werden. Diesbezüglich haben Umweltverbände, auch der Bund e.V., bereits umfassende Kriterien erarbeitet.

Reststoffe

Die Potenziale von biogenen Reststoffen und anderweitigen biogene Rohstoffen wurden aus Sicht des Bund e.V. noch nicht ausreichend mobilisiert. In Brandenburg existiert ein Güllepotenzial von 6,5 Millionen Tonnen. Davon werden bislang lediglich Bruchteile genutzt.



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