Alleen - Geschichte(n)

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Alleen zu bestimmenden Elementen der Landschaftsgestaltung. Neben der Verkehrssicherheit für Kutschen und Reiter wurden sie auch zu militärischen Zwecken angelegt, als Windschutz, zur Befestigung von Dämmen, zum Schutz der Fahrbahnen, aus landschaftsästhetischen Gründen sowie zur Versorgung der Bevölkerung mit Äpfeln, Birnen und Kirschen.


Die Anfänge

Villa Montalto mit Gärten in Rom von Papst Sixtus V. im 16. Jahrhundert; Quelle: Marie Luise Gotheim: Geschichte der Gartenkunst, Bd. 1, Jena 1926
Villa Montalto mit Gärten in Rom von Papst Sixtus V. im 16. Jahrhundert

Die Karriere von Bäumen als Bepflanzungen von Straßen und Plätzen beginnt schon in der griechischen und römischen Antike. Als eine der ersten Alleen der Neuzeit gilt die der Villa Quaracchi bei Florenz von 1459. Höhepunkt der Alleen als repräsentatives Gestaltungselement war Frankreich. Aus dem Französischen stammt auch der Begriff Allee (Allée = Gang, von „aller“ = gehen), seit dem Barock-Zeitalter wird es im deutschen Sprachgebrauch für parallel gepflanzte Baumreihen gebraucht.


Verbreitung in Brandenburg

Apfelbaum; Quelle: BUND

1720 wurden die Handelsstraßen von Berlin nach Frankfurt (Oder) und Küstrin in der „Special-Karte“ als Alleen ausgewiesen. 1754 wurden in einer Großaktion 161.000 Straßenbäume, meist Weiden, Maulbeer- und Obstbäume gepflanzt.

Der heutige Bestand reicht also vielerorts bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der Großteil aber ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Neupflasterung vieler Landverkehrswege angelegt worden. Ein weiterer Höhepunkt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier wurden die Verkehrsanforderungen und die Erholungsfunktion der Bäume kombiniert: „Nicht minder wertvoll ist die Allee auf den Landstraßen. Abgesehen von der Annehmlichkeit des Schattens, soll die Allee in ihrem Aufbau das Auge des Wanderers beruhigen und den Geist beschäftigen, so wird auch der Straßenkörper durch die Beschattung und die Erhaltung einer gewissen Feuchtigkeit vorteilhaft beeinflusst.“ Und: „Auch die Zierde und Schönheit einer Landschaft wird nicht vergessen. Bäume (...) dienen zur Erfrischung und Ergötzung der Reisenden“ (Peters, zitiert aus Haeckel 1932, S. 312).

Dienten Alleen zunächst als optische Verbindung zwischen Reisezielen und als Gliederung der weiträumigen Landschaften, wurde bald erkannt, dass sich das Ästhetische mit dem Nützlichen verbinden ließ – Obstbaumalleen waren schön und trugen gleichzeitig zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit Obst bei.

Weitere Gründe für Alleenpflanzungen waren:

  • Militär: Feldherren wie Napoleon ließen Alleen anlegen, um dem marschierenden Heer bessere Bedingungen zu gewährleisten (Schutz vor Regen, Schnee, Sonne, Wind).
  • Auch allgemein war Beschattung, Schutz vor Schneeverwehungen und Wind und Sonne ein wichtiger Grund zur Alleenanlage.
  • Die Bäume markierten die oft unbefestigten Wege bei Schnee oder Dunkelheit.
  • Sie boten Feuerholz, Obst, Eicheln oder Kastanien.

Maulbeerbaumalleen: Relikte der Seidenraupenzucht

Friedrich der Große ordnet 1742 in einem Edikt die großflächige Anlage von Maulbeerbäumen an, um Preußen von Seidenimporten unabhängig zu machen – zu den Hochzeiten standen in Preußen mehr als eine Million Maulbeerbäume, die meisten davon an Straßen. Einzelne Exemplare aus dieser Zeit finden sich auch heute noch in Brandenburg (Beispiele: Zernikow, Alt-Töplitz, Kummersdorf).

Der Alleenerlass von 1841

Des Ministeriums des königlichen Hauses und des Finanzministeriums an sämtliche königlichen Regierungen vom 26.2.1841

"Des Königs Majestät haben mit Missfallen wahrgenommen, dass häufig bei der Anlegung neuer Chausseen die alten mit Alleen bepflanzten Wege nicht beibehalten und die Bäume alsdann umgehauen oder sonst weggeschafft worden sind. Damit nicht auf diese Weise die Länder und Wege ihrer Zierde beraubt werden, haben Allerhöchstdieselben befohlen, bei Anlagen von Chausseen oder Eisenbahnen streng darauf zu achten, dass von den alten Straßen nicht wie öfters geschehen, bloß deshalb abgewichen werde, um ganz geringe Biegungen zu vermeiden, dieselben vielmehr nur da, wo sich eine wirkliche Notwendigkeit ergibt, verlassen werden. Wenn ein solcher Fall eintritt, wollen des Königs Majestät insofern der Grund und Boden zu den Domänen oder Staatswaldungen gehört, die vorhandenen alten Alleen jedenfalls erhalten wissen, wobei dann nach den Verhältnissen eines jeden Falles zu beurteilen bleibt, ob die frühere Straße als solche ferner zu unterhalten oder das Terrain unter den Bäumen anderweitig zu benutzen sein wird. Den Privatbesitzern ist indessen in Betracht der Erhaltung der auf ihrem Territorium vorhandenen alten Alleen eine gleiche Verpflichtung nicht aufzuerlegen, wiewohl es seiner Majestät dem König angenehm sein wird zu bemerken, wenn seitens derselben in ähnlicher Art verfahren wird. Indem der königlichen Regierung dies zur Beachtung eröffnet wird, wird ihr zugleich eingeschärft, aufs Strengste darauf zu sehen, dass Lichten und Aushauen prachtvoller Alleen, wie solches seine Majestät hier und da bemerkt habe, künftig durchaus unterbleibe."
Berlin, den 26. Februar 1841
Gez. Von Ladenberg und Graf von Albensleben

Der Erlass macht deutlich, dass Alleenschutz schon damals ein wichtiges staatliches Ziel war und dass man sich der Wohfahrtswirkung und der landschaftsästhetischen und kulturhistorischen Bedeutung der Alleen bewusst war.

Alleen nach dem Zweiten Weltkrieg – getrennte Entwicklung in West und Ost

Im Westen Deutschlands wurden die Alleen im Zuge des massiven Straßenausbaus der 50er/60er Jahre regelrecht ausgelöscht. Grund war die Umsetzung des Leitbildes der „autogerechten Stadt“ mit der Trennung der Funktionen Arbeiten, Wohnen, Versorgen und Freizeit. Die Entfernungen stiegen, das Auto wurde unentbehrlich und die Zunahme des Autoverkehrs produzierte neue Straßen und erforderte den Ausbau der alten. Dieser massive Straßenbau der vergangenen Jahrzehnte hat nicht nur eine Vielzahl natürlicher Lebensräume zerstört und zerschnitten – an rund 50.000 km Straßen fielen ihm auch die Straßenbäume zum Opfer.

In Ostdeutschland erfolgte bis zur Wende der Straßenaus- und Neubau in kaum nennenswerter Weise. Das geringe Verkehrsaufkommen und die niedrige Anzahl der PKW und LKW machten dies überflüssig. Daher sind heute in den Ost-Bundesländern noch viele Alleen und Kopfsteinpflasterstraßen vorhanden. Doch auch hier war nicht alles „eitel Sonnenschein“: die Bäume wurden in den vergangenen Jahrzehnten schlecht gepflegt, wenige wurden neu gepflanzt. In Kombination mit dem hohen Alter ergibt sich der schlechte Zustand der Alleebäume, der den Brandenburger Alleenschutz heute vor große Herausforderungen stellt.