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Aus dem Zeitalter der Saurier: Brandenburg und die Braunkohle

Braunkohletagebau in der Lausitz, Foto: BUND

Braunkohle, das fossile Sedimentgestein, ist durch die Karbonisierung von Pflanzenresten hauptsächlich im Tertiär entstanden. Sie enthält gespeicherte Sonnenenergie, die vor Jahrmillionen von Pflanzen auf der Erde mit Hilfe der Photosynthese in organisches Material umgewandelt wurde. Während der Verbrennung wird diese Energie, neben der Freisetzung von Schadstoffen wie Schwefeldioxiden, Stickoxiden, Staub und vor allem dem Treibhausgas Kohlendioxid, in Sekunden wieder freigesetzt.

In Deutschland wird Braunkohle in drei Braunkohlerevieren abgebaut: im rheinischen Revier, im Lausitzer-Revier sowie im mitteldeutschen Revier. In der Lausitz existieren in Brandenburg zwei aktive Tagebaue: Jänschwalde und Welzow Süd I. Der Tagebau Cottbus-Nord wurde bis Ende 2015 ausgekohlt.

Tagebaufelder in der Lausitz; Abb: BUND
Tagebaufelder in der Lausitz. Rot gekennzeichnet sind die geplanten neue Tagebaue

Der oberirdische Abbau der Braunkohle ist eine Zerstörung von Natur und Lebensraum ungeahnten Ausmaßes. Allein in der Lausitz mussten in den letzten 80 Jahren mehr als 30.000 Menschen ihre Heimat verlassen. 136 Orte verschwanden ganz oder teilweise von der Landkarte. Die letzten abgebaggerten Ortsteile im Lausitzer-Revier waren Horno für den Tagebau Jänschwalde, Lakoma für den Tagebau Cottbus-Nord und Haidemühl für den Tagebau Welzow Süd I. Es ist aber noch nicht vorbei: Aktuell sind in Brandenburg noch das Dorf Proschim und weitere Ortsteile von Welzow sowie Lindenfeld (810 Einwohner) durch den geplanten Tagebau Welzow-Süd II bedroht. Der Bergbaukonzern LEAG* verkündete am 30.3.2017, dass die Pläne für den Tagebau Jänschwalde-Nord nicht weiter verfolgt werden sollen. Die 900 BewohnerInnen der bedohten Dörfer Atterwasch, Kerkwitz und Grabko können nach zehn Jahren Unsicherheit aufatmen. Auch auf den Neubau eines Braunkohlekraftwerkes am Standort Jänschwalde sowie die Tagebaue Spremberg-Ost und Bagenz-Ost will die LEAG verzichten. Wirklich ausgeschlossen sind weitere Tagebaue jedoch nur, wenn dies von der Politik raumordnerisch festgehalten wird, am besten im Landesentwicklungplan.

*Der tschechische Energiekonzern Energeticky a Prumyslovy Holding (EPH), welchem auch schon die MIBRAG im mitteldeutschen Kohlerevier gehört, hat das Braunkohlegeschäft im September 2016 vom schwedischen Staatskonzern Vattenfall übernommen und betreibt es unter dem Namen LEAG.

Tagebau in der Lausitz; Foto: BUND

Auch geschützte Biotope und Tierarten sollen dem Tagebau zum Opfer fallen. Es wird sogar in ein europäisches Schutzgebiet eingegriffen, dem einzigen Vorkommen der Sand-Silberscharte in Brandenburg. Tagebaue vernichten gewachsene Kulturlandschaften, die in absehbarer Zeit nicht gleichwertig ersetzt werden können. Neue Tagebaue würden den Zustand des Grundwassers in der Lausitz noch weiter verschlechtern und durch Entwässerung tieferer Schichten Versauerung und Sulfateintrag in die Oberflächengewässer erhöhen. 

Doch nicht nur das: Neue Braunkohletagebaue sind mit den Zielen des Klimaschutzes überhaupt nicht vereinbar und weder umwelt- noch sozialverträglich. Eine preiswerte und verlässliche Energieversorgung kann auch ohne neue Braunkohletagebaue sichergestellt werden, eine energiepolitische Notwendigkeit für neue Tagebaue besteht nicht. 

Außerdem ist die Braunkohleverstromung derzeit so ziemlich der sicherste Weg, das Klima zu ruinieren. Braunkohlekraftwerke wie Jänschwalde beispielsweise emittieren ca. 1200g CO2 pro erzeugter KWh Strom (GuD-Kraftwerk ca. 365g). 25 Mio t CO2 pro Jahr machen das Kraftwerk zum zweitgrößten Klimakiller Deutschlands.

Video: "Von Paris in die Lausitz" - Vortrag von Hubert Weiger

Am 12.07.2016 hielt der BUND-Bundesvorsitzende Hubert Weiger in Proschim einen Vortrag zu den Ergebnissen des Klimagipfels in Paris und den Auswirkungen auf die Lausitz. Schauen Sie sich hier den Mitschnitt des Vortrags von EnergiewendeTV an!

Das über 700 Jahre alte Dorf Proschim in der brandenburgischen Lausitz ist von der Abbaggerung für den Braunkohletagebau Welzow-Süd II bedroht. Dieser wurde im Juni 2014 von den brandenburgischen Landesregierung beschlossen. Über 800 Menschen müssten für den Abbau des schmutzigen und klimaschädlichen Brennstoffs umgesiedelt werden. Das Dorf Proschim erzeugt durch Fotovoltaik, Windenergie und Biogas weit mehr erneuerbare Energie als es verbraucht.

Mehr Infos zum Tagebau Welzow-Süd II

Quelle: http://www.bund-brandenburg.de/themen_projekte/braunkohle/