Bioenergie auf falschem Weg
Einen Hektar Acker kann man jedes Jahr nur einmal nutzen. Entweder zum Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Getreide oder zum Futteranbau für die Fleisch- und Milchgewinnung. Dazu brauchen wir im Schnitt rund fünfmal mehr Fläche als für Brotgetreide, um auf den gleichen Ernährungswert für Menschen zu kommen. Oder für die Energiegewinnung, etwa für Agrosprit oder Biogaspflanzen.
Ein großes Problem in vielen unserer Heimatregionen ist der Maisanbau. Er eignet sich hervorragend als Futter für Kühe, Schweine und für Biogas. Zusätzlich zu diesen Nutzungsformen wächst die industrielle, stoffliche Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen, etwa für kompostierbare Tragetaschen und Verpackungsmaterial. Nach heutigem Kenntnisstand am besten für die Industrie geeignet:Mais.
Die Vermaisung ganzer Landstriche hat mit der intensiven Tierhaltung seinen Anfang genommen. Heute erhalten Landwirte pauschal 340 Euro pro Hektar und Jahr, egal ob dort Maismonokulturen für Schweinefutter oder für Biogas oder aber sortenreiches Kleegras wachsen. Seit dieser Entkopplung blieb die Milchproduktion auf hohem Niveau (ca. 10 Prozent oberhalb des Verbrauchs in der EU), die Schweinemast wurde sogar noch ausgeweitet und damit auch der Maisanbau.
Steigende Weizenpreise veranlassten die Futtermittelindustrie, statt Weizen mehr Mais ins Fertigfutter zu geben, auch bei Geflügelfutter. Etwa zur gleichen Zeit führte die Bundesregierung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz einen Bonus für nachwachsende Rohstoffe in Biogasanlagen (kurz Nawaro-Bonus) ein. Das Resultat: Mehr Mais. Seit 2003 haben wir über 230.000 Hektar Grünland verloren. Zudem sehen wir vielerorts sehr enge Fruchtfolgen, die einen hohen Pestizideinsatz erfordern.